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Aus: Ausgabe vom 29.07.2020, Seite 15 / Antifa
Antifaschistische Debatte

Unauflösbarer Widerspruch

Antifaschistisches Infoblatt erinnert an den »Aufstand der Anständigen« vor 20 Jahren
Von Felix Clay
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Frisch aus der Druckerei: Die neueste Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatts

Die Sommerausgabe des Antifaschistischen Infoblatts (AIB) ist erschienen. Sie beschäftigt sich mit einem Sommer, der genau 20 Jahre zurückliegt: Schwerpunkt der AIB-Ausgabe 127 ist der sogenannte »Antifasommer« im Jahr 2000, der auch als »Aufstand der Anständigen« bekannt wurde und unter anderem zur Entstehung vieler staatlich finanzierter Initiativen »gegen rechts« geführt hat.

Vorangegangen waren in kurzer Abfolge der rassistische Mord an Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark durch junge Neonazis, der Anschlag auf die Synagoge in Erfurt und das bis heute nicht aufgeklärte Bombenattentat auf eine Gruppe jüdischer Menschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion am S-Bahnhof Düsseldorf-Wehrhahn (siehe jW vom 27.7.2020). Dies führte dazu, dass sich die damalige »rot-grüne« Regierung unter Gerhard Schröder gezwungen sah, nicht nur verbale Kraftmeierei in Form von Formulierungen wie der, es sei ein »Aufstand der Anständigen« nötig, zu demonstrieren. Sie nahm auch Geld in die Hand, um »zivilgesellschaftliche« Strukturen gegen »Rechtsextremismus« zu schaffen.

Diese sogenannten Bundesprogramme gibt es in verschiedenen Ausprägungen, die politisch von den jeweiligen geldgebenden Ministerien bestimmt werden, bis heute. Einige der damals erstmalig geförderten Projekte feiern demnächst ihren zwanzigsten Geburtstag. Gleich in der Anfangszeit dieser Projekte machten sich politisch gewollte Fehleinschätzungen bemerkbar, an denen zum Teil bis heute festgehalten wird. Erstens: Gewalttätiger Rassismus und Antisemitismus werden als Jugendproblem angesehen. Zweitens: Diese rechte Gewalt wird vor allem im Osten der Republik verortet und nicht als gesamtdeutsches Problem begriffen. Drittens: Das Wechselspiel von staatlichem Handeln und gewaltförmigem Ausdruck von Rassismus auf der Straße wird nicht erkannt. Trotzdem veränderten diese Programme und die aus ihnen entstehenden Initiativen das Gesicht und die Handlungsmöglichkeiten von antifaschistischen Aktivisten und Gruppen.

Der Autor des Einleitungsbeitrags »Kartenhäuser im Wind«, Friedrich Burschel, beschreibt es so: »Viele Aktivistinnen und Aktivisten aus antifaschistischen Kontexten begaben sich als Fachleute in die entstehenden Strukturen und damit in einen im Grunde unauflösbare Widerspruch zu den eigenen Ansprüchen.« Sie hätten sich so von Beginn an in einer Zwickmühle zwischen Loyalität zu ihren Geldgebern und dem Anspruch befunden, die Rolle staatlicher Stellen auf allen Ebenen zu kritisieren und Veränderungen einzufordern. Der Autor dieses selbstkritischen Beitrags weiß, wovon er spricht: Sein Projekt ABAD in Ostthüringen wurde, nachdem es auf einem Plakat offen »die rassistische Gewalt des Asyl- und Abschieberegimes« angeprangert hatte, politisch abgewickelt.

In Beiträgen über die Antifaarbeit im Westhavelland sowie in einem Text der Antifa Hohenschönhausen wird dargestellt, wie sich für unabhängige, aber kontinuierlich tätige Antifastrukturen die Arbeit mit und für diese professionellen, staatlich alimentierten Projekte auf die eigene Praxis auswirkte.

Etwas unverständlich beim AIB-Schwerpunkt ist, dass zwei ältere Artikel aus den Jahren 2001 und 2004 recycelt werden. Im Ressort »NS« schaut das AIB nach Schleswig-Holstein. Rund um den Kreis Segeberg treibt der »Aryan Circle« sein Unwesen, nachdem es eigentlich ruhiger um faschistische Aktivitäten in der Region geworden war. Der »Aryan Circle«, der vom Neonazi Bernd T. nach etlichen Knastaufenthalten gegründet wurde, setzt auf offenen Straßenterror etwa gegen Migranten und Fridays-for-Future-Aktivisten, schreckt aber auch nicht vor Gewalttaten im eigenen braunen Milieu zurück.

Antifaschistisches Infoblatt 127: Der Antifasommer – 20 Jahre Aufstand der Anständigen. 68 Seiten, 3,50 Euro, Internet: antifainfoblatt.de

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