Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Gegründet 1947 Mittwoch, 23. September 2020, Nr. 223
Die junge Welt wird von 2351 GenossInnen herausgegeben
Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €! Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Letzte Chance: 3 Monate jW für 62 €!
Aus: Ausgabe vom 10.07.2020, Seite 7 / Ausland
Italien

Tragödie und Farce

Eingestürzte Brücke in Genua: Verantwortlicher Konzern soll erneut die Betreiberlizenz erhalten
Von Gerhard Feldbauer
Neue_Bruecke_von_Gen_65923484.jpg
An der neuen Brücke in Genua wird noch gebaut (29.5.2020)

Als hätte Premierminister Giuseppe Conte in seinem Kabinett mit den Sozialdemokraten der PD und der rechten »Fünf-Sterne-Bewegung« (M5S) nicht schon genug Ärger wegen der Vergabe der EU-Kredite, droht jetzt neuer Streit: Es geht um die Konzession für den Betrieb der neuen Morandi-Brücke in der ligurischen Hauptstadt Genua. Verkehrsministerin Paola De Micheli (PD) kündigte am Mittwoch an, diese vorerst dem Konzern Autostrade per l’Italia zu übertragen. Das Problem: Das von der Familie Benetton kontrollierte Unternehmen wird für den Einsturz der alten vierspurigen Autobahnbrücke der A 10 am 14. August 2018 verantwortlich gemacht – die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bei der Katastrophe stürzten 35 Autos und drei schwere Fahrzeuge von dem etwa 250 Meter langen Abschnitt mehr als 40 Meter in die Tiefe, 43 Menschen kamen ums Leben. Die Autostrade per l’Italia wurde beschuldigt, aus Kostengründen über ein Jahrzehnt die Instandhaltung der maroden Brücke unterlassen zu haben. Schon 2009 hatten Experten verlangt, sie müsse abgerissen werden. Die italienische Regierung unter Silvio Berlusconi hatte dies damals abgelehnt.

Giovanni Toti, damals Chefredakteur des zum Mediaset-Konzern Berlusconis gehörenden Senders Italia 1 und ein Parteigänger der Forza Italia (FI), hatte ebenfalls diesen Standpunkt vertreten. Gegenwärtig Chef der Regionalregierung von Ligurien, zeigte Toti sich am Mittwoch empört über die Vergabe der Konzession an Autostrade per l’Italia.

M5S, die von Beginn an gefordert hatte, der Gesellschaft die Lizenz zu entziehen, protestierte ebenfalls gegen die Entscheidung der PD-Ministerin. »Fünf Sterne«-Parteichef Vito Crimi forderte: »Die Brücke von Genua darf nicht wieder in die Hände der Benettons übergehen.« Franco Ravera, Vorsitzender einer Betroffenenorganisation, erklärte, er sei »bestürzt«.

Premier Conte enthielt sich vorerst einer ausführlichen Stellungnahme und sprach am Mittwoch lediglich von einer »paradoxen Situation«, die »absurd zu werden droht«. Er forderte bis Ende der Woche eine Entscheidung.

junge Welt-Aktionsabo: Drei Monate lang für 62 Euro!

junge Welt: Die Zeitung gegen Krieg und Faschismus, Irrationalismus und Demagogie! Jeden Tag liefern wir gut sortiert Informationen und Inspiration, machen Zusammenhänge und Ursachen verständlich - mit prinzipienfester, antikapitalistischer Haltung. Und das in Hand ihrer Leserinnen und Leser. Damit ist unsere Tageszeitung allein auf weiter Flur in der deutschsprachigen Medienlandschaft.

Grund genug, die junge Welt kennenzulernen! Das Protest-Abo bietet die Möglichkeit, die junge Welt stark vergünstigt und zeitlich begrenzt zu lesen - danach endet es automatisch.

Mehr aus: Ausland