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Aus: Ausgabe vom 04.07.2020, Seite 1 / Titel
Pleitewelle

Alles muss raus

Bundesweit Proteste gegen Filialschließungen bei »Galeria Karstadt-Kaufhof«. Unternehmer machen kleine Zugeständnisse
Von Gudrun Giese
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Die Warenhauskette »Galeria Karstadt-Kaufhof« wird filetiert: 56 Standorte müssen schließen

Es ist bezeichnend für die aktuelle Lage, was derzeit als »gute Nachricht« durchgeht: »Galeria Karstadt-Kaufhof« (GKK) schließt sechs Filialen weniger als geplant. Das wurde am Freitag bekannt. Für die Beschäftigten von 56 Warenhäusern, von Karstadt Sports und weiteren GKK-Töchtern bleiben allerdings große Zukunftssorgen.

Während der zurückliegenden Tage zogen überall im Land Beschäftigte auf die Straßen, um für die traditionsreichen Warenhäuser zu kämpfen. So etwa am Freitag in Berlin-Tempelhof: Das dortige Karstadt-Haus gilt als »Ankerstandort« für den Einzelhandel. Mit der geplanten Schließung würde hier ebenso wie an anderen betroffenen Standorten in der Stadt mehr wegbrechen als die jeweilige Filiale, betonte Erika Ritter, Leiterin des Fachbereichs Handel im Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg. Bei der Aktion ging es darum, den Erhalt sämtlicher Berliner und Brandenburger Häuser zu fordern. Auch in Frankfurt am Main, Hamburg und vielen anderen Städten demonstrierten während der letzten Tage Beschäftigte für das Fortbestehen der Warenhäuser.

Am Mittwoch startete offiziell das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung für »Galeria Karstadt-Kaufhof« und dessen Tochterunternehmen, wie das Amtsgericht Essen mitteilte. Eine erste Gläubigerversammlung könnte Anfang September stattfinden. Vorausgegangen war seit Anfang April ein Schutzschirmverfahren, in dessen Verlauf Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz ein Sanierungskonzept mit drastischen Einschnitten für die rund 35.000 Beschäftigten entwickelt hatten. Ursprünglich sollten 62 von 172 Warenhäusern, 20 der 30 Karstadt-Sports-Niederlassungen und 26 von 50 Karstadt-Feinkostfilialen geschlossen, weitere Stellen in den verbleibenden Häusern gestrichen werden und die Tarifbindung weiter ausgesetzt bleiben.

Verdi konnte in zähen Verhandlungen mit den Unternehmern und den Verantwortlichen für das Schutzschirmverfahren weniger Stellenabbau und die schnellere Rückkehr in die Tarifbindung aushandeln. Außerdem erreichte der neue GKK-Chef Miguel Müllenbach in Verhandlungen die Mietsenkung für sechs Warenhäuser. Damit geht der Betrieb in Chemnitz, Dortmund, Goslar, Leverkusen, Nürnberg und Potsdam weiter; rund 750 Beschäftigte dieser Filialen behalten ihre Jobs. Doch damit ist die Kahlschlagpolitik bei den beiden einstigen Warenhausriesen Karstadt und Galeria Kaufhof nur gemildert. Für die übrigen Standorte auf der Schließungsliste gebe es angesichts hoher Mieten und »soziodemographischer Standortnachteile« keine wirtschaftliche Fortführungsperspektive.

In Baden-Württemberg versucht Verdi in Verhandlungen mit Politikern, Filialen zu retten. Sechs Standorte sollen geschlossen werden. Das, so Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross, hätte »gravierende Auswirkungen weit über die unmittelbar betroffenen Häuser und Beschäftigten hinaus«. Karin Greuter, Betriebsratsvorsitzende bei »Galeria Karstadt-Kaufhof« in Singen sagte: »Viele unserer Kolleginnen und Kollegen mussten seit vielen Jahren Einschnitte akzeptieren und Opfer bringen. Sie sind bitter enttäuscht, dass ihr Verzicht und ihr Engagement umsonst gewesen sein sollen.« Kommunen, Landeswirtschaftsministerium, Vermieter und Beschäftigte sollten ihre gemeinsame Suche nach Lösungen fortsetzen, um weitere Häuser zu retten, betonte Martin Gross.

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