Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 16.06.2020, Seite 2 / Ausland
Globales Atomarsenal

Arsenale weiter gut gefüllt

SIPRI-Jahrbuch: Warnung vor neuem nuklearen Wettrüsten
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1982 aussortiert: Die Interkontinentalrakete »Titan II« im »Titan Missile Museum« im US-Bundesstaat Arizona (Sahuarita, 2.2.2019)

Trotz einer weltweit leicht gesunkenen Zahl an Atomwaffen hat das Friedensforschungsinstitut (SIPRI) vor einem neuen nuklearen Wettrüsten gewarnt. Anfang dieses Jahres hätten die neun Atommächte – darunter China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – über geschätzt 465 weniger Atomsprengköpfe als Anfang 2019 verfügt, heißt es im SIPRI-Jahrbuch 2020, das am Montag in Stockholm veröffentlicht wurde. 2018 war die Anzahl noch um 600 binnen Jahresfrist gesunken. Als sofort einsatzbereit gilt nur ein Teil der Atomsprengköpfe der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs, die bereits auf Raketen montiert seien oder sich auf aktiven Stützpunkten befänden. Die USA sind jedoch das einzige Land, das bisher Atomwaffen eingesetzt hat.

Die leichte Verringerung auf geschätzt 13.400 Atomwaffen sei erneut vor allem auf die Beseitigung ausgedienter Waffen durch Russland und die USA zurückzuführen, die weiterhin über 90 Prozent des weltweiten Nukleararsenals verfügen. SIPRI zeigt sich daher besonders besorgt über das Auslaufen des sogenannten New-Start-Vertrags – des letzten noch aktiven Atomabkommens zwischen beiden Staaten – im Februar 2021. Die US-Regierung knüpft Verhandlungen darüber an einen Beitritt Chinas zu einem möglichen künftigen Atomabrüstungsvertrag, was Beijing ablehnt.

Grundsätzlich würden laut SIPRI »umfassende und teure Programme« zur Modernisierung der Arsenale in Angriff genommen. Für den SIPRI-Experten Shannon Kile scheine es so, dass alle Atomwaffenstaaten an ihren Nuklearwaffen auf unbestimmte Zeit festhalten wollten.

Auch die Friedens- und Abrüstungsorganisationen IPPNW und ICAN zeigten sich alarmiert. Für die IPPNW-Abrüstungsexpertin Xanthe Hall sei gerade die Entwicklung von neuen »Mini-Nukes«, also Atomwaffen mit relativ geringer Sprengkraft, »zutiefst besorgniserregend«. Auch die in der BRD stationierten US-Atomwaffen würden modernisiert und zusätzlich mit einem modernen Lenksystem ausgestattet. So sinke »die Hemmschwelle, eine Atomwaffe einzusetzen«, erklärte Florian Eblenkamp, Vorstandsmitglied von ICAN Deutschland. Die abrüstungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, Sevim Dagdelen, forderte daher die Bundesregierung erneut auf, »endlich den Atomwaffenverbotsvertrag der UNO zu unterzeichnen und den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland in die Wege zu leiten«. (AFP/dpa/jW)

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