Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Gegründet 1947 Freitag, 25. September 2020, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2356 GenossInnen herausgegeben
Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €! Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Aus: Ausgabe vom 11.07.2020, Seite 6 / Ausland
Russland

Spekulationen über Festnahme

Russland: Gouverneur von Chabarowsk wegen Mordverdacht verhaftet
Von Reinhard Lauterbach
RTS3IX6G.JPG
Gouverneur Sergej Furgal nach dem Gerichtstermin am Freitag in Moskau

In Russland ist der Gouverneur der fernöstlichen Region Chabarowsk, Sergej Furgal, verhaftet worden. Agenten des Inlandsgeheimdienstes FSB nahmen ihn am Donnerstag morgen fest, als er in sein Büro fahren wollte, und transportierten ihn sofort in ein Moskauer Untersuchungsgefängnis. Die Ermittler werfen ihm vor, er habe in den Jahren 2004 und 2005 die Ermordung zweier geschäftlicher Konkurrenten veranlasst und dies auch in einem dritten Fall versucht. Furgal weist die Vorwürfe zurück. Sie stützen sich offenbar auf Aussagen, die ein im vergangenen Jahr verhafteter früherer Geschäftspartner gemacht hat. Unmittelbar nach der Festnahme Furgals entließ ihn Präsident Wladimir Putin wegen »verlorenen Vertrauens« aus seiner Funktion.

Der Gouverneur war einer der wenigen Regionalchefs in Russland, die nicht der Regierungspartei »Einiges Russland« (ER) angehören. Er ist Mitglied der nationalistischen Liberaldemokratischen Partei von Wladimir Schirinowski, die sich umgehend mit ihm solidarisierte. Schirinowski erklärte in Moskau, die Vorwürfe seien »absurd«. Furgal sei auf seinem Gouverneursposten zu erfolgreich gewesen, deshalb habe ihn die Staatsmacht beseitigen wollen.

Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf nicht. Furgal war 2018 überraschend mit 70 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden Gouverneur Wjatscheslaw Schport (ER) gewählt worden. Russische Medien nannten seinen Erfolg ein Ergebnis der verbreiteten Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der damals vorbereiteten »Reform« des Rentensystems. Die Menschen hätten den ersten besten gewählt, der nicht die Regierung vertreten habe.

Die liberale Nowaja Gaseta spekulierte, Auslöser für die Verhaftung Furgals sei gewesen, dass die Ergebnisse bei der Verfassungsabstimmung vom 1. Juli in der Region Chabarowsk weit unter dem offiziellen Landesdurchschnitt gelegen hätten. Bei 44 Prozent Beteiligung gab es 62 Prozent Ja-Stimmen gegenüber 76 Prozent Beteiligung und 78 Prozent Zustimmung im Land. Damit habe der Gouverneur Vorgaben aus dem Kreml ignoriert, und dies sei ihm zum Verhängnis geworden. Für Unmut in Moskau habe auch gesorgt, dass er sich 2019 mit dem Oppositionellen Alexej Nawalny getroffen habe.

Furgal ist bei der Bevölkerung der Region offenkundig populär. Auf den Straßen der Regionalhauptstadt Chabarowsk stellten sich laut einer Reportage des oppositionellen Portals meduza. io Leute mit handgemalten Schildern »Ich bin/Wir sind Furgal« auf. Eine Onlinepetition zugunsten des Gouverneurs wurde innerhalb eines Tages von 20.000 Menschen unterzeichnet. Interessant ist, dass die Unterstützer Furgals in der Region die Vorwürfe gegen den Gouverneur gar nicht abstreiten. Die Geschäftsbereiche, in denen der gelernte Arzt in den neunziger und nuller Jahren tätig war – Holz- und Schrotthandel –, seien eben »hochgradig kriminalisiert« gewesen. Seine Vergangenheit habe offenbar jahrelang niemanden gestört, und er hat drei Legislaturperioden lang unbehelligt in der Staatsduma sitzen können.

Ob die Vorwürfe gegen ihn zutreffen oder nicht, ist schlecht einzuschätzen. Da sie sich auf Aussagen eines »reumütigen« Inhaftierten stützen, ist auch nicht bekannt, unter welchen Umständen diese Angaben zustande gekommen sind. Dass hinter der Festnahme eine politische Intrige steht, scheint aber recht wahrscheinlich. Schon 2019 hatte Moskau die Region Chabarowsk für ihr unbotmäßiges Abstimmungsverhalten sanktioniert, indem die Hauptstadt des fernöstlichen Föderationskreises von Chabarowsk nach Wladiwostok verlegt wurde.

Wann, wenn nicht jetzt?

Die letzten Tage, um das stark vergünstigte und zeitlich begrenzte Aktionsabo der Tageszeitung junge Welt zu bestellen, sind angebrochen: Bis Montag, 28. September gibt es das Protest-Abo, um die junge Welt drei Monate lang für 62 € zu lesen.

Eine gute Gelegenheit, um die Tageszeitung gegen Kapitalismus kennenzulernen. Auf zum Endspurt!

Debatte

Regio:

Mehr aus: Ausland