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Aus: Ausgabe vom 29.05.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Automobilindustrie

Nissans Shutdown

Autobauer reduziert seine globale Produktionskapazität. Werk in Barcelona bestreikt
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Arbeiter protestieren gegen Werksschließung durch Nissan. Aufrufe zur Enteignung mehren sich (Barcelona 28.5.2020)

Der japanische Renault-Partner Nissan ist erstmals seit elf Jahren in die Verlustzone gerutscht und will unter anderem sein Fertigungswerk in Barcelona schließen. Wie der Konzern am Donnerstag bekanntgab, fiel zum Bilanzstichtag am 31. März ein heftiger Verlust von 5,7 Milliarden Euro an. Die globalen jährlichen Produktionskapazitäten sollen im Rahmen eines bis März 2024 laufenden »Transformationsplans« um 20 Prozent auf 5,4 Millionen Autos gesenkt werden.

Die Produktion in Europa werde sich künftig auf das britische Werk in Sunderland konzentrieren, hieß es. Einzelheiten zu der angekündigten Werksschließung in Barcelona wollte Konzernchef Makoto Uchida nicht nennen. In Barcelona kam es gestern zu heftigen Protesten von Nissan-Arbeitern, die mit brennenden Reifen und Barrikaden die Werkszufahrten blockierten. Die Produktion steht schon seit Anfang Mai wegen des Arbeitskampfs um die Fortführung des Werks still. Die Generalsekretärin der Gewerkschaft USOC, María Recuero, warf Nissan vor, die während der Coronakrise bestehenden wirtschaftlichen Probleme und Einschränkungen der Protestmöglichkeiten auszunutzen.

Die USOC steht allerdings in der Arbeiterschaft ihrerseits immer mehr aufgrund ihrer Kompromisslerei in der Kritik. In den Gewerkschaften werden die Stimmen, die die Nationalisierung und Arbeiterkontrolle des Nissan-Werkes fordern, lauter. Basisgewerkschaften versuchen wiederum auf den etwas kämpferischen Gewerkschaftsbund CGT Druck in diese Richtung auszuüben. Migrantenorganisationen wie Sindillar und Papeles para Todos (»Dokumente für alle«) haben in den vergangenen Tagen mehrfach ihre Solidarität mit den Nissan-Arbeitern demonstriert und sich den Sozialisierungsforderungen angeschlossen.

Neben den 3.000 Arbeitsplätzen bei Nissan hängen nach Angaben des spanischen Fernsehens rund weitere 20.000 Arbeitsplätze von dem Werk ab. Nissan will mit den Produktionsstillegungen Modelle reduzieren und sich fortan auf bestimmte Regionen, namentlich Japan, China und die USA konzentrieren. Die Produktion in Indonesien soll nach Thailand verlegt werden. Zudem zieht sich Nissan aus Südkorea zurück. Damit verabschiedet sich der Konzern endgültig von der Strategie des Exbosses Carlos Ghosn, der auf hohe Absatzzahlen abzielte.

Ghosn hatte einst Nissan vor der nahen Pleite gerettet und die Dreierallianz mit Renault und Mitsubishi geschmiedet. Doch dann stürzte er das Bündnis in eine schwere Krise – denn der einst allmächtige Automanager wurde Ende 2018 in Japan unter anderem wegen Vorwürfen, er habe gegen Börsenauflagen verstoßen, festgenommen. Ghosn flüchtete später unter dubiosen Umständen in den Libanon. Nissan versucht seither, sein Image aufzupolieren, während es Produktionsstätten schließt und Beschäftigte entlässt. (dpa/jW)

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