Gegründet 1947 Freitag, 29. Mai 2020, Nr. 124
Die junge Welt wird von 2295 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 20.05.2020, Seite 2 / Ausland
Konferenz zu Coronapandemie

Trump droht mit WHO-Austritt

US-Präsident attackiert Weltgesundheitsorganisation und China. Resolution zu Impfstoffverteilung und Untersuchung der Pandemie beschlossen
RTS38STN.JPG
WHO-Hauptquartier in Genf am Montag

Mit neuen Attacken gegen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Volksrepublik China hat US-Präsident Donald Trump die Gespräche zur Bewältigung der Coronakrise dominiert. Auf der Jahrestagung der WHO wurde am Dienstag während einer Videokonferenz eine Entschließung verabschiedet, die sich für eine gerechte Verteilung eines Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus einsetzt, sobald dieser auf dem Markt ist. Die Schlagzeilen bestimmte aber der US-Präsident mit seiner Drohung, die Beitragszahlungen an die WHO dauerhaft zu stoppen und aus der Organisation auszutreten.

Trump veröffentlichte am Montag abend im Kurznachrichtendienst Twitter Bilder eines Briefes an WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, in dem er »substantielle Verbesserungen« in der Arbeit der Organisation forderte. Er bezeichnete letztere zudem als »Marionette Chinas«. »Es ist klar, dass die wiederholten Fehltritte von Ihnen und Ihrer Organisation bei der Reaktion auf die Pandemie die Welt äußerst teuer zu stehen gekommen sind«, schrieb Trump an den WHO-Generaldirektor. Sollte die UN-Sonderorganisation die geforderten Änderungen nicht in den nächsten 30 Tage vornehmen, werde Washington die Beitragszahlungen dauerhaft einstellen, warnte der US-Präsident. Außerdem werde seine Regierung in diesem Fall ihre Mitgliedschaft in der WHO »überdenken«. Eine Reaktion der Organisation auf Trumps Brief gab es bis jW-Redaktionsschluss nicht.

In der am Dienstag einstimmig angenommenen, aber rechtlich nicht bindenden Resolution wird ein (bzw. eine) »weltweiter, zeitnaher und gerechter Zugang und ebensolche Verteilung« von Impfstoffen und Medikamenten gegen die Krankheit Covid-19 verlangt, die durch den neuen Erreger SARS-CoV-2 ausgelöst werden kann. Grund dafür ist die berechtigte Sorge ärmerer Länder, dass die reichen Nationen in der Krise zunächst nur die eigene Bevölkerung damit versorgen.

Zudem beschlossen die WHO-Mitgliedstaaten mit dem Dokument eine unabhängige Untersuchung der Reaktion auf die Coronaviruspandemie. Ziel der Analyse solle es sein, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Empfehlungen zu geben, um die Welt und die einzelnen Staaten besser gegen künftige solche Infektionswellen zu rüsten, sagte der WHO-Generaldirektor Tedros. (AFP/dpa/jW)

Kritischer, unangepasster Journalismus von links, gerade in Krisenzeiten!

Die Tageszeitung junge Welt finanziert sich vor allem über Abonnements. Wenn Sie öfter und gerne Artikel auf jungewelt.de lesen, würden wir uns freuen, wenn auch Sie mit einem Onlineabo dazu beitragen, das Erscheinen der jungen Welt und ihre Unabhängigkeit zu sichern.

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (21. Mai 2020 um 03:02 Uhr)
    Bedauerlich, dass DJ Trump wieder einmal in der Pose auftritt, eine der Weltorganisationen zu kommandieren.

    Heute ist es diese, morgen eine andere. Keine Frage, dass er sich mehr und mehr lächerlich macht. Übermorgen legt er neu vor – dass man nicht klar denken muss, weil die meisten Menschen nichts Klares lesen können. Warum dann etwas Sinnvolles schreiben?

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Istvan Hidy: Kontrast der Großmächte Zwei Großmächte haben sich gestern vor der Weltgesundheitsorganisation dargestellt. Es hätten keine größeren Welten zwischen ihnen liegen können. Chinas Präsident Xi Jinping versprach Milliardenhilfen...

Ähnliche:

  • Immer wieder umkämpft: Die Jahrestagung der WHO in Genf (22.5.20...
    19.05.2020

    WHO-Konferenz gestartet

    Kritik von UNO an »uneinheitlicher Reaktion« auf Pandemie. China spendet weitere zwei Milliarden US-Dollar – USA schweigen
  • Regressiver Protest: »Coronarebell« auf der Kundgebung »Querdenk...
    16.05.2020

    Katalysator Corona

    In der Pandemie sortiert sich der Kapitalismus neu – die Linke muss es auch tun. Die Krise treibt faschistischen Kräften neue Massen zu

Regio:

Mehr aus: Ausland