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Aus: Ausgabe vom 10.07.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Etappensieg

»Es geht darum, wie wir in Zukunft leben werden«

Widerstand lohnt sich: Aktivisten protestierten erfolgreich gegen Pipelineprojekt. Gespräch mit LaDonna Brave Bull Allard
Von Amy Goodman und Juan González
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Angestammte Rechte verteidigen: Angehörige der Rock Sioux Nation bei Protestmarsch in Washington 2017

Was sagen Sie zu dem Urteil von US-Bundesrichter James Boasberg, wonach die »Dakota Access Pipeline« – zumindest vorläufig – stillgelegt werden muss?

Hatten Sie jemals einen Traum, der wahr wurde? So war es für mich, als ich an dem Tag aufgestanden bin. Ich bin immer noch überwältigt. Wenn ihr wüsstet, wie sehr ich mein Zuhause liebe, wie sehr ich mein Land und meinen Fluss liebe: Für mich ist es ist die großartigste Sache der Welt. Mir ist klar, dass gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt werden wird und dass es noch ein weiter Weg ist, aber deswegen sind wir hier. Es geht nicht darum, wer recht oder unrecht hat. Es geht darum, wie wir in Zukunft leben werden. Für mich waren die letzten vier Jahre sehr hart, und deshalb ist dies ein großer Segen für mich. Ich bin den Richtern, dem Stamm der Standing Rock Sioux, den Anwälten und jedem Wasserschützer, der sich an den verschiedenen Fronten gegen die Pipeline eingesetzt hat, überaus dankbar für die Unterstützung.

Hatten Sie erwartet, dass der Kampf so lange dauern würde? Insbesondere Sie als Historikerin Ihres Stammes, die sich fragen muss, wie sich diese Auseinandersetzung in die Geschichte Ihres Volkes einfügt?

Ich hätte nicht gedacht, dass sich all dies so entwickeln würde. Ich hielt mich an das Prinzip »Befolge das Gesetz«. Das Gesetz besagt, dass wir heilige Stätten, Grabstätten und traditionelle Kulturgüter schützen müssen. Und dass bei so einem Bauvorhaben eine dem Gesetz entsprechende Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden muss. Ich nahm einfach an, dass auch die Verantwortlichen dem Gesetz folgen würden. Dies ist jedoch die erste Bundesbehörde und »Energy Transfer Partners« das erste Unternehmen, mit denen ich zu tun hatte, die sich nicht an das Gesetz halten. Dass ich mich mit Korruption solchen Ausmaßes befassen musste, hat mich schockiert.

Hätten Sie vor dem Beginn des Widerstandes am 1. April 2016 je gedacht, dass so viele Menschen kommen würden, nicht nur zu Ihrem Stück Land, das zum Widerstandscamp »Sacred Stone Camp« wurde, sondern auch zum »Red Warrior Camp« und zu so vielen anderen? Wie wird sich dieser Aktivismus Ihrer Meinung nach jetzt äußern?

Als ich anfing, mit Menschen von überall her zu sprechen, begriff ich, dass die Zeit reif ist für Veränderung. Jetzt ist der Moment dafür. Wir dürfen mit der Erdöl- und Erdgasindustrie so nicht weitermachen. Wir müssen die Schäden beseitigen und die Erde wieder heilen. Das ist das Wichtigste, was wir tun müssen, um zu überleben. Zum Leben brauchen wir reines Wasser und eine saubere Umwelt. Wer Geld über das Leben stellt, begeht Unrecht.

Der gestrige Sieg folgte auf einen Kampf, dem Sie in den zurückliegenden Jahren Ihr Leben gewidmet haben. Wir wünschen Ihnen beste Gesundheit, da Sie derzeit gegen einen Hirntumor kämpfen. Sie sind eine Inspiration für so viele Menschen. Was möchten Sie denen sagen?

Wir stehen erst am Anfang dieses Kampfes. Ich ermutige alle, weiter zu widerstehen. Wir müssen für Gerechtigkeit sorgen in dieser Welt, Rechenschaft muss abgelegt werden. Ich bin fest überzeugt, dass wir das System mit diesen beiden Hauptbestandteilen zum Besseren verändern können. Wir brauchen ein besseres Gesellschaftssystem in Amerika, in dem alle gleich sind. Es muss aufhören, dass wir als Ureinwohner in unserem eigenen Heimatland unsichtbar sind. Wir können helfen und euch lehren, Land und Wasser zu lieben.

Das hier gekürzt erscheinende Interview führten Amy Goodman und Juan González am 7.7.2020 für den US-Nachrichtensender Democracy Now!
Übersetzung: Jürgen Heiser

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