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Aus: Ausgabe vom 22.05.2020, Seite 16 / Sport
Eishockey

Nicht irre machen lassen

»Das hier ist ein Randrandsport«: Die Spielerinnen des Eishockeyklubs Kölner Haie freuen sich auf ihr Erstligadebüt
Von Oliver Rast
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»Zeigen, dass wir zu Recht aufgestiegen sind« – Zweitligameisterfeier im März

So richtig dran geglaubt hat sie nicht mehr. Julia Löffler ist Kapitänin beim Kölner Eishockeyclub (KEC), besser bekannt unter dem Label »Kölner Haie«. Doch tatsächlich hat der Vereinsvorstand nach dem sportlichen Aufstieg von der 2. in die 1. Liga grünes Licht gegeben und erhöht das Budget um einige zehntausend Euro. Vor zwei Jahren hatte die Klubspitze den organisatorischen und finanziellen Mehraufwand noch gescheut – und verzichtete auf das Aufstiegsrecht als Zweitligameister. »Jetzt kam dieser Schritt für uns doch sehr überraschend«, sagte die 29jährige Löffler dem Onlineportal Sportfrauen.

Gecoacht werden die Spielerinnen seit 14 Jahren von René Nosper, der gleichzeitig ihr sportlicher Leiter ist. Eishockey von Frauen in Köln gebe es seit der Gründung der Cologne Brownies im September 1995, erklärte Nosper am Mittwoch im jW-Gespräch. 1998 nahmen die Kufenflitzerinnen den Spielbetrieb in der 2. Liga Nord auf. Ein Team als Dauergast im Unterhaus, so steht es in der Klubchronik. 2017 dann die große Zäsur, der Anschluss der Brownies an den KEC, genaugenommen den eingetragenen Verein KEC »Die Haie«, der vom Profibereich der Männer abgekoppelten Amateurabteilung. Der Grund für den Vereinsübertritt? »Wir wollten das Fraueneishockey in unserer Stadt unter einem Dach vereinen«, so Nosper.

Mit der Fusion kam der Erfolg: In den vergangenen drei Spielzeiten wurden die KEC-Frauen zweimal Zweitligameister. Und nicht nur das: Mit rund 80 aktiven Spielerinnen zwischen 13 und 45 Jahren gelten die KEC-Frauen als der deutsche Hotspot im »Dameneishockey«, wie die Sportart mitunter genannt wird. Wie man sich denken kann, bekommen die Puckjägerinnen fast keine öffentliche Aufmerksamkeit. Sie bringen über Mitgliedsbeiträge Geld mit, müssen in der Regel ihre Ausrüstung selbst stellen – »das hier ist ein Randrandsport«, so Nosper.

Es gibt nicht sehr viele Spielerinnen. Die Personaldecke ist allgemein dünn, so Nosper. Das zeigt sich auch am Ligensystem, das nicht ganz einfach zu verstehen ist. Unterhalb der Deutschen Fraueneishockeybundesliga (DFEL) rangiert die 2. Liga Nord. Die wird vom Eishockeyverband Nordrhein-Westfalen betrieben. In Bayern und Baden-Württemberg ist die zweithöchste und gleichzeitig unterste Spielklasse jeweils die Landesliga. Das war’s aber dann auch schon mit dem zweitklassigen Unterbau des Oberhauses.

Und nun der Gang des KEC in die DFEL. Wie stehen die Chancen auf einen Ligaverbleib? Nosper: »1. und 2. Liga, das sind zwei Welten.« Optimistisch ist er dennoch. In der Vergangenheit waren die Kölner im Eishockeysport der Frauen eine Art Ausbildungsbetrieb, talentierte und sportlich entwickelte Spielerinnen gingen zur Konkurrenz, gerne eine Etage höher. »Jetzt«, so Nosper, »da unser Aufstieg fix ist, kehren einige zurück, was unsere Kaderplanung natürlich erleichtert.«

Erstligaluft konnte Nosper bereits in der vergangenen Saison schnuppern. Der Multifunktionär trainierte parallel das Frauenteam der Düsseldorfer EG, pendelte zwischen den Rheinufern. »Hier habe ich meinen Kölner Lokalpatriotismus hinten angestellt«, räumt er ein. Sonderlich erfolgreich verlief die Episode bei der DEG nicht, die Vereinsspitze zog Mitte der Saison die Notbremse und meldete die DEG-Frauen vom Spielbetrieb ab.

Wie sieht die Konkurrenz die Bundesligateilnahme der KECerinnen? Torsten Szyska, Teammanager der Spielerinnen der Eisbären Juniors aus Berlin, sagte am Mittwoch gegenüber jW: »Ich traue dem KEC durchaus zu, in der 1. Liga eine gute Rolle zu spielen.« Wichtig sei, dass Klubverantwortliche und Akteurinnen Geduld mitbringen »und sich von anfänglichen Misserfolgen nicht irre machen lassen«. Szyska weiß, wovon er spricht, auch die Eisbärinnen hatten so ihre Anlaufschwierigkeiten.

Nosper ist guter Dinge: »Wir wollen mitspielen, zeigen, dass wir zurecht aufgestiegen sind.« Der Saisonstart mit der lang ersehnten Erstligapremiere ist für September geplant.

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