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Aus: Ausgabe vom 03.06.2020, Seite 15 / Antifa
Reaktionäre in Französisch Buchholz

Klotz in der Kritik

Berlin-Pankow: Druck auf Verantwortliche für revisionistisches Denkmal in Seniorenresidenz steigt
Von Marcus Schrage
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Eine von vier Inschriften ruft dazu auf, an »Deutschlands Zukunft« und an »deines Volks Aufersteh’n« zu glauben (Berlin, 2019)

Ein Vierteljahr ist es her, dass junge Welt und die im Berliner Nordosten aktive Emanzipative Antifaschistische Gruppe (EAG) publik machten, dass im Pankower Ortsteil Französisch Buchholz in einer noblen Seniorenresidenz ein mit überdimensioniertem Stahlhelm versehenes deutschnationales Denkmal errichtet worden war (siehe jW vom 27. ­Februar). Eiserne Kreuze sind darauf ebenso zu sehen wie geschichtsrevisionistische Inschriften, darunter »Den Opfern des alliierten Bombenterrors« oder »Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an deines Volkes Aufersteh'n«. Die Einweihung des Steins erfolgte – von der Öffentlichkeit unbemerkt – bereits im Jahr 2018. Unter den Gästen waren laut EAG auch Aktivisten der Neonazikleinstpartei »Der III. Weg«, die seitdem mindestens bei zwei »Heldengedenken« am Monument zugegen waren.

Derzeit erhöht sich der lokalpolitische Druck auf die Leitung des von Michael Schöps gegründeten »Wohnparks Bismarck«. So zeigte sich Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) gegenüber dem Neuen Deutschland vom 23. Mai empört. Auch andere Kommunalpolitiker äußerten deutliche Kritik. Seitens der EAG begrüße man zwar die »Verurteilung des Nazisteins durch den Bezirk«. Doch dahingehend sei »noch Luft nach oben«, um den Druck auf Schöps zu erhöhen, erklärte Sprecher Paul Fritsch am Montag auf jW-Anfrage. Gestaltung und Beschriftung des Steines lassen ihm zufolge keinen anderen Schluss zu, »als dass hier die Streitkräfte und Verbrechen des Naziregimes verherrlicht werden sollen«. Es finde eine »klassische Täter-Opfer-Umkehr statt«.

In Französisch Buchholz selbst informierten zuletzt Flugblätter an Hauseingängen sowie zahlreiche Aufkleber in der unmittelbaren Umgebung des Wohnparks die Anwohner. Seitens der Betreiber des Wohnparks war ein Strategiewechsel zu beobachten, wie man der öffentlichen Aufmerksamkeit begegnet. Denn seit dem ersten Bericht dieser Zeitung über Recherchen rund um das besagte Denkmal ließ die Charlottenburger Kanzlei des von Michael Schöps, Gründer des Wohnparks und Grundstückseigentümer, beauftragten Rechtsanwalts nichts mehr von sich hören. Auch die angedrohte Klage gegen jW blieb bislang aus.

Sticker vor Wohnpark - Marina Plötzsch 8.jpg
In der direkten Umgebung der Senioreneinrichtung weisen derzeit antifaschistische Aufkleber auf die dortigen rechten Machenschaften hin

Allerdings antwortete man bereitwillig auf eine Anfrage des Neuen Deutschlands, wie aus einem Bericht vom 23. Mai hervorgeht. Darin zitierte das Blatt aus einem von Schöps in Auftrag gegebenen Schreiben. Demzufolge ist der revisionistische Gedenkklotz »vollständig auf eigene Kosten« errichtet worden. Eine Anwältin führt weiter aus, das »Mahnmal thematisiert, bewertet und relativiert nicht die Kriegsschuld Deutschlands in beiden Weltkriegen«. Zudem sei der Wohnpark »politisch neutral und offen für Menschen unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben, religiöser oder politischer Anschauung«.

Neben der durchsichtigen Charmeoffensive des Wohnparks ist bemerkenswert, dass sich laut ND-Bericht Schöps inzwischen im Ruhestand befinden soll. Dies bestätigen auch Internetdatenbanken, die Firmenpflichtveröffentlichungen sammeln. EAG-Sprecher Fritsch erklärte gegenüber jW, »die Tatsache, dass sich Michael Schöps aus der Schusslinie nimmt«, ändere nichts an seiner Verantwortung als Grundstückseigner und nichts an der des Wohnparks. Das revanchistische Denkmal müsse abgerissen werden.

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Iri Wolle, Berlin: Unklarer Hintergrund Eine noble Seniorenresidenz, zu der ein mit überdimensioniertem Stahlhelm versehenes deutschnationales Denkmal gehört – für wen ist das bestimmt, und wer mag wohl dahinterstecken? Bei dem Gründer des ...

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