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Aus: Ausgabe vom 30.05.2020, Seite 4 / Inland
Für Gesundheit und Umwelt

Hand in Hand gegen Pflegenotstand

Klimabewegung zeigt sich solidarisch mit Berliner Krankenhauspersonal
Von Sandra Schönlebe
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Protestkundgebung am Freitag vor dem Sitz der Berliner Gesundheitssenatorin

Am Freitag verhandelten Krankenhausbeschäftigte von Vivantes, Charité und Tochterfirmen mit Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) über ihre Forderung nach einem Corona-Krankenhauspakt. Eine Petition zum »Schutz der Beschäftigten vor Covid-19« war von 4.528 Mitarbeitenden der Unternehmen unterzeichnet worden.

Die Forderungen der Beschäftigten beinhalten einen besseren Infektionsschutz, die Erhöhung des Belastungszuschlags im Zuge der Coronakrise von 150 auf 500 Euro monatlich, eine Beteiligung der Beschäftigten an den Krisenstäben, die Wiedereingliederung der outgesourcten Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Reinigung, Service und Labor sowie Entlastung und mehr Personal.

Vor dem Gebäude der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin-Kreuzberg veranstalteten Gruppen der Klimaschutzbewegung, Aktive von »Fridays for Future«, der Naturfreunde Berlin, die Initative »Sand im Getriebe«, die interventionistische Linke und das Berliner Bündnis für mehr Personal vor den Verhandlungen eine öffentliche Pressekonferenz und Kundgebung, um ihre Solidarität auszudrücken und den Beschäftigten ihre direkte Unterstützung auf den Weg zu geben. Etwa 100 Personen fanden sich ab 12 Uhr dort ein.

Ronja Weil von der Umweltinitiative »Ende Gelände« prangerte die Ökonomisierung des Gesundheitssektors sowie die falschen Prioritäten der staatlichen Finanzierung in der Coronakrise an: »Als Klimabewegung stellen wir uns hinter die Forderungen der Pflegekräfte, die tagtäglich Stress, Ansteckungsrisiko und Überlastung auf sich nehmen, um die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten. Es ist ein Skandal, die Pflegebeschäftigten mit Klatschen und lobenden Worten abzuspeisen, während Auto- und Flugzeugkonzerne gleichzeitig mit Milliardenbeiträgen überschüttet werden. Systemrelevant sind nicht die fossilen Konzerne, die unsere Lebensgrundlage zerstören, sondern unsere Gesundheitsversorgung.«

Einig waren sich alle Beteiligten darüber, dass die Kämpfe gemeinsam geführt werden müssen. Eine Sprecherin von »Students for Future« betonte, dass beide Krisen, die der Gesundheitsversorgung und die von Umwelt und Klima, solidarisch bewältigt werden müssen.

Silvia Habekost, Krankenpflegerin bei Vivantes und an den Verhandlungen beteiligt, betonte, dass die Gewinnorientierung der Krankenhäuser problematisch sei – und forderte das Land Berlin auf, etwaige Verluste auszugleichen. Nach wie vor gebe es deutlich zu wenig Schutzkleidung in den Einrichtungen, was Patienten und Personal gefährde.

Im Anschluss an den Verhandlungstermin berichtete Habekost gegenüber junge Welt, dass die Zusammenkunft eher ein erstes Sondierungsgespräch war und noch keine klaren Ergebnisse gebracht habe. Allerdings wurden weitere Treffen für die nahe Zukunft vereinbart.

Auf die Unterstützung der Klimabewegung können die Klinikbeschäftigten dabei auch zukünftig zählen. Ein Sprecher der Interventionistischen Linken Berlin versprach, dass man wiederkommen wolle, um gemeinsam und solidarisch auf die Straße zu gehen.

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