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Aus: Ausgabe vom 22.05.2020, Seite 8 / Ansichten

Mausrutscher des Tages: VW-Werbespot

Von Jan Greve
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Von rassistischen PR-Managern empfohlen: Der VW-Golf

Für manche bleibt das Internet Neuland. In den digitalen Weiten kursiert allerhand Kurioses, von Verschwörungsmythen bis Katzenvideos ist für jeden etwas dabei. PR-Manager müssen sich da schon etwas einfallen lassen, um Aufmerksamkeit in Form von Klicks zu generieren. Während sich der Großteil des Unsinns im Internet versendet, fallen Posts prominenter User dabei besonders ins Auge. Wer hier ins Klo greift, darf sich über nachfolgende Shitstorms nicht wundern.

Diese Erfahrung musste nun auch Volkswagen machen. Am Mittwoch bat die Führungsriege des Konzerns um Entschuldigung für ein Video, das zuvor auf dem firmeneigenen Instagram-Kanal verbreitet worden war. In dem Werbespot ist ein schwarzer Mann zu sehen, der von einer überdimensionierten weißen Hand durchs Bild geschoben und dann in einen Hauseingang geschnippt wird, über dem die Worte »Petit Colon« prangen. Dann ploppen einzelne Buchstaben auf, die auf den ersten Blick das Wort »Neger« erkennen lassen. Nachdem alle Buchstaben erschienen sind, steht dort »Der neue Golf«. Binnen kurzer Zeit brach ein Sturm der Entrüstung über den Konzern herein. Ein Nutzer auf Twitter formulierte die treffende Frage: »Was zur Hölle soll dieser rassistische Scheiß?«

In einer ersten Reaktion auf die Kritik hatte der Konzern sich bei Instagram »überrascht und schockiert« gezeigt, »dass unsere ­Instagram-Story derart missverstanden werden kann«. Auf die berechtigte Empörung vieler über den Verweis auf ein »Missverständnis« folgte in Wolfsburg die Erkenntnis, das Video sei »falsch und geschmacklos«. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sagte: »Wir schämen uns dafür und können es heute auch nicht erklären.« Dabei ist die Sache doch so einfach: Diskriminierende Bildersprache trifft profitgesteuerte Aufmerksamkeitsökonomie. Willkommen im Bürgerlichen Rassistischen Deutschland.

Debatte

  • Beitrag von Ralf S. aus G. (22. Mai 2020 um 01:02 Uhr)
    Wahrscheinlich nutzt denen das unterm Strich noch, sind doch unter Volkswagen-Käufern vermutlich nicht gerade viele Antirassisten unterwegs, eher das Gegenteil. Da ist vielleicht sogar der eine oder andere Solidaritätskauf drin, als Unterstützung des urdeutschen Autobauers gegen diesen linksgrün versifften, politisch korrekten Gutmenschenmob, der sich mal wieder aufregt, nur weil man sich über Neger lustig macht, was ja wohl das gute Recht eines jeden (Volks-)Deutschen ist!

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