Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
Aus: Ausgabe vom 30.05.2020, Seite 10 / Feuilleton

All dies erwogen, und doch

Von Thomas Gsella

Keine Höhen, kein Schweben:

Mein ebenes Leben

In diesem Landstrich zu dieser Zeit

Mit diesen Leuten.

Manch einer wär es schnell leid.

Doch mehr sind, die sich freuten:

*

Sie hätten Heizung, Bett, Bier und Brot.

Mir klebt nicht die Zunge am Gaumen,

Mir quetscht keine Schraube den Daumen,

Ich wache nicht auf mit dem Tod.

Man foltert und vergewaltigt mich nicht,

Niemand zieht mir die Haut vom Gesicht,

Ich sterb nicht in Libyen, Mexiko

Und den Tausenden Todeszonen.

*

Ich lebe. Im Bayrisch-Fränkischen. So.

Jetzt wisst ihrs. Nicht ich kam zu wohnen:

Es kam. Was ich damit sagen will:

Ohne Umsicht und kleinsten Bedacht

Zog ich hierher, eines Tags, im April.

Diesen Tag hat der Teufel gemacht.

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