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Aus: Ausgabe vom 29.06.2020, Seite 4 / Inland
Denkmaldebatte

Bismarck »entheroisieren«

Initiativen in Hamburg fordern neue Kultur der Erinnerung an Kolonialgeschichte
Von Kristian Stemmler
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Reinigungsarbeiten am Bismarck-Denkmal im April 2020

Die Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt in den USA haben Schwung in die Debatte um die Erinnerungskultur gebracht. Weltweit wurden zuletzt Denkmäler für Rassisten und Kolonialakteure vom Sockel geholt. Anfang Juni versenkten Aktivisten im englischen Bristol die Statue eines Sklavenhalters im Hafenbecken. In Hamburg protestierten am Sonntag rund 250 Demonstranten unter dem Motto »Bismarck stoppen!« gegen das Denkmal für Reichskanzler Otto von Bismarck unweit der Landungsbrücken.

Bismarck mal eben, nach Vorbild Bristols, in der nahen Elbe zu entsorgen, kam hier nicht in Frage. Der Granitkoloss gilt mit einer Gesamthöhe von gut 34 Metern als das größte Bismarck-Denkmal weltweit. Ein Abriss des Monuments ist für die Initiativen »Intervention Bismarck-Denkmal Hamburg« und »Decolonize Bismarck«, die zur Demo mobilisiert hatten, nur eine Möglichkeit. Sie forderten bei der Kundgebung eine offene Debatte über den Umgang mit dem 1906 eingeweihten Denkmal. Ein öffentlicher Wettbewerb, an dem sich Künstler aus afrikanischen Ländern beteiligen, könne eine Umwandlung in ein »entheroisierendes Gegendenkmal« zum Thema haben.

Eine weitere Forderung der Initiativen ist der sofortige Stopp der Sanierungsarbeiten am Monument. Dieses ist derzeit eingehüllt und wird unter Regie des »rot-grünen« Senats für neun Millionen Euro aufpoliert. In den Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass damit ein SPD-geführter Senat einen Mann glorifiziert, der die Sozialdemokratie verfolgt hat. Im Aufruf der Initiativen heißt es, Bismarck sei ein »Antidemokrat, Antisemit, Kriegstreiber und Wegbereiter der deutschen Kolonialpolitik« gewesen. 1884/85 habe er die Berliner »Kongokonferenz« ausgerichtet, bei der westliche Mächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten. So habe das Hamburger Großbürgertum nicht nur den »Reichseiniger« geehrt, »sondern auch und vor allem den Förderer ihrer über Leichen gehenden Kolonialgeschäfte«.

Ein Vertreter des »Hamburger Bündnisses gegen rechts« erinnerte daran, dass die Arbeiterschaft den militaristischen Koloss von Anfang an abgelehnt hat. Der Förderverein für das Denkmal sei von den antisemitischen Alldeutschen geprägt gewesen. In den vergangenen 20 Jahren sei das Denkmal zur Pilgerstätte neonazistischer Kreise geworden. Und auch die AfD entwickle einen Bismarck-Kult.

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Debatte

  • Beitrag von Peter Siegfried B. aus A. (29. Juni 2020 um 15:47 Uhr)
    Hmmmm … Otto von Bismark … Reichskanzler … 1871 Gründung des Deutschen Reiches … Überwindung der Kleinstaaterei … Sozialistengesetze … Verstaatlichung des Post- und Fernmeldewesens … der Deutschen Reichsbahn … Sozialgesetzgebung … Reichstag Berlin 1932 … Ja, da kommt so zählebig seine Brut ins Spiel … Ernennung Hitlers zum Reichskanzler … 2. Weltkrieg … Bismarktürme im Land. Achtung, nachdenken, mitdenken! Die »Brut« ist noch aktiv und mächtig. Beachten!

    Peter Sigfried Bock, Neuwegersleben, Sachsen-Anhalt

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Iri Wolle, Berlin: Denkmäler zu Biotopen Ich bin auch nicht begeistert von den vielen »Bismarck-Türmen« und gewaltigen »Denkmälern« in ganz Deutschland. Im Berliner Tiergarten befindet sich auch so ein Exemplar, dessen Anblick ich als peinli...

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