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Aus: Ausgabe vom 23.05.2020, Seite 1 / Inland
Kostenfaktor Coronatests

Krankenkassen zieren sich

Finanzierungsdebatte um Ausweitung von Tests auf Coronavirus: Staatliche Zuschüsse verlangt
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Mitarbeiter des Gesundheitsamts Berlin-Mitte nahmen bereits im April Proben durch Autofenster, allerdings nicht flächendeckend.

Der Deutsche Städtetag wirft Krankenkassen und Kassenärzten vor, eine Ausweitung von Coronavirustests zu bremsen. »Leider nehmen wir im Moment wahr, dass gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen das Rad zurückdrehen wollen«, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der ­Funke-Mediengruppe (Freitag).

Die Krankenkassen pochen angesichts der geplanten Ausweitung der Tests darauf, dass der Staat die Kosten mitträgt. Als staatliche Aufgabe müssten Tests in diesem Rahmen auch aus dem Bundeshaushalt finanziert werden, sagte der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen am Freitag der Deutschen Presseagentur. »Wir sind gesetzlich verpflichtet, in vielen Fällen die Reihentests zunächst zu finanzieren«, erklärte der Sprecher. Wie hoch die Gesamtkosten würden, hänge davon ab, wie deren Zahl sich entwickle. »Bei 59 Euro Kosten pro Test liegt es auf der Hand, dass wir am Ende vermutlich von einer gewaltigen Summe reden werden.«

Bald sollen in Deutschland deutlich mehr Menschen als bisher auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will präventive Tests zumindest in medizinischen Einrichtungen standardmäßig ermöglichen. »Mein Ziel ist es, noch im Mai eine Verordnung vorzulegen, die präventive Reihentests in Krankenhäusern und Pflegeheimen ermöglicht«, sagte Spahn der Zeitung Die Welt (Freitagausgabe). »Wenn Patienten und Bewohner aufgenommen oder verlegt werden, sollten SARS-CoV-2-Tests die Regel sein.« Auch symptomfreie Kontaktpersonen von Infizierten sollen Anspruch auf einen Test haben.

Der Bundestag hatte vor gut einer Woche ein Gesetz beschlossen, mit dem das Bundesgesundheitsministerium die gesetzlichen Krankenkassen per Verordnung verpflichten kann, Tests auf das Coronavirus grundsätzlich zu bezahlen. Spahn verwies nun auf ungenutzte Testkapazitäten: »Vergangene Woche sind deutschlandweit 425.000 Tests durchgeführt worden. Aber die Testkapazität ist mehr als doppelt so groß.« (dpa/jW)