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Aus: Ausgabe vom 30.07.2020, Seite 2 / Inland
Friedenstour durch NRW

»Junge Menschen haben Angst vor dem Klimawandel«

Friedensbewegung verbindet mit diesjähriger Fahrradtour durch NRW Umweltschutz und Antimilitarismus. Ein Gespräch mit Joachim Schramm
Interview: Markus Bernhardt
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Flagge zeigen für den Frieden: Teilnehmende einer antimilitaristischen Fahrradtour in Berlin (16.8.2014)

Auch in diesem Jahr veranstaltet Ihr Landesverband eine Friedensfahrradtour durch Nordrhein-Westfalen. Diese soll vom 1. bis 9. August stattfinden. Was wollen Sie mit der Aktion bewirken?

Unter dem Motto »Gemeinsam für unsere Zukunft – Für eine andere Politik« wollen wir eine Wende in der Außen- und Sicherheitspolitik einfordern. Wir wenden uns gegen die aktuelle atomare Aufrüstung auch in Deutschland, gegen die Konfrontationspolitik gegenüber Russland und gegen die mit dem Zweiprozentziel der NATO verbundene Aufrüstung der Bundeswehr. Wir wollen diese Ziele und Forderungen an Militär- und Rüstungsstandorten in NRW erfahrbar machen und vor Ort protestieren. Wir sind circa 350 Kilometer unterwegs, verbinden Politik mit der Fortbewegung auf einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel und haben auch noch Spaß dabei.

Was ist in Städten geplant, in deren Umgebung sich militärische Stützpunkte oder ähnliches befinden?

Wir haben in mehreren Orten Unterstützung durch lokale Friedens- und andere Gruppen. So werden wir in Nörvenich vor dem »Eurofighter«-Stützpunkt der Bundeswehr protestieren, der gleichzeitig Ausweichflugplatz für die Atombomben-»Tornados« aus Büchel ist (Luftwaffenstützpunkt der Bundeswehr, auf dem US-Atomwaffen lagern, jW). In Euskirchen machen wir auf die neuen »Cyber War«-Fähigkeiten der Bundeswehr aufmerksam und in Köln-Wahn auf die Weltraumrüstung im Dienste der deutschen Armee. Im Zentrum stehen aber die Proteste gegen die Atomwaffen.

Schon beim Start der Tour in der Dreiländerregion Aachen wollen wir darauf aufmerksam machen, dass im Umkreis von weniger als 100 Kilometern in allen drei Ländern Atomwaffen stationiert sind und eine Bedrohung für die Bevölkerung darstellen. Am 4. August werden wir zusammen mit Kölner Friedensfreundinnen und -freunden mit einer Aktion auf dem Roncalliplatz auf den bevorstehenden Hiroshima-Gedenktag aufmerksam machen und gegen die geplante Anschaffung neuer Atombomber protestieren. Ebenso am 6. August, dem Hiroshima-Tag, in Bonn. Und natürlich unterstützen wir am Ende der Tour am Nagasaki-Gedenktag in Büchel die dort Engagierten bei ihrem Protest und fordern den Abzug der US-Atombomben.

Wie fielen bisher die Reaktionen aus der Bevölkerung aus?

Die Fahrradgruppe bietet ja immer ein buntes Bild mit unseren Friedensfahnen und erregt viel Aufmerksamkeit. Unsere Forderungen stoßen auf viel Zustimmung, immer wieder kommt es vor, dass Menschen uns spontan etwas Geld spenden. Auch die Lokalpresse ist in der Sommerzeit immer dankbar für eine besondere Aktion und trägt so unsere Ziele und Forderungen weiter.

Erstmals verbinden Sie Forderungen nach Abrüstung mit denen nach mehr Klima- und Umweltschutz. Wollen Sie auf einen aktuellen Trend aufspringen?

Diese Verbindung haben wir auch schon bei einigen vorherigen Touren betont. In diesem Jahr besuchen wir wieder die Klimaaktivisten im Hambacher Wald. Klima- und Umweltschutz haben viel mit Friedenssicherung zu tun. Es fängt damit an, dass die Rüstungsmilliarden für den Umweltschutz und die Bekämpfung des Klimawandels fehlen. Außerdem gehört das Militär mit zu den größten Klimasündern. Andersherum prognostizieren Wissenschaftler eine Zunahme von Konflikten und auch Kriegen, wenn der Klimawandel voranschreitet.

Während die Umwelt- und Klimabewegung maßgeblich von Jüngeren getragen wird, kämpft die Friedensbewegung seit geraumer Zeit mit Überalterung. Warum ist das so?

Offenbar ist die Bedrohung durch Krieg bei den jungen Menschen nicht so präsent, wie das noch in meiner Generation der Fall war. Meine Eltern waren noch durch den Zweiten Weltkrieg betroffen, ich wuchs unter der Bedrohung des Kalten Krieges auf, und die grausamen Bilder des Vietnamkrieges waren präsent. Heute haben junge Menschen Angst vor dem Klimawandel. Krieg scheint weiter weg, obwohl das ein Trugschluss ist. Und es ist für junge Leute vielleicht auch nicht so attraktiv, in langjährig gewachsene Strukturen der Friedensbewegung hineinzugehen. Wir versuchen es zur Zeit in Sachen Verjüngung über bundesweite Jugendstrukturen, in denen junge Mitglieder sich ihre eigenen Themen suchen und eigene Aktionsformen finden.

Joachim Schramm ist Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen und -gegner (DFG-VK) in Nordrhein-Westfalen

Infos zu Etappen der ­Friedenstour: nrw.dfg-vk.de

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