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Aus: Ausgabe vom 31.07.2020, Seite 8 / Inland
Friedrich Engels zum 200.

»Kraftvolles Zeichen gegen bürgerliche Umdeutung«

NRW: Protestaufruf gegen entpolitisieres Jahresprogramm zu 200. Geburtstag von Friedrich Engels. Ein Gespräch mit Sebastian Woldorf
Interview: Markus Bernhardt
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Die Friedrich-Engels-Statue des chinesischen Künstlers Zeng Chenggangin in Wuppertal (9.4.2019)

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag des in Barmen geborenen Revolutionärs, Philosophen und Ökonomen Friedrich Engels zum 200. Mal. Warum sollte die Erinnerung an ihn wachgehalten werden?

Friedrich Engels ist neben Karl Marx Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Außer der Mitautorenschaft am Kommunistischen Manifest ist er vor allem für mehrere allgemeinverständliche Schriften zum Klassenkampf und der proletarischen Revolution wie zum Beispiel den »Anti-Dühring« bekannt. Sein Werk bildete nicht nur die Grundlage für die damalige revolutionäre Sozialdemokratie und die sozialistischen Revolutionen im 20. Jahrhundert, sondern inspiriert auch heute noch Millionen von Menschen auf der ganzen Welt im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Spielt Engels denn heutzutage noch eine Rolle in Wuppertal?

Sein Name ist durch das Museum am ehemaligen Familiensitz, drei hervorragende Denkmäler und die Benennung einer Hauptverkehrsstraße weiterhin präsent im Stadtbild. Wuppertal ist eine stark industriell geprägte Stadt, die in den vergangenen Jahrzehnten durch Arbeitsplatzabbau und Deindustrialisierung stark gebeutelt wurde. In der momentanen Krise ist die offizielle Erwerbslosenzahl in der Stadt auf 10,7 Prozent angestiegen. Mehr als ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind aktuell in Kurzarbeit geschickt. Die Krise macht offensichtlich, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht unserem Wohle dient, sondern nur der Profitmaximierung einiger weniger. Die gesellschaftspolitische Alternative, für die Engels steht, ist heute so aktuell wie zu seinen Zeiten.

Wie setzt sich Ihr Bündnis zusammen?

Es ist ein Zusammenschluss von unterschiedlichen linken Gruppen und Parteien wie dem Revolutionären Jugendbund, dem Linken Forum, »Trotz alledem«, »Kommunistischer Aufbau« und der DKP. Unser gemeinsamer Nenner ist, Wuppertals großen Sohn zu ehren, indem wir daran erinnern, dass eine Gesellschaft jenseits von Profitlogik und Ausbeutung möglich und erkämpfenswert ist. Wir werden am Sonnabend ab 13 Uhr mit rund 500 Teilnehmern einen Demonstrationszug von der Elberfelder Innenstadt bis zum Engelsgarten durchführen, wo wir den Tag bei Musik und Essen ausklingen lassen.

Sowohl Wuppertal als auch das Land Nordrhein-Westfalen erinnern offiziell an ihn. Wofür braucht es Ihre Demonstration?

Tatsächlich organisiert die Stadt Wuppertal unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Armin Laschet, CDU, das gesamte Jahr über ein umfangreiches Programm. Doch selbstverständlich hat die bürgerliche Politik keinerlei Interesse daran, mit dem Gedenken an Engels die Perspektive einer Welt ohne Kapitalisten und mit gerechter Verteilung des Reichtums aufzuzeigen. Am offiziellen Slogan des Engels-Jahres »Denker. Macher. Wuppertaler.« merkt man, wohin die Reise geht: die Entpolitisierung von Engels.

Indem sein Wirken historisiert und in vermeintlich überwundene dunkle Zeiten der Industrialisierung eingebettet wird, wird ihm der revolutionäre Kern genommen. Mit unserer Demonstration wollen wir auf dieses Weichspülen hinweisen und sein revolutionäres Anliegen lautstark zur Geltung bringen. Wir rufen dazu auf, mit uns ein kraftvolles Zeichen gegen die bürgerliche Umdeutung des Revolutionärs Friedrich Engels zu setzen.

Was verspricht sich Wuppertal vom Engels-Jahr?

Die Aktivitäten der Stadt sind vor allem in Hinblick auf die Selbstvermarktung als touristisches Ziel ausgerichtet. In diesem Kontext ist auch die Zustimmung zur Schenkung einer großen Engels-Statue durch die Volksrepublik China zu sehen, die 2014 unweit des Geburtshauses aufgestellt wurde. Der Kommunalpolitik geht es also keineswegs darum, das revolutionäre Erbe Engels’ auf die heutige Zeit zu übertragen, sondern darum, zahlungskräftige – vor allem chinesische – Touristen in die Stadt zu locken.

Sebastian Woldorf ist Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Wuppertal und aktiv im Bündnis, welches die Demonstration zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels vorbereitet

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Debatte

  • Beitrag von Dr. rer. nat. Harald W. aus H. (30. Juli 2020 um 21:26 Uhr)
    Da unter »Politik« äußerst engstirnige Geldegoismusverteilungskämpfe verstanden werden müssen (»Der Sinn liegt im Gebrauch«), ist der Slogan »Denker, Macher, Wuppertaler« doch eine gewisse, sogar adäquate »Würdigung« – die ihren Sitz in Zitaten wie von der Verwirklichung der deutschen Philosophie durch die Revolution des Proletariats hat. Die berühmte 11. Feuerbachthese, Kants Entdeckung der Moralität des Volkes mit der französischen Revolution, Hegels Umstellung von Fortschritt auf Massenschulbildung mit Facharbeiterbrief. Im Gegensatz zu den nur politisch erfolgreichen »Nur-Machern« à la Helmut Schmidt von der SPD, aber auch sonstigen DDR-Abwicklern und Kalter-Krieg-Siegern à la Laschet selbst – gegen Engels' »Vertreter« – ist das »Denker« auch noch mal eine durchaus »adäquate« Würdigung, finde ich. Dass Linke Engels noch mehr würdigen wollen, verstehe ich natürlich auch.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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