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Aus: Ausgabe vom 23.07.2020, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Betrugsgeschäfte

Manager in Handschellen

Wirecard-Skandal: Auch Geheimdienstbeauftragter lobbyierte im Kanzleramt
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Kann wohl auch die zweite Millionenkaution bezahlen: Markus Braun, Exvorstandschef von Wirecard (25.4.2019)

Im Wirecard-Skandal hat die Münchner Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen drei frühere Manager des Dax-Finanzkonzerns erlassen. Dabei gehe es unter anderem um gewerbsmäßigen Bandenbetrug und Marktmanipulation in mehreren Fällen, sagte eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde am Mittwoch. Die Aussagen eines Kronzeugen und weitere Unterlagen hätten zudem Hinweise darauf ergeben, dass die Verantwortlichen schon 2015 beschlossen hätten, die Bilanz »aufzublähen«.

Die jüngsten Haftbefehle richten sich unter anderem gegen einen früheren Finanzvorstand, aber auch erneut gegen Exvorstandschef Markus Braun. Ein erster Haftbefehl gegen ihn war gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt worden. In allen Fällen habe man die Haftfortdauer angeordnet, sagte die Sprecherin. Die drei Beschuldigten seien in München festgenommen worden, sie hätten sich nicht selbst gestellt.

Das Bundeskanzleramt hatte seit Ende 2018 mehrfach Kontakt zum inzwischen insolventen Dax-Konzern sowie zu dessen Beratern. Dabei spielte auch der ehemalige Beauftragte für die Geheimdienste des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche (CSU), eine Rolle, wie ein Regierungssprecher am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mitteilte. Fritsche bestätigte gegenüber dem Magazin Spiegel (Onlineausgabe vom Mittwoch), dass er beim Kanzleramt für Wirecard lobbyiert hatte. Wie die Bundesregierung am Mittwoch mitteilte, war Fritsche am 11. September 2019 mit dem wirtschaftspolitischen Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengekommen. Auch Manager des Unternehmens seien demnach dabeigewesen.

Merkel habe dem Sprecher zufolge bei ihrer Reise in die Volksrepu­blik China im September 2019 die geplante Übernahme eines chinesischen Finanzunternehmens durch Wirecard angesprochen. Damals habe sie aber »keine Kenntnis von möglichen schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten« gehabt. Am 29. Juli soll eine nichtöffentliche Sondersitzung des Finanzausschusses des Bundestags zum Finanzskandal um 1,9 Milliarden Euro erfundenes Buchungsgeld (siehe jW vom Dienstag) stattfinden. Wie Fabio De Masi, Obmann für Die Linke, am Mittwoch mitteilte, habe Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) die Sitzung genehmigt. (dpa/jW)

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