Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
Aus: Ausgabe vom 30.05.2020, Seite 2 / Inland
Mit Software gegen Pandemie

Corona-App als Testversion

Einführung laut Bundesregierung Mitte Juni. Linke fordert Gesetz
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Andere Anwendungen sind längst im Einsatz: »Corona-Datenspende«-App des Robert-Koch-Instituts (München, 7.4.2020)

Die Entwickler der zur Nachverfolgung von Infektionswegen geplanten »Corona-Tracing-App« für Mobilgeräte haben erstmals eine Testversion der Anwendung vorgestellt. Noch am Freitag abend sollten unter anderem der Startbildschirm und weitere Seiten auf der Programmcode-Plattform »Github« veröffentlicht werden. Das kündigte ein Sprecher von T-Systems am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an. Zuvor konnten bereits Regierungsvertreter Einblick nehmen.

Die Deutsche-Telekom-Tochter arbeitet seit Ende April gemeinsam mit dem Walldorfer Softwarekonzern SAP an der Kontaktapp, die ursprünglich bereits vor mehr als einem Monat fertiggestellt werden sollte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geht davon aus, dass sie etwa Mitte Juni zur Verfügung stehen wird – gleichzeitig mit der angestrebten vollständigen Öffnung der Grenzen zu den europäischen Nachbarstaaten. Das hatte er am Donnerstag in der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung nach einem »sehr, sehr guten Gespräch« mit den Projektträgern erklärt.

Die Einführung der Kontaktapp in der BRD benötige allerdings unbedingt eine gesetzliche Grundlage, forderte der Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann (Die Linke) am Freitag in einer Mitteilung. Nur so könne die parlamentarische Kontrolle der Umsetzung gewährleistet »und damit zumindest das Vertrauen in die Einhaltung datenschutzrechtlicher Standards erhöht« werden. Ohne Rechtsgrundlage könne die App »die soziale Spaltung der Bevölkerung« weiter vorantreiben, warnte Pellmann. Sie könne »schnell als Zugangsbeschränkung« missbraucht werden.

Die Kontaktapp soll vor allem die Gesundheitsämter entlasten (siehe jW vom 29.4.). Noch halten diese nach eigenen Angaben die Rückverfolgung von Infektionswegen für beherrschbar. Die Ämter würden »zuverlässig und zeitnah« ermitteln sowie die erforderlichen Maßnahmen einleiten, erklärte Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, laut dpa vom Freitag. Teichert warnte jedoch vor einer Überforderung der unterbesetzten Behörden, sollten die Infektionszahlen »flächendeckend wieder ansteigen«. (Reuters/dpa/jW)

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