Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 30.05.2020, Seite 5 / Inland
Stahlbranche in der BRD

Nur kein Juniorpartner

Stahlsparte von Thyssen-Krupp steht zur Disposition – IG Metall widersetzt sich
Von Oliver Rast
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Stahlkochen: Unter den Beschäftigten von Thyssen-Krupp herrscht ob der Fusionsgedankenspiele viel Unruhe (Duisburg, 11.12.2018)

Gerüchte halten sich oft hartnäckig – wie dieses: Die Konzernspitze von Thyssen-Krupp sucht für ihre Stahlsparte einen Fusionspartner. Genährt hatte dieses Gerücht die Vorstandschefin Martina Merz auf der Aufsichtsratssitzung Mitte Mai höchstpersönlich. Ihre Botschaft: »Es gibt keine Denkverbote mehr.« Seitdem kursieren Namen wie der chinesische Konzern Baosteel und SSAB aus Schweden. Bis heute. Belegschaft und Metaller verstanden die Merz-Aussage als indirekte Drohung – und sind gewarnt.

»Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass das Traditionsunternehmen nicht zum Juniorpartner eines ausländischen Konzerns wird«, verlautbarte die Frankfurter Gewerkschaftszentrale am Donnerstag. »Wir befürchten bei einer potentiellen Abgabe der Stahlmehrheit starke Einschränkungen der betrieblichen Mitbestimmung und eine fehlende Beschäftigungssicherheit«, sagte Annette Szegfü, Pressesprecherin beim IG Metall Vorstand, am Freitag im jW-Gespräch. Insbesondere dann, wenn tarifvertragliche Regelungen nicht mehr gelten sollten.

Zuvor, Ende März dieses Jahres, hatten Betriebsräte von Thyssen-Krupp Steel und IG Metall einen Tarifvertrag mit dem schillernden Titel »Zukunftspakt Stahl 20-30« ausgehandelt. Der sieht als Kernpunkte den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. März 2026 und einen »sozialverträglichen Abbau« von 3.000 Stellen vor. Kröten, die aus Sicht der IG Metall beim »Restrukturierungsprozess« des Konzerns bereits geschluckt werden mussten.

Deutlich aufgeschlossener steht die IGM einem »Zusammenschluss der heimischen Unternehmen mit Beteiligung des Staates« gegenüber, wie deren Hauptkassierer und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Jürgen Kerner, jüngst erklärte. Mehr als ein Planspiel indes dürfte das nicht sein. Reserviert reagierte der Vorstand des niedersächsischen Stahlkonzerns Salzgitter AG auf diese Offerte. Man blicke auf eine über zwei Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte der Eigenständigkeit, hieß es am 20. Mai in einer Stellungnahme. Konzepte einer Zusammenarbeit würden nur dann geprüft, wenn sie »perspektivische Vorteile« bieten würden.

Die Ablehnung einer internationalen Stahlholding seitens der IG Metall habe nichts mit einer »nationalen Standortlogik« zu tun, betonte Szegfü – weiter sagte sie: »Industriepolitisch müssen hierzulande Wertschöpfungsketten erhalten bleiben.« Nur so gebe es gute Chancen, ökonomische Krisen ohne tiefe soziale Verwerfungen zu überstehen.

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