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Aus: Ausgabe vom 27.06.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Türkei

Ankaras Mehrfrontenkrieg

Ob im Irak, in Syrien, Libyen oder im Mittelmeer: Die türkische Armee hat ihre Einsätze mit Drohnen und Söldnern verstärkt
Von Nick Brauns
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Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan signiert in Batman eine Drohne (3.2.2018)

Vor rund zwei Wochen leitete die türkische Armee unter dem Namen »Tigerklaue« eine neue Luft- und Bodenoperation im Nordirak ein. Sie richtet sich offiziell gegen die Guerilla der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, und ist als Fortsetzung der in den letzten Jahren begonnenen Besatzungsoperationen im südkurdischen Bergland zu werten.

In Teilen Nordsyriens hat die türkische Armee seit 2016 ein Besatzungsregime errichtet. Mit Hilfe dschihadistischer Kampfgruppen führt sie dort einen Krieg niederer Intensität gegen die kurdische Autonomieverwaltung sowie in der Provinz Idlib gegen syrische Regierungstruppen. Die türkischen Militäreinsätze in Syrien und dem Irak sind vornehmlich durch die Kurdenphobie der regierenden islamistisch-faschistischen AKP-MHP-Allianz motiviert. Sie sollen zudem von innenpolitischen Problemen wie der schweren Wirtschaftskrise und schlechten Umfragewerten für die Regierung ablenken.

Dagegen geht es bei einem Ende 2019 mit der libyschen »Einheitsregierung« von Ministerpräsident Fajes Al-Sarradsch in Tripolis geschlossen Abkommen um den Zugriff auf Gasfelder unter dem Meer und perspektivisch auch die libyschen Ölquellen. Unter Ausblendung bestehender völkerrechtlicher Ansprüche Griechenlands werden darin Einflusssphären im östlichen Mittelmeer definiert. Durch den Einsatz türkischer Drohnen und aus Syrien importierter Söldner konnte die »Libysche Nationalarmee« des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar, die bereits vor Tripolis stand, in den letzten Wochen wieder in die Defensive gedrängt werden.

Die beiden herausragenden militärischen Elemente der türkischen Kriegführung sind der erhebliche Einsatz von Drohnen sowie von Söldnern vornehmlich aus dschihadistischen Gruppierungen aus dem Umfeld der Al-Qaida. Beides hält die eigenen Verluste niedrig, zudem kann sich Ankara so leichter aus der Verantwortung für Kriegsverbrechen ziehen. Die waffenfähigen Bayraktar-Drohnen werden von einer türkischen Firma unter Leitung eines Schwiegersohns von Präsident Recep Tayyip Erdogan produziert und operieren außer von der Türkei aus auch von einem Drohnenstützpunkt im türkisch besetzten Nordzypern.

Dazu kommt ein – auch mit Hilfe der deutschen Rüstungsindustrie vorangetriebener – Ausbau der türkischen Seestreitkräfte. Diese sichern im östlichen Mittelmeer türkische Gasbohrungen in zypriotischen beziehungsweise griechischen Hoheitsgewässern und bedrängen Bohrschiffe anderer Staaten. Hier kommt die 2006 von kemalistischen Marineoffizieren entwickelte und nun von der AKP-MHP-Regierungs­allianz übernommene Militärdoktrin der »Blauen Heimat« (Mavi Vatan) zum Tragen. Sie bezeichnet den Anspruch auf den östlichen Mittelmeerraum als türkische Wirtschaftszone – einschließlich der Seegebiete um griechische Inseln östlich von Kreta, die laut internationalem Seerecht zu Griechenland, Zypern und Ägypten gehören. Damit wächst die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und ihrem NATO-Verbündeten Griechenland, aber auch mit Ägypten, dessen Machthaber Abdel Fattah Al-Sisi mit einem militärischen Eingreifen in den libyschen Bürgerkrieg droht.

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