Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 01.07.2020, Seite 16 / Sport

Wie Hinkelsteinweitwurf

Von André Dahlmeyer
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»Argentiniens neuer Messi«: Luka Romero (r.) nach seinem Debüt in der 1. Liga Spaniens

Einen guten Morgen! Wurde am vergangenen Mittwoch im schönen Spanien Sportgeschichte geschrieben? Ja. Wenn man gegen das Ja einen gefällten Baum schubst, steht es da immer noch. Der Baum kann einpacken. Keine Wurzeln mehr, und anscheinend will nicht mal wer Streichhölzer draus machen. Bis er vermodert, das dauert – abhängig vom Klima – viele Jahre.

Unser Ja mandelte sich im Estadio Alfredo Di Stéfano am Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas auf, und zwar in einem Match des 31. Spieltags der Primera División, in dem das hauptstädtische Real gegen einen Verein von den Balearen, Real Club Deportivo Mallorca, antrat (das Santiago Bernabéu ist wegen Umbauarbeiten noch gesperrt). Geleitet wurde das Spiel vom andalusischen Referee Mario Melero López, den die Gastgeber ungut in Erinnerung hatten. Anfang vergangenen Jahres hatte der sich bei der Heimpleite der Königlichen gegen San Sebastián als Boss der Videobeweisheinis unsichtbar gemacht, später aber den Fehler begangen, den Madrilenen recht zu geben, weshalb er zwischenzeitlich keine Partie mit denen mehr pfeifen durfte.

López hatte was gutzumachen. Ein erstes Ausrufezeichen setzte er nach acht Minuten. Er flötete es in die Luft und zeigte dem Ex-Paulianer Ante Budimir (RCD Mallorca) eine gelbe Fleppe. Kann man machen. Nachdem Vinícius Júnior dann das 1:0 für die Falschen – Real – geglückt war, kramte Melero wieder in seinem Brustdepot. Diesmal war Xisco Campos dran. Palma de Mallorca erstrahlte allmählich frühlingsgelb, dabei war Sommer. Als Sergio Ramos das Missverständnis nach einer knappen Stunde noch ärger werden ließ, indem er das 2:0 erzielte, hatten seine Kumpels nach Fleppen allerdings längst gleichgezogen. Der Senegalese Ferland Mendy und der Ostler Toni Kroos sorgten dafür, dass Zizous Männeken am Ende auch in dieser Disziplin die Oberhand behalten sollten.

Wäre Zinédine Zidane an der Kalkline der Weißen etwas weniger devot aufgetreten, hätte die Chose noch farbenfroher gestaltet werden können. Aber man muss für eine blaue oder rote Karte schon was wirklich Gemeines zum Schiri sagen, und die Königstreuen aus Madrid hatten ihren Frieden gemacht. Jämmerliches fußballerisches Gesindel! Fällen zur Begrüßung Bäume und schmeißen die dann zum Vermodern in unsere Tore. Toll. Wie Hinkelsteinweitwurf, nur ohne Comic.

Aber da war ja noch das Ja. Es betraf einen Namen, den sie noch öfter hören werden. Luka Romero Bezzana wurde von Mallorca-Trainer Vicente Moreno in der 83. Minute und mit der Rückennummer 41 für den ghanaischen Sportsfreund Iddrisu Baba eingewechselt. Mit 15 Jahren und 219 Tagen ist der kleine Argentinier nun der jüngste Debütant in der Geschichte des spanischen Fußballs, und dass 15 Jahre für einen Debütanten ein gutes Alter sind, beweisen die Beispiele Pelé, Maradona, Neymar Jr. und »Kun« Agüero.

Bis dahin wurde der Debütrekord von Francisco Bao Rodríguez alias Sansón gehalten. Der Verteidiger lief 1939 mit 15 Jahren und 255 Tagen erstmals für Celta de Vigo auf.

Luka Romero, Argentiniens neuer Messi, ist bereits Juniorennationalspieler. Im Dezember wurde er in Asunción am Todestag von John Lennon Vizemeister des südamerikanischen Subkontinents. Im Elfmeterschießen gegen Brasilien versemmelte er als einziger vom Punkt. Ein gefällter Baum lag im Weg. Statistisch gesehen ist Romeros Karriere ausbaufähig. »¡Visit Mallorca Estadi! ¡Come to Son Moix! (Besuchen sie das Stadion des RCD Mallorca!)

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