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Aus: Ausgabe vom 13.06.2020, Seite 10 / Feuilleton
Bildende Kunst

»Besondere Beziehungen«: Kunstwerke von Ronald Paris in Berlin-Biesdorf

Von Peter Michel
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Ronald Paris: »Otto Nagel«, 1964, Graphit, 37 mal 47 Zentimeter

In der ersten Etage des Schlosses Biesdorf im Osten Berlins wird am Sonntag eine retrospektive Ausstellung mit Arbeiten des Malers und Grafikers Ronald Paris eröffnet. Unter dem Titel »Bilder vom Sein – Arbeiten aus sechs Jahrzehnten« werden bis Mitte August Zeichnungen, Graphiken, Gemälde und andere Werke gezeigt, darunter Porträts von Menschen, die dem Künstler nahestanden. Otto Nagel, bei dem Paris Meisterschüler an der Akademie der Künste war und der in Berlin-Biesdorf wohnte und arbeitete, gehört ebenso dazu wie Ernst Busch, Hanns Eisler, Heiner Müller, Harry Kupfer und Inge Keller, die auf die besondere Beziehung des Künstlers zum Theater verweisen.

Ronald Paris ist den Lesern der jungen Welt und der Zeitschrift Melodie & Rhythmus durch zahlreiche Beiträge, vor allem seine Ausstellungen in der Ladengalerie bekannt. Sein großartiges Gemälde »Charons Boote« zählt zum Kunstbestand der jungen Welt. Es gehört zu jenen Werken des Malers, die mit Stoffen aus der antiken Mythologie Verwerfungen der Gegenwart verhandeln. Eine ganze Reihe dieser Bilder wird im Biesdorfer Schloss gezeigt. Manch dortiges Exponat war schon in der jW-Ladengalerie zu sehen.

In der Biesdorfer Rückschau wird ein weiteres Mal der Reichtum an Themen und Techniken deutlich, mit denen sich der Künstler seit Beginn seines Schaffens als überzeugter Realist auseinandersetzte. Er ist Schöpfer von Landschaften, vielfigurigen Bildern (u. a. »Lob des Kommunismus«, jetzt im Berliner DDR-Museum), Collagen, Glasmalerei, Gobelins, Bühnenbildern und baubezogenen Arbeiten im öffentlichen Raum.

Ronald Paris, der im August seinen 87. Geburtstag feiern wird, trägt die realistischen Traditionen der Kunst aus der DDR in die Gegenwart. Es ist ihm ein Anliegen, sich einzumischen und die Würde des Menschen auch mit künstlerischen Mitteln zu verteidigen. Dieser Ausstellung sind – bei allen Einschränkungen durch die Coronakrise – viele Besucher zu wünschen.

Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin, 14.6. bis 14.8., täglich außer dienstags 10 bis 18 Uhr, freitags 12 bis 21 Uhr, Tel. 030/516567790

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