Gegründet 1947 Sa. / So., 11. / 12. Juli 2020, Nr. 160
Die junge Welt wird von 2335 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.06.2020, Seite 6 / Ausland
US-Imperialismus

Alte beste Freunde

USA verlegen Truppen zur »Unterstützung im Kampf gegen die Drogen« nach Kolumbien. Aggression gegen Venezuela befürchtet
Von Julieta Daza, Caracas
RTS30742.JPG
US-Fallschirmjäger auf der Militärbasis Tolemaida südlich von Bogotá (29.1.2020)

In Kolumbien haben am Montag (Ortszeit) 50 Senatoren verschiedener Parteien den Präsidenten Iván Duque dazu aufgefordert, die Anwesenheit US-amerikanischer Soldaten in dem südamerikanischen Land zu erklären. In einem an Duque addressierten Brief heißt es, man habe erst durch eine Pressemitteilung der US-Botschaft von der Verlegung der Soldaten erfahren. Daher erwarte man detaillierte Informationen zur »Natur, den Zielen sowie Bedingungen« des Einsatzes.

Laut kolumbianischen Medien erreichten am Montag etwa 50 US-Soldaten eine Militärbasis in Tolemaida, südlich der Hauptstadt Bogotá. Am vergangenen Mittwoch hatte die US-Botschaft in Kolumbien auf ihrer Website eine Mitteilung veröffentlicht, die die Ankunft einer Spezialeinheit der US-Armee ankündigte. Bei den Soldaten handle es sich um Angehörige der »Security Force Assistance Brigade« (SFAB), die die kolumbianischen Streitkräfte in den kommenden Monaten im »Kampf gegen die Drogen« unterstützen solle. Der Einsatz stellt laut Kommuniqué den ersten in einem lateinamerikanischen Land dar, was Kolumbien als »Alliierten und besten Freund« der USA in der Region bestätige.

Craig Faller, Oberkommandierender des Südkommandos der US-Streitkräfte (Southcom), wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert, der Einsatz sei von »Respekt gegenüber der Souveränität sowie dem Versprechen, die gemeinsamen Ideale und Werte zu schützen«, gekennzeichnet. Trotz der schönen Worte sorgte bereits die Ankündigung der Truppenverlegung für teils heftige Reaktionen. So erinnerte der Senatspräsident Lidio García von der Liberalen Partei laut Wochenzeitschrift Semana vom 28. Mai Duque daran, dass die Anwesenheit ausländischer Streitkräfte auf kolumbianischem Territorium vom Senat genehmigt werden müsse. Am Sonnabend forderte die Abgeordnete der linken »Unión Patriótica«, Aída Avella, García über Twitter dazu auf, sobald wie möglich eine Parlamentssitzung zu dem Thema einzuberufen. Einen Tag darauf legte sie über den Kurzbotschaftendienst nach: »Die militärische Beratung durch die Vereinigten Staaten hinterlässt nur ausgeplünderte Länder. Es ist eine Schande, dass von kolumbianischem Boden Kriege begonnen werden. Der Frieden in Kolumbien ist der Frieden auf dem Kontinent.«

Auch der linke Senatsabgeordnete und ehemalige Präsidentschaftskandidat Gustavo Petro von »Colombia Humana« zeigte sich am Freitag besorgt. Auf Twitter erklärte er: »Eine Invasion gegen Venezuela wird vorbereitet«. Die Sorge, dass die Truppenverlegung im Zusammenhang mit einer möglichen Aggression gegen das Nachbarland stehen könnte, teilen viele. Dafür sprechen auch die für die US-Präsenz auserkorenen Gebiete, die sich teilweise an der Grenze zu Venezuela befinden, so in der Region Catatumbo sowie im Departamento Arauca. Schon die gescheiterte Söldnerinvasion, die Anfang Mai von venezolanischen Sicherheitskräften vereitelt werden konnte, war in Kolumbien vorbereitet und gestartet worden.

Auch zahlreiche linke Basisorganisationen zeigten sich in den vergangenen Tagen wegen des US-Einsatzes entsetzt. So die »Antimilitaristische Koalition Bogotá«, die die Präsenz der US-»Eliteeinheit« am Sonnabend als »Verletzung der Souveränität Kolumbiens« verurteilte. Tatsächlich handelt es sich bei diesen US-Soldaten keineswegs um die einzigen im Land. Seit Jahren dient Kolumbien außenpolitisch den militärischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen der USA in Lateinamerika und der Karibik. Innenpolitisch befolgt Bogotá die von Washington angewiesene Aufstandsbekämpfung. Exemplarisch dafür stehen die insgesamt sieben Militärstützpunkte auf kolumbianischem Boden, die das US-Militär jederzeit in Anspruch nehmen kann, sowie die Kooperation mit der NATO als »globaler Partner« seit 2018.

Ähnliche:

  • Fallschirmjäger der 82. US-Luftlandedivision bei einer Übung mit...
    17.03.2020

    Militarisierung im Hinterhof

    USA rüsten in Lateinamerika weiter auf und setzen dabei auf verstärkte Kooperation mit Brasilien und Kolumbien
  • Nie eröffnete Brücke, zusätzlich gesichert: Las Tienditas über d...
    08.02.2019

    ¡No Pasarán!

    Fake News gegen Venezuela: Geschlossene Grenzbrücke war nie offen. Warnung vor US-Militärintervention

Mehr aus: Ausland