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Aus: Ausgabe vom 20.05.2020, Seite 7 / Ausland
Iran / Venezuela / USA

Auf Konfrontationskurs

Fünf iranische Tanker auf dem Weg nach Venezuela. Washington droht mit Gegenmaßnahmen
Von Knut Mellenthin
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Ein Arzt vor einer geschlossenen Tankstelle in Caracas (7.4.2020)

Das Teheraner Außenministerium hat die USA vor »törichten Handlungen« gegen iranische Tanker gewarnt. »Falls die Amerikaner irgendwelche Maßnahmen gegen die freien und rechtmäßigen Bewegungen unserer Schiffe unternehmen, müssten sie mit unserer entschiedenen Antwort rechnen«, sagte Ministeriumssprecher Abbas Musawi am Montag während einer Pressekonferenz. Die Tatsache, dass die Regierung in Washington bestimmte Länder nicht möge, gebe ihr nicht das Recht, den legalen Handel zwischen ihnen zu stören. Die iranische Regierung habe über die Schweizer Botschaft in Teheran, über ihre Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York und in einem Briefes von Außenminister Mohammed Dschawad Sarif an UN-Generalsekretär António Guterres eine »klare Warnung« vor »möglichen amerikanischen Übeltaten« ausgesprochen. Die Schweiz dient seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran vor vierzig Jahren der Aufrechterhaltung der Kontakte zwischen beiden Staaten.

Gegenwärtig befinden sich im Atlantik fünf iranische Tanker auf dem Weg nach Venezuela. Ihre Fracht besteht hauptsächlich aus Benzin. Die ersten dieser Schiffe wurden Ende März im südiranischen Hafen Bandar Abbas am Persischen Golf beladen. Einer der Tanker soll nach offiziell nicht bestätigten Pressemeldungen nur noch etwa eine Woche Fahrzeit von der venezolanischen Küste entfernt sein. Insgesamt soll der Treibstoff einen Wert von mindestens 45,5 Millionen US-Dollar haben. Angeblich will die Regierung in Caracas die Lieferung mit Gold bezahlen. Der Iran benötigt regelmäßig große Mengen des Edelmetalls, um seine eigenen Importe abzuwickeln, da Washingtons Sanktionen normale Finanztransfers stark behindern oder gänzlich unmöglich machen.

Venezuela könnte Schätzungen zufolge die größten Erdölvorkommen der ganzen Welt besitzen. Die Förderung ist aber durch US-Strafmaßnahmen fast zum Erliegen gekommen. Das Land im Norden Südamerikas leidet außerdem akut unter einem Mangel an Benzin und anderen aus Öl gewonnenen Treibstoffen. Gründe dafür sind unter anderem fehlendes chemisches Material, insbesondere Verdünnungsmittel, die früher aus den USA bezogen wurden, sowie der Reparatur- und Modernisierungsbedarf der venezolanischen Raffinerien. Mitte April wurde berichtet, dass diese gegenwärtig mit weniger als zehn Prozent ihrer Kapazitäten arbeiten. Die meisten Tankstellen mussten deshalb geschlossen werden. Das noch verfügbare Benzin wurde für medizinische Dienste, den Transport von Lebensmitteln und den Betrieb von Nutzfahrzeugen bereitgestellt.

Schon im vorigen Monat war gemeldet worden, dass die iranische Luftfahrtgesellschaft Mahan Air, die ebenfalls mit US-Strafmaßnahmen belegt ist, mehrere Tage lang Hilfsgüter unbekannter Art nach Venezuela transportiert hatte. Es wurde vermutet, dass es sich dabei unter anderem um Chemikalien und Ersatzteile für den Raffineriebetrieb gehandelt habe. US-Außenminister Michael Pompeo beschwerte sich darüber am 29. April während einer Pressekonferenz im State Department und forderte alle Staaten – die das nicht ohnehin schon getan haben – auf, der Mahan Air die Überflug- und Landerechte zu verweigern. Die deutsche Bundesregierung hatte Entsprechendes bereits im Januar 2019 verfügt.

Ranghohe Funktionäre der US-Regierung, die Wert auf Wahrung ihrer Anonymität legen, sprachen am vorigen Donnerstag gegenüber verschiedenen Medien Drohungen wegen der fünf iranischen Tanker aus, die sich auf dem Weg nach Venezuela befinden. Diese Lieferungen seien nicht nur in den USA, sondern auch in Mittel- und Südamerika »unwillkommen«, behauptete beispielsweise einer dieser Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Regierung suche nach Möglichkeiten, dagegen vorzugehen. Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete am Sonnabend, dass sich vier Kriegsschiffe der US-Marine »für eine mögliche Konfrontation mit den Tankern« im Karibischen Meer aufhalten.

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