Der Schwarze Kanal: »Barmherzige Mutti«
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Aus: Ausgabe vom 30.07.2020, Seite 16 / Sport
Betrachtung

An die Nieren

Corona verdeutlicht, worum es beim Sport letztlich geht: Die Menschen
Von Andreas Müller
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Sehnsucht nach dem Rundenschrubben: Man schätzt etwas erst dann so richtig, wenn es plötzlich fehlt

Dem Sport wohnen immense soziale Kräfte inne. Eine Binsenweisheit, mit der jeder Sportfunktionär in jedem Redemanuskript jederzeit und aus jedem beliebigen Anlass nichts falsch machen kann. Doch im »Coronazeitalter« bekam die banale Botschaft plötzlich eine neue Bedeutung.

Es tat körperlich weh, die Sportfreunde und -freundinnen nicht mehr im Verein zu sehen. Es schmerzte, wenn die geliebten Stunden inklusive Erfrischungsgetränk mit den Sportkameraden bei verschlossener Sporthallentür dahingingen, wenn der vormals so selbstverständliche Termin im Wochenkalender nun ein ums weitere Mal durchkreuzt werden musste. Wie erst mussten dies all die Seniorensportler empfinden, die ihr Hobby regelmäßig unter Leute führt und der häuslichen Einsamkeit entreißt? Es krampfte sich das Herz, die verwaisten Geräte im Fitnessstudio zu sehen. Es geht bis heute an die Nieren, nirgends mehr seiner Lieblingsmannschaft vom Spielfeldrand oder von der Tribüne die Daumen drücken zu dürfen.

Ob aktiv oder passiv, der Sportfreund hat schwer gelitten. Auch der professionelle Betrieb ist schwer getroffen. Eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Situation, die praktisch jedes der rund 27 Millionen unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes vereinten Mitglieder und die nicht organisierten Fitnessfreunde, Jogger oder Kletterer beeinträchtigt. In der sie alle zusammen den Wert gemeinsamer Freizeitbeschäftigung vielleicht erstmals in seiner ganzen physischen und psychischen Bedeutung ermessen können. Eine Erfahrung, die alle Sporttreibenden in diesem besonderen Jahr gemeinsam gemacht haben oder richtiger: machen mussten.

Wie haben kluge Leute lange vor den ungemütlichen Coronazeiten formuliert: Man schätzt etwas erst dann so richtig, wenn es plötzlich fehlt. Oder so ähnlich. Nun, da der allgemeine Sportbetrieb sukzessive wieder aufgenommen wird, wird’s hoffentlich umso schöner. Nach dieser Zeit schätzt man die gemeinsamen Stunden hoffentlich umso mehr, weiß um den Wert dieser speziellen sozialen Kräfte, die einem bislang selten bewusst waren. Die Millionen (Freizeit-)Sportler werden bestimmt nicht so schnell vergessen, was sie im Coronajahr erlebt haben, wenn künftig in Sonntags- und Fensterreden wieder die sozialen Komponenten des Sports gerühmt werden. Wobei: Noch ist die Gefahr nicht gebannt – und jeder Sportler kann mit umsichtigem Verhalten dazu beitragen, dass seine Leidenszeit nicht von Neuem beginnt.

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