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Aus: Ausgabe vom 03.06.2020, Seite 8 / Ansichten

Freund und Helfer des Tages: Dresdner Polizei

Von Sebastian Carlens
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Immer bereit, wenn es gegen Linke geht ...

Während andere Dinge die Menschen beschäftigen – Corona, Kurzarbeit, keine Kohle –, ist es um die Pegida-Bewegung zuletzt etwas ruhig geworden. Doch sie demonstriert regelmäßig weiter gegen »Überfremdung«, »Asylkriminalität« und alles mögliche andere, was es (auch) in Dresden nicht gibt. Dabei hat die Covidpandemie dem rechten Umzug des Lutz Bachmann neue Möglichkeiten eröffnet. Plötzlich kann ein Pegida-Sprecher der Polizei unter Verweis auf das Abstandsgebot Befehle erteilen, und die Beamten folgen willfährig.

So geschehen am Montag, als eine Gegendemonstration am Rande des Pegida-Aufzugs auf dem Boden Platz nimmt. Die Anwesenheit der paar Dutzend Teilnehmer führe dazu, dass die behördlichen Auflagen nicht mehr eingehalten werden könnten, herrscht Pegida-Sprecher Wolfgang Taufkirch die Einsatzleitung an. Die grübelt nicht lange – die Ordnungshüter packen ihre sieben Sachen und verlassen den Platz im Schweinsgalopp. Zwischen den Pegidisten und der Gegendemo steht nun niemand mehr, und die Rechten nutzen die Gunst der Stunde zum Angriff auf die Protestierenden.

Wenn man schon bei einigen in Zivil auftretenden Randalebrüdern unter Pegida-Fahne das Gefühl hat, es mit verkleideten Polizisten zu tun zu haben – auch die normalen, uniformierten Beamten wissen, was von ihnen erwartet wird. Pegidas Recht auf die Straße wird verteidigt. Wenn sich 20 junge Leute dem entgegenstellen, mögen sie sehen, wo sie bleiben. Von seiten der Staatsmacht wird ihr Demonstrationsrecht nicht verteidigt.

Pegida-Gründer Bachmann ist übrigens auch nicht verschwunden. Ende Mai stellte er einen Screenshot seines Antrags zur Aufnahme in die AfD ins Internet. »Wenn es dafür notwendig ist, als Vorsitzender von Pegida zurückzutreten, werde ich es tun und in Zukunft als Gastredner – das Recht hab’ ich wohl – auftreten«, so Bachmann. Alles beim alten in Dresden.

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