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Aus: Ausgabe vom 04.06.2020, Seite 2 / Ausland
Proteste gegen Rassismus

Trumps Drohungen ignoriert

USA: Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gehen weiter. China kritisiert Washington
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Polizisten und Nationalgardisten setzen am Dienstag in Atlanta Tränengas gegen Protestierende ein

Trotz der Drohungen von Präsident Donald Trump nehmen die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten nicht an Intensität ab. Im Gegenteil: Am Dienstag (Ortszeit) prangerten den achten Tag in Folge landesweit Demonstranten das brutale Vorgehen von Polizisten gegen Schwarze an und forderten Gerechtigkeit. In praktisch allen großen Städten des Landes kam es den ganzen Tag über zu Protestaktionen, in den Abendstunden setzten sich vielerorts Tausende über die verhängten nächtlichen Ausgangssperren hinweg.

Die Demonstranten ließen sich von Trumps Drohung, die Unruhen notfalls mit Militärgewalt zu beenden, nicht abschrecken. Am Montag hatte der US-Präsident angekündigt, »Abertausende« Soldaten gegen die Protestierenden einsetzen zu wollen. 1.600 Militärs wurden bereits auf Stützpunkte um die Hauptstadt Washington D. C. verlegt, um andere Einsatzkräfte gegebenenfalls zu unterstützen. Am Dienstag waren nach Angaben der Agentur Associated Press mehr als 20.000 Nationalgardisten in 29 Bundesstaaten im Einsatz.

Die Proteste in den USA waren Anfang vergangener Woche durch den Tod des schwarzen US-Bürgers George Floyd infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ausgelöst worden. Der 46jährige war gestorben, nachdem ihm ein weißer Polizist fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gepresst hatte. Floyd war in Houston, Texas, aufgewachsen, wo er am kommenden Dienstag beigesetzt werden soll.

In New York wurde indes die Ausgangssperre bis Ende der Woche verlängert. Auch dort ignorierten tausende Demonstranten diese am Dienstag abend und versammelten sich zu Protesten. In der Hauptstadt Washington gingen ebenfalls Tausende Menschen auf die Straße, wurden kurz nach Mitternacht jedoch mittels Tränengas auseinandergetrieben. Laut Zählungen von Associated Press wurden bis Dienstag landesweit mehr als 9.300 Protestierende festgenommen.

Derweil übte die chinesische Regierung scharfe Kritik an US-Präsident Trump. So fragte der Sprecher des Außenministeriums in Beijing, Zhao Lijian: »Warum bezeichnen die USA diese schwarzgekleideten Aufrührer und Befürworter der Unabhängigkeit Hongkongs als ›Helden‹ und ›Vorkämpfer‹, aber bezeichnen die eigenen Leute, die gegen Rassendiskriminierung vorgehen, als Schläger?« (dpa/jW)

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