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Aus: Ausgabe vom 25.06.2020, Seite 2 / Ausland
Russland

Sieg über Faschismus gefeiert

Russland holt an historischem Jahrestag Militärparade auf Rotem Platz nach
Von Reinhard Lauterbach
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Panzer T-34/85 am Mittwoch bei der Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau

Russland hat am Mittwoch mit einer Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau an den Sieg über Nazideutschland vor 75 Jahren erinnert. Die ursprünglich für den 9. Mai geplante Veranstaltung war wegen der Coronapandemie verschoben worden. Als Datum für den Nachholtermin wurde der 24. Juni gewählt – das Datum der historischen Siegesparade der Roten Armee an gleicher Stelle.

Zahlenmäßig war die Parade in diesem Jahr kleiner: Es nahmen 14.000 Soldaten teil, 1945 waren es 40.000 gewesen. Dafür wurde der Stechschritt, den die Frontsoldaten des Zweiten Weltkriegs erst in den Vorbereitungslagern für die Parade hatten einüben können, nun seit Monaten trainiert, wie es auf der Webseite der Moskauer Stadtverwaltung am Mittwoch hieß. Die Soldaten zogen teils in historischen, teils in modernen Uniformen an einer vor dem Leninmausoleum aufgebauten Tribüne vorbei. Auf dieser saßen Präsident Wladimir Putin und Vertreter von zehn der einst 15 Sowjetrepubliken. Die damaligen westlichen Alliierten der UdSSR waren durch ihre Botschafter vertreten.

In seiner einleitenden Ansprache erinnerte Putin an den Beitrag der Roten Armee zum Sieg über den deutschen Faschismus. 75 Prozent der Verluste an Menschen und Technik seien dem Naziregime an der sowjetischen Front zugefügt worden. Obwohl 1941 die am besten ausgestattete und trainierte Armee der Welt das Land angegriffen habe, sei diese »gnadenlose Armada« an der Geschlossenheit des sowjetischen Volks gescheitert. Der Sieg von 1945 habe den Triumph des Guten über das Böse, des Friedens über den Krieg, des Lebens über den Tod bedeutet, sagte Putin. Es sei Ausdruck »gerechter Vergeltung und strenger Warnung«, dass zum Abschluss der Parade von 1945 sowjetische Elitesoldaten 200 Standarten der Wehrmacht in den Moskauer Schlamm geworfen hätten – es regnete an jenem Tag in Strömen.

Putin würdigte den Beitrag der westlichen Alliierten zum Sieg über Hitler und forderte als Konsequenz aus der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs für die Zukunft ein zuverlässiges System der internationalen Sicherheit. Russland trete für Vertrauen zwischen den Völkern ein. Angesichts der heutigen Herausforderungen werde immer deutlicher, welchen hohen Wert der Frieden für jeden einzelnen Menschen mit seinen Hoffnungen, Freuden und Sehnsüchten darstelle.

An die Parade der in Bataillonsgruppen gegliederten Armeeteile aller aktuellen Waffengattungen von den Weltraumtruppen bis zur Marineinfanterie schloss sich eine Präsentation moderner russischer Militärtechnik an. 234 Kampffahrzeuge, unter anderem beladen mit der »Jars«-Interkontinentalrakete, Flugabwehrraketen der Typen »Buk« und S-300, zudem schwere Panzerhaubitzen und der erst in wenigen Exemplaren existierende Panzer T-14 »Armata« wurden gezeigt. Anschließend folgte ein Überflug von 75 Hubschraubern und Kampfflugzeugen.

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