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Aus: Ausgabe vom 28.05.2020, Seite 7 / Ausland
China und Indien

Angst vor Eskalation

Truppenverstärkung an Grenze zwischen Indien und China im Himalaja. USA nutzen Konflikt für Kampagne gegen Beijing
Von Matthias István Köhler
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Indische Armeefahrzeuge im Grenzgebiet im Himalaja (14.9.2018)

Zwischen Indien und der Volksrepublik China hat sich der Grenzkonflikt im Himalaja verschärft. Seit mehreren Wochen stehen sich auf beiden Seiten mehrere hundert Soldaten gegenüber, die Anzahl der Truppen wurde erhöht. Offiziell allerdings gibt es dazu bis heute weder eine Regierungserklärung aus Neu-Delhi noch aus Beijing – ein Hinweis, dass keiner der Beteiligten es auf eine Eskalation anlegt.

Dabei geht es um eine Region im Himalaja, die zum Teil sowohl von Indien, Pakistan als auch China beansprucht wird. Einen von allen Seiten anerkannten Grenzverlauf in dem dünn besiedelten, bergigen und schwer zugänglichen Gebiet gibt es bis heute nicht. China spricht vom Galwantal, Indien von seinem Unionsterritorium Ladakh. Bereits 1962 hatten die Länder einen Krieg um Teile des Gebiets geführt.

In den vergangenen Jahren haben sich sowohl Neu-Delhi als auch Beijing um die Verbesserung der Infrastruktur in der Region bemüht. Begleitet wurde dies durch Truppenverstärkung. Das hat immer wieder – mehr oder weniger ohne öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen – zu Konfrontationen geführt. Bekannt wurden Zusammenstöße in der Region Doklam im Sommer 2017. Auch am 5. Mai dieses Jahres soll es laut indischen Medienberichten zu einer Massenschlägerei zwischen indischen und chinesischen Truppen gekommen sein. Mehrere Soldaten wurden verletzt.

Beijing hält sich in der Frage bedeckt. Auf einer Pressekonferenz des Außenministeriums am Dienstag wurde das Thema nicht angesprochen. Auch Außenminister Wang Yi, der am Sonntag eine 90minütige Rede am Rande der Plenarsitzung des Volkskongresses hielt, äußerte sich nicht dazu.

Allerdings widmete sich am Montag ein Kommentator in der englischsprachigen chinesischen Tageszeitung Global Times der Angelegenheit. Es handle sich bei dem gegenwärtigen Konflikt nicht – wie so oft zuvor – um einen »Unfall«, sondern um eine »geplante Aktion« Neu-Delhis. Einige Regierungs- und Militärvertreter würden glauben, »das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die Schuldzuweisungen an China aus bestimmten Ländern im Westen würden ihnen eine gute Gelegenheit bieten, aus der Grenzfrage während der Covid-19-Pandemie ihren Nutzen zu ziehen«. Diese Einschätzung fuße aber laut Global Times auf einer »falschen Beurteilung der internationalen Ordnung und der Situation Chinas«. Letztlich folge sie einer »fehlerhaften Logik« und »schade Indien«.

Vor allem in den der hindunationalistischen Regierung nahestehenden Medien in Indien wurde in den vergangenen Wochen breit über den Konflikt berichtet und Stimmung gegen die Volksrepublik gemacht. Am Dienstag zitierte die Hindustan Times anonym einen hochrangigen indischen Regierungsbeamten, der von einem von Premierminister Narendra Modi einberufenen Treffen gekommen sein soll, mit den Worten: »Von Australien über Hongkong, Taiwan, das Südchinesische Meer bis nach Indien und die USA starrt ein kriegslüsternes China, das Weltherrschaft um jeden Preis will.«

Auch in Washington ist man unterdessen auf die Angelegenheit aufmerksam geworden – und nutzt sie für die derzeitige Kampagne gegen die Volksrepublik. Alice G. Wells, Unterabteilungsleiterin im US-Außenministerium und zuständig für Süd- und Zentralasien, sagte am Mittwoch vergangener Woche während einer Onlinepressekonferenz, die Grenzstreitigkeiten seien eine »Erinnerung an die Drohungen durch China«. Die »Aggressionen« Beijings seien nicht nur »rhetorischer Art«.

Laut der indischen Nachrichtenagentur ANI vom Mittwoch werden im Hintergrund allerdings schon Gespräche »auf allen Ebenen« zur Beilegung des Konflikts geführt. Dem pensionierten General S. L. Narasimhan, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats in Indien, zufolge hätten bereits in der vergangenen Woche Militärvertreter beider Seite miteinander an der Grenze verhandelt. »Es sollte nicht zuviel in die Truppenverstärkung hineingelesen werden«, so Narasimhan. Von Berichten, die indische Regierung würde den Konflikt auf die leichte Schulter nehmen, hält er wenig: »Mein Vorschlag ist, sie ihre Arbeit machen zu lassen, damit sie eine friedliche Lösung finden können.«

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