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Aus: Ausgabe vom 08.06.2020, Seite 1 / Titel
Tod George Floyds

Genug ist genug!

Gegen Rassismus und Polizeigewalt: Weltweit Massenproteste in Solidarität mit »Black Lives Matter«. Demonstrationen teils brutal aufgelöst
Von Ina Sembdner
»Ihre Leben zählen«: Auch in Berlin folgten am Sonnabend Zehntausende dem Aufruf zu Protesten gegen rassistische Polizeigewalt
»Rassismus tötet«: Zehntausende Menschen versammelten sich am Sonnabend auf dem Berliner Alexanderplatz
Trotz friedlichen Protests, ging die Polizei in Berlin am Sonnabend teils gewaltsam gegen Demonstrierende vor und verhaftete zahlreiche Menschen
Stiller Protest auch in Rom: Tausende Menschen am Sonntag auf dem Piazza del Popolo
»Schwarze Wut, gemeinsame Revolte«: »Black Lives Matter«-Kundgebung am Sonntag in Brüssel
»Black Lives Matter« in riesigen gelben Lettern auf einer Straße zum Weißen Haus in der US-Hauptstadt Washington (6.6.2020)
Kniefall für George Floyd und gegen rassistische Polizeigewalt in der britischen Stadt Milton Keynes (6.6.2020)
Auch in London kam es am Sonnabend zu Verhaftungen von »Black Lives Matter«-Demonstranten
»Keine Gerechtigkeit, kein Frieden«: Weltumspannende Forderung, hier in Japans Hauptstadt Tokio, der Antirassismusdemonstrationen (6.6.2020)

Am Sonnabend haben weltweit Zehntausende Menschen Solidarität mit den Protesten in den USA nach dem Tod von George Floyd, der durch einen mörderischen Polizeieinsatz ums Leben gekommen war, bekundet. Auch in den Vereinigten Staaten selbst zogen erneut Zehntausende durch zahlreiche Städten und forderten Gerechtigkeit für den Afroamerikaner. In der Hauptstadt Washington kamen die Demonstranten auch vor das verbarrikadierte Weiße Haus, eine Kreuzung vor dem Regierungssitz war erst am Freitag in »Black Lives Matter«-Platz benannt worden. In Raeford/North Carolina – in der Nähe von Floyds Geburtsort Fayetteville – erwiesen unterdessen viele Menschen dem aufgebahrten Toten bei einer Gedenkveranstaltung die letzte Ehre.

Während der weltweiten Proteste wurde oft an ähnliche Fälle von Rassismus oder Polizeigewalt in den jeweiligen Ländern erinnert. So gingen in Frankreich laut Medienberichten rund 23.000 Menschen in verschiedenen Städten auf die Straßen und widersetzten sich in der Hauptstadt Paris den dort geltenden Demons­trationsverboten. Neben »Black Lives Matter«-Solidaritätsbekundungen forderten viele Gerechtigkeit für Adama Traoré. Der 24jährige Sohn von Einwanderern aus Mali war vor vier Jahren im Polizeigewahrsam in einer Pariser Vorstadt erstickt, nachdem er bäuchlings auf dem Boden fixiert worden war. In Sydney prangerten die rund 20.000 Protestierenden, von denen viele Atemschutzmasken mit der Aufschrift »Ich kann nicht atmen« trugen, die hohe Inhaftierungsrate von Angehörigen der indigenen Aborigine-Gemeinschaft an, sowie die zahlreichen Todesfälle unter Aborigines in Gefängnissen – mehr als 400 in den vergangenen 30 Jahren.

»Es ist an der Zeit, den institutionellen Rassismus niederzubrennen«, verkündete eine Demonstrantin mit einem Megafon vor Tausenden Menschen vor dem Londoner Parlamentsgebäude . Nach mehrstündigen friedlichen Protesten trieben berittene Polizisten in der Nähe des Regierungssitzes Demonstranten auseinander, die Flaschen geworfen haben sollen.

In Spanien versammelten sich am Sonntag Tausende in Madrid, sie skandierten vor der US-Botschaft Floyds letzte Worte: »Ich kann nicht atmen.« Außerdem riefen sie: »Ihr, die Rassisten, seid die Terroristen.« Für eine Schweigeminute knieten die Demonstranten nieder. In Barcelona versammelten sich ebenfalls Hunderte. Zu den Protesten vom Baskenland bis zu den kanarischen Inseln aufgerufen hatte die Organisation der afrikanischen Gemeinde in Spanien. Auch in Dänemark versammelten sich am Nachmittag erneut Tausende in der Hauptstadt, nachdem es bereits in den vergangenen Tagen in Kopenhagen und anderen skandinavischen Großstädten größere Protestaktionen gegeben hatte.

Auch in vielen weiteren Ländern wie Polen, Schweiz, Italien, Kanada und Tunesien solidarisierten sich Menschen mit »Black Lives Matter«. Überraschend viele gingen auch in Deutschland auf die Straßen, um Rassismus und Polizeigewalt anzuprangern. Afrodeutsche Initiativen hatten im Internet in rund 20 Städten zu den Protesten unter dem Motto »Silent Demo« mobilisiert, die sich unter anderem in München, Hamburg, Frankfurt am Main, Mannheim und Stuttgart zu Massendemonstrationen entwickelten. Mehrere zehntausend vor allem junge Menschen fanden sich in Berlin auf dem Alexanderplatz und dem Strausberger Platz zusammen. Im Verlauf des Nachmittags ging die Polizei mit Reizgas und Hundestaffel gegen etliche Demonstranten vor, es kam allein in der Hauptstadt zu 93 Festnahmen.

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