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Aus: Ausgabe vom 10.07.2020, Seite 7 / Ausland
Libanon

Zuckerbrot und Peitsche

Libanon: USA lassen angeblichen Hisbollah-Financier frei. Wirtschaftlicher Druck jedoch erhöht
Von Emre Sahin

Der Unternehmer Kassem Tadschaddine, der in den Vereinigten Staaten inhaftiert gewesen war, wurde diese Woche überraschenderweise freigelassen und kam am Mittwoch in Beirut an. 2009 war ihm vorgeworfen worden, die libanesische Partei Hisbollah finanziell unterstützt zu haben, woraufhin ihn das US-Finanzministerium als »globalen Terroristen« einstufte. 2017 dann, wurde Tadschaddine in Marokko festgenommen und an die USA ausgeliefert.

Obwohl er weiterhin als »globaler Terrorist« gelistet wird und laut Urteil noch zwei Jahre in Haft bleiben müsste, kam er diese Woche frei. Begründet wurde der Schritt mit der Coronapandemie und seinem hohen Alter von 65 Jahren. Nicht nur, dass es in US-Gefängnissen ältere Inhaftierte als Tadschaddine gibt, die ebensostark von Corona betroffen sein könnten – erinnert sei an Mumia Abu-Jamal –; dieses »Entgegenkommen« der US-Justiz fällt in eine Zeit, in der das Land mit dem »Caesar«-Sanktionspaket gegen Syrien den wirtschaftlichen Druck auch auf den Libanon stark erhöht hat.

Im Raum steht daher der Verdacht, dass Tadschaddine im Tausch gegen Amer Fakhoury freigekommen sein könnte. Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah hat dies allerdings dementiert. Fakhoury war Mitglied der »Südlibanesischen Armee«, welche während der israelischen Okkupation Libanons 1982 mit Tel Aviv kooperierte. Nach dem Abzug der Israelis im Jahr 2000 floh er in die USA. 2019 wurde er bei seiner Einreise in den Libanon festgenommen, kam im März dieses Jahres aber frei und wurde mit Hilfe der US-Botschaft in Beirut außer Landes gebracht.

Die libanesische Tageszeitung L’Orient-Le Jour schrieb bezüglich der Spekulationen um die Freilassung Tadscheddines am 22. Juni, dass diese Schritte keine Öffnung der Beziehung zwischen der Hisbollah und Washington bedeuteten. Es sei eine klassische Politik von Zuckerbrot und Peitsche, welche das Ziel habe, die Partei an den Verhandlungstisch zu bringen. Durch die Sanktionen wolle Washington seine Gegner zudem unter Druck setzen, um aus einer viel stärkeren Position verhandeln zu können.

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