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Aus: Ausgabe vom 25.06.2020, Seite 16 / Sport
Radsport

Plan C gibt es nicht

Am Wochenende hätte die 107. Tour de France beginnen sollen. Ob der verschobene Klassiker Ende August stattfinden kann, ist völlig offen
Von Jens Walter
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Darf er oder darf er nicht? Chris Froome ist heiß auf die Tour

Hunderttausende Fans vor Nizzas Bilderbuchkulisse am Samstag, tags darauf der erste Showdown in den Bergen der Cote d’Azur: Am Wochenende hätte die 107. Tour de France spektakulär beginnen sollen. Weil die Coronakrise diesen Plan A zunichte gemacht hat, ruht die ganze Hoffnung des gebeutelten Profiradsports auf Plan B mit neuem Starttermin 29. August – denn Plan C gibt es nicht.

»Ich bin froh, dass das normale Radprofileben wieder losgeht«, sagt der Bora-Hansgrohe-Kapitän Emanuel Buchmann einen guten Monat vor dem Neustart am 1. August und gut zwei Monate vor seinem großen Auftritt bei der Frankreichrundfahrt, der dem Vorjahresvierten das gelbe Trikot einbringen soll: »Warum nicht? Es ist nicht unmöglich.«

Seine Frage könnte man brutal beantworten: Zwar gehen alle Beteiligten zumindest öffentlich davon aus, dass Ende August das nach Zuschauern größte Sportereignis der Welt beginnen kann – doch die Pandemie gefährdet das Riesenrennen immer noch. »Natürlich hängen wir von der gesundheitlichen Situation ab, sie ist das Wichtigste«, sagte Tourchef Christian Prudhomme.

Die Zahlen aus Frankreich machen deutlich, dass die Grande Nation die Pandemie keineswegs überstanden hat. 56.000 aktive Coronafälle bei 65 Millionen Einwohnern meldete Frankreich Anfang der Woche. In Deutschland (7.800 bei 83 Millionen) sind Großveranstaltungen bis Ende Oktober untersagt, im Nachbarland sollen ab dem 11. Juli wieder 5.000 Zuschauer in Stadien zugelassen sein. Unter diesen Bedingungen sollen Ende August wieder rund zehn Millionen Menschen an den Straßen stehen, zumal Prudhomme eine zuschauerlose »Geisterrundfahrt« ausgeschlossen hat?

»Alles, was wir tun können, ist, auf die Vorbereitungen der Veranstalter zu vertrauen«, sagt der deutsche Klassikerveteran John Degenkolb. Auch Peter Sagan, dreimaliger Weltmeister und Teamkollege Buchmanns, nimmt die Organisatoren in die Pflicht: »Natürlich sind wir in keinem Stadion, es muss Regeln geben, wie wir uns selbst und andere schützen können.« Der Weltverband UCI hat immerhin in der vergangenen Woche Richtlinien veröffentlicht, in denen er das Schaffen von »Team Bubbles« und »Peloton Bubbles« zur Abschottung vor und während der Rennen vorsieht – was gerade bei den Fanmassen einer Tour nur schwer realisierbar scheint.

Er könne sich nicht vorstellen, »wie gewohnt durch Tunnel von Menschen« zu fahren, sagt der Chris Froome. Der viermalige Tour-Sieger ist selbst bereits mit Bechern voller Urin beworfen worden. Zweifellos wäre Froome, der ein Jahr nach seinem schweren Sturz zur Tour zurückkehrt, ein Hauptakteur. Beim Ineos-Team ist er Teil eines Triumvirats mit Titelverteidiger Egan Bernal und dessen Vorgänger Geraint Thomas. Bernal sitzt noch in seiner Heimat Kolumbien fest und soll Mitte Juli per Charterflieger nach Europa kommen. Doch werden Gerüchte lauter, dass der 35jährige Froome der mächtigen internen Konkurrenz aus dem Weg geht und zum 1. August zum Team Israel Start-Up Nation wechselt.

So oder so: Die Tour wird zum Showdown der Teams Ineos und Jumbo-Visma. Letzteres bringt ebenfalls eine illustres Trio mit Tom Dumoulin (­Giro-Sieger 2017), Primoz Roglic (­Vuelta-Sieger 2019) und Steven Kruijswijk (Tour-Dritter 2019) an den Start. Dazu kommt nahezu die gesamte Riege der Spitzenfahrer von Vincenzo Nibali bis Julian Alaphilippe, von Romain Bardet bis Thibaut Pinot. Die diesjährige Grande Boucle könnte also auch sportlich eine für die Geschichtsbücher werden – wenn denn Plan B funktioniert.

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