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Aus: Ausgabe vom 04.06.2020, Seite 8 / Ansichten

Investment des Tages: Deutsche Bank

Von Thomas Salter
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Noch schmutzige Geheimnisse im Portfolio? Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Die Deutsche Bank mag im letzten Jahrzehnt ihr Portfolio an Hochrisikopapieren reduziert haben, in einem bleibt sie jedoch internationale Spitze: Kaum ein Institut bewahrt in seinen Archiven einen so beeindruckenden Schatz an schmutzigen Geheimnissen. So hat die New York Times jetzt Details veröffentlicht, die belegen, wie moralisch flexibel die Bank sich gegenüber ihrem Geschäftspartner Jeffrey Epstein verhielt, dem dubiosen Investor und mutmaßlichen Betreiber eines internationalen Pädophilenrings. Schon 2015 hatte demnach die »Compliance«-Abteilung der Bank den US-Bundesbehörden Auslandsüberweisungen Epsteins gemeldet, wegen Verdachts auf Geldwäsche. Mitarbeiter sollen zudem vor dem Imageschaden gewarnt haben, der aus der Zusammenarbeit mit dem damals schon als Sexualstraftäter verurteilten Investor entstehen könne. Die Manager beschlossen laut New York Times jedoch, die Geschäftsbeziehung fortzuführen, weil sie so lukrativ war. Eine vorausschauende Investition in zukünftige schlechte Publicity: 2019 wurde Epstein als Menschenhändler enttarnt, verhaftet und beging in Haft Selbstmord.

Entscheidungen mit negativer Imagerendite sind eben Kerngeschäft des 1870 gegründeten Finanzinstituts: Vorstandmitglied Hermann Josef Abs saß im Aufsichtsrat des Fabrikverbundes I.G. Farben, als dort über das Werk in Auschwitz gesprochen wurde. Die Bank stellte auch Kredite für den Bau des KZ bereit.

Um die Jahrtausendwende stieg die Investmentriege der Bank ins Geschäft mit Schrottpapieren für US-Immobilienkredite ein und bereitete damit die Finanzkrise und die europäische Schuldenkrise vor. Außerdem leistete sie Hilfestellung für Cum-Ex-Betrügereien.

Wer also gerne spekuliert: Was Leichen im Keller betrifft, ist das Finanzinstitut unter dem Vorsitzendem Christian Sewing eine sichere Bank.

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