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Aus: Ausgabe vom 03.07.2020, Seite 15 / Feminismus
Heirat unter 15

Geraubte Jugend, verbaute Chancen

Jedes fünfte Mädchen weltweit vor dem 15. Lebensjahr verheiratet
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Männer zwingen in Westkenia eine Frau zur Rückkehr, nachdem sie vor ihrer Zwangsverheiratung geflohen war (Baringo County, 7.12.2014)

Weltweit wird nach Angaben der UNO jedes fünfte Mädchen noch vor seinem 15. Lebensjahr verheiratet. Bei der Vorstellung des diesjährigen Weltbevölkerungsberichts erklärte der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) am Montag, die Kinder würden durch diese Heiraten Opfer einer »schweren Menschenrechtsverletzung«.

Jeden Tag würden rund um den Globus 33.000 Kinder verheiratet. Dies habe schwerwiegende Konsequenzen für die Minderjährigen: Neben den Auswirkungen auf Bildungschancen und wirtschaftliche Beteiligung ist eine frühe Ehe für Mädchen dem Bericht zufolge auch mit dem Risiko früher Schwangerschaften verbunden. Bis zum 19. Lebensjahr sei die Müttersterblichkeit um ein Drittel höher als bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren, hieß es. Laut Bericht, den die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung in Berlin vorstellte, finden die Hochzeiten teilweise mit der Begründung statt, die Mädchen würden auf diese Weise vor sexueller Gewalt geschützt.

Neben der Kinderheirat befasst sich der Bericht mit dem Titel »Gegen meinen Willen – Praktiken beenden, die Mädchen und Frauen schaden und Gleichstellung verhindern« auch mit dem Thema der Genitalverstümmelung. Weltweit seien derzeit 200 Millionen Mädchen und Frauen von dieser Praxis betroffen. In diesem Jahr sind laut UNFPA 4,1 Millionen weitere Mädchen und Frauen dadurch bedroht. Der UNFPA schätzt die Kosten, um die Genitalverstümmelung in den 31 Ländern mit den meisten Fällen in den nächsten zehn Jahren zu beenden, auf 2,4 Milliarden Dollar (rund 2,1 Milliarden Euro). Die ­UNFPA unterstützt zu diesem Zweck unter anderem »Bildung, Dialog und Konsensbildung«, aber auch die Unterstützung konsequenter Strafverfolgung, wo diese Praxis noch verbreitet ist. Um Kinderheirat weltweit ein Ende zu setzen, seien rund 35 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro) nötig. (AFP/jW)

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