Contra Blockade, Protest-Abo!
Gegründet 1947 Donnerstag, 6. August 2020, Nr. 182
Die junge Welt wird von 2346 GenossInnen herausgegeben
Contra Blockade, Protest-Abo! Contra Blockade, Protest-Abo!
Contra Blockade, Protest-Abo!
Aus: Ausgabe vom 30.07.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Monopole

Big Four im Kreuzverhör

Marktmacht: US-Kongress befragt Chefs von Amazon, Apple, Facebook und Google
RTX5MP9T.JPG
Keiner Schuld bewusst: Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor früherer Kongressanhörung 2018 in Washington

Die Chefs der vier großen US-Internet- und Technologieriesen Apple Inc., Amazon.com Inc., Facebook Inc. und Google LLC mussten sich am gestrigen Mittwoch (nach jW-Redaktionsschluss) Fragen von Abgeordneten im US-Kongress stellen. Bei der Anhörung von Jeffrey Bezos, Timothy Cook, Mark Zuckerberg und Sundar Pichai im Justizausschuss des Repräsentantenhauses stand die Marktmacht der Konzerne im Mittelpunkt. Die mächtigen Vier waren per Videokonferenz zugeschaltet.

Die billionenschweren Konzerne sind verschiedenen Vorwürfen wegen »unfairen Wettbewerbs« ausgesetzt – übersetzt: Sie lassen der Konkurrenz kaum Luft zum Atmen. Die Abgeordneten gehen diesen Anschuldigungen seit gut einem Jahr nach. So dürfte Apple-Chef Cook zu den Konditionen für App-Entwickler auf der Downloadplattform für I-Phone-Anwendungen befragt worden sein. Anbieter wie der schwedische Marktführer beim Musikstreaming, Spotify, kritisieren als unfair, dass sie bei Verkäufen dort 15 bis 30 Prozent der Erlöse an Apple abgeben müssen.

Facebook-Boss Zuckerberg ist in der Vergangenheit mehrfach im Kongress befragt worden. Dem Onlinenetzwerk wird unter anderem vorgeworfen, durch Übernahmen von Diensten wie Instagram und Whats-App zu dominant im Social-Media-Geschäft geworden zu sein. Im Fall von Google dürfte sich Spitzenmanager Pichai, der auch an der Spitze des Mutterkonzerns Alphabet Inc. steht, Fragen zur Marktmacht im Suchmaschinengeschäft und bei Onlinewerbung gestellt haben müssen.

Gegen Amazon, den mächtigsten Einzelhändler der Welt, wird unter anderem der Vorwurf erhoben, der Konzern nutze Daten anderer Händler, die auf seiner Plattform verkaufen, um diese dann in lukrativen Bereichen aus dem Geschäft zu drängen. Oligarch Bezos ist den Republikanern im Repräsentantenhaus aber auch zusätzlich suspekt, weil er als Besitzer der Washington Post auch erhebliche Meinungsmacht besitzt – mit der er sich ziemlich offen auch gegen US-Präsident Donald Trump und dessen Parteigänger stellt.

Der Ausschuss hatte in der Nacht zum Mittwoch die Stellungnahmen der vier Konzernchefs veröffentlicht, die sie vor Beginn der Fragerunde abgeben wollten. In den Texten zeichnen sich einige gemeinsame Verteidigungslinien ab. So betonen die Manager, dass es sich bei ihren Multis um durch und durch (US-)amerikanische Unternehmen handele. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass es in ihren Märkten starke Konkurrenten gebe und ihr künftiger Erfolg alles andere als sicher sei. Ohnehin genießen sie als »nationale« US-Champions die nahezu uneingeschränkte Unterstützung Washingtons. So drohte die Trump-Regierung beispielsweise anderen Staaten unverblümt Sanktionen an, die wie Frankreich die Giganten stärker besteuern wollen.

Die leitenden Herrschaften der Konzerne wissen das sehr wohl: »Apple ist ein einzigartig amerikanisches Unternehmen, dessen Erfolg nur in diesem Land möglich ist«, heißt es beispielsweise in der Stellungnahme von Cook. (dpa/jW)

Die junge Welt im Aktionsabo kennenlernen: Drei Monate lang für 62 Euro!

An guten Gründen für Protest mangelt es sicher nicht – ganz im Gegenteil. Diese Zeit hat Opposition bitter nötig! Doch ganz gleich wie der Protest aussieht, gilt: Nur was man versteht, kann man verändern.

Genau hier setzt die junge Welt an. Jeden Tag liefern wir gut sortiert Informationen und Inspirationen, machen Hintergründe und Zusammenhänge verständlich. Knapp und bündig bietet die junge Welt konsequent linken Journalismus, an jedem Wochentag auf 16 und am Wochenende auf 24 Seiten.

Die beste inhaltliche Basis für Protest! Deshalb bieten wir unser Sommerabo an: Drei Monate die junge Welt mit ihrem unverwechselbarem Profil kennenlernen. Danach ist Schluss, es endet automatisch.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Istvan Hidy: Mediale Show Zitat: Die billionenschweren Konzerne sind verschiedenen Vorwürfen wegen »unfairen Wettbewerbs« ausgesetzt – übersetzt: Sie lassen der Konkurrenz kaum Luft zum Atmen. Das US-Parlament nimmt die Chefs ...

Ähnliche:

  • Jio, eine Digitalplattform, die bei US-amerikanischen Konzernen ...
    28.07.2020

    Milliarden für Jio

    Neue Episode im Handelskrieg gegen Volksrepublik China: Google und Facebook investieren in indische Huawei-Konkurrenz
  • Streaming ist die Zukunft. Das Ende des klassischen Fernsehens, ...
    21.03.2020

    Es »streamt« auf allen Kanälen

    Der Konsum von Bildern, Tönen und Texten direkt aus dem Internet erlebt einen ungeahnten Aufschwung. In der Folge verändert sich die Medienbranche rasant
  • Die großen Internetkonzerne greifen mit den von ihnen vorangetri...
    24.11.2016

    Die Macht im Netz

    Apple, Amazon, Google und Facebook gehören zu den marktbestimmenden Konzernen einer expandierenden Branche. Über Konzentration, Konkurrenz und Einflussmöglichkeiten der großen Internetunternehmen

Mehr aus: Kapital & Arbeit