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Aus: Ausgabe vom 15.05.2020, Seite 10 / Feuilleton
Theater

Professioneller Provokateur

Dramatiker Rolf Hochhuth gestorben
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Der Autor liest sich selbst: Rolf Hochhuth

Zuletzt hatte der Dramatiker Rolf Hochhuth mit zweifelhaften Inszenierungen für Aufmerksamkeit gesorgt: seinem öffentlich ausgetragenen Rechsstreit mit Claus Peymann und dem Berliner Ensemble um 2009 in der Doppelrolle als ausgesperrter Autor und zugleich Vermieter von deren Spielstätte. Oder seiner Verteidigung des den Holocaust leugnenden Historikers David Irving, den er 2005 einen »ehrenwerten Mann« nannte. Dennoch wird der Schriftsteller als einer der einflussreichsten deutschen Theaterautoren der Bundesrepublik in Erinnerung bleiben. Einer, der wiederholt der deutschen Öffentlichkeit die Auseinandersetzung mit der Nazizeit aufzwang. Sein Welterfolg »Der Stellvertreter« (Uraufführung 1963, Regie: Erwin Piscator) zu den Verstrickungen des Vatikans mit dem Faschismus war in der konservativen BRD ein Stoß vor den Kopf. Mit seinen Recherchen zu dem Stück »Juristen« über die Rolle früherer Nazirichter in der Bundesrepublik brachte er 1978 den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichter Hans Filbinger zu Fall. Mit Stücken wie »McKinsey kommt« (2004) thematisierte er auch neoliberale Massenentlassungen und andere Themen der Linken. Geboren wurde Hochhuth am 1. Ap ril 1931 im hessischen Eschwege als Sohn eines Schuhfabrikanten. Zunächst arbeitete Hochhut in Buchhandlungen und als Lektor, bevor er als Schriftsteller erfolgreich wurde. 1993 sicherte er sich mit der von ihm gegründeten Ilse-Holzapfel-Stiftung (benannt nach seiner Mutter) das Vorverkaufsrecht an der legendären Theaterimmobilie am Schiffbauerdamm, in der Bertolt Brecht ab 1954 mit seinem Berliner Ensemble seine Stücke inszeniert hatte. Rolf Hochhuth starb am Mittwoch überraschend im Alter von 89 Jahren in seiner Wohnung in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding am Donnerstag mitteilte. Er habe keine Vorerkrankungen gehabt. (ts)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Bernhard May, Solingen: Nicht nur Details der Geschichte Ergänzen will ich Rolf Hochhuths Werke »Judith«, »Alan Turing« und »Soldaten«. »Judith« handelt von einem fiktiven Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan, und zwar mit dem Gift, das dieser für militä...
  • Klaus P. Jaworek, Büchenbach: Kleine Hommage »Religion hat man eher ohne als mit der Kirche, die das immer nur Überflüssige ist, das Lebensgefährliche, das Menschen auf Mitmenschen Hetzende.« – »In Deutschland kann es niemals eine Revolution geb...

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