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Aus: Ausgabe vom 15.05.2020, Seite 5 / Inland
Immobilienbranche in der BRD

Deutsche Wohnen steigert Profite

Zweitgrößter deutscher Immobilienkonzern steht stabil da – trotz Mietendeckel
Von Philipp Metzger
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Steigende Mieten und Verdrängung von Bewohnern – gegen die Geschäftspraxis des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen wird regelmäßig protestiert (Berlin, 3.1.2019)

Der wahrscheinlich unbeliebteste Immobilienkonzern der Hauptstadt, Deutsche Wohnen, präsentierte am 13. Mai seine Quartalszahlen. Trotz des Berliner Mieten­deckels und der Coronakrise konnte der Konzern Mieteinnahmen und Profite steigern.

Insgesamt erzielte das zweitgrößte deutsche Immobilienunternehmen 210,6 Millionen Euro aus Mieteinnahmen. Das entspricht einer Steigerung von ungefähr drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Miete erhöhte sich in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,3 Prozent.

Wie erklären sich die gestiegenen Mieteinnahmen trotz Mietendeckel? Immerhin liegen 70 Prozent des Bestandes der Deutsche Wohnen in der Hauptstadt. Pressesprecher Marko Rosteck bemerkte am Donnerstag gegenüber der jW: »Die Steigerung der Mieteinnahmen ist darauf zurückzuführen, dass die Deutsche Wohnen deutschlandweit aufgestellt ist und das Gesetz zum Berliner Mietendeckel auch erst im Laufe des ersten Quartals in Kraft getreten ist.«

Seit Februar gilt der Mietendeckel erst einmal nur für Wiedervermietungen. Bestehende Mietverträge werden erst ab Herbst gedeckelt, rückwirkend auf den Stand von Juni 2019. Grundsätzlich hat die Deutsche Wohnen die Mieten in Berlin jedoch weniger stark erhöht als in anderen Städten. Diese Zurückhaltung ist ein erster Erfolg des Mietendeckels. Kein Wunder, dass die Deutsche Wohnen die Klage gegen das »Gesetz zur Mietenbegrenzung« begrüßt, die mehrere Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU und FDP auf Zuruf der Immobilienlobby bereits beim Bundesverfassungsgericht eingereicht haben. »Wenn der Mietendeckel trotzdem Bestand hat, würde uns das in den nächsten Jahren bis zu 330 Millionen Euro kosten«, so die Deutsche Wohnen.

Die Mieterinnen und Mieter könnten sich hingegen über stabil bleibende Mieten freuen. Ähnlich wie die Vonovia ist auch die Deutsche Wohnen kaum von krisenbedingten Mietausfällen betroffen. Von den 116.000 Wohnungen, die der börsennotierte Konzern verwaltet, meldeten sich bisher lediglich 1.100 Mieterinnen und Mieter wegen finanzieller Schwierigkeiten.

Kopfschmerzen bereiten jedoch andere Dinge. Mit Wohnungsverkäufen verdiente der Konzern weit weniger als geplant, und die gestiegenen Verwaltungskosten wirkten sich ebenfalls negativ auf den Betriebsgewinn aus. Der operative Gewinn (FFO) sank deshalb um 3,9 Prozent auf 140,9 Millionen Euro. Der FFO ist eine wichtige Kennziffer für Investorinnen und Investoren, weil sich auch die Gewinnausschüttungen daran orientieren. Folglich wurde die Dividende auf 90 Cent pro Aktie abgesenkt. Der Aktienkurs der Deutsche Wohnen sank nach Bekanntgabe der Zahlen um 1,7 Prozent. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass jenseits des FFO das Periodenergebnis dank latenter Steuern, also der möglichen Differenz zwischen der Steuerschuld aus der Steuer- und der Handelsbilanz, immer noch 125,4 Millionen Euro betrug. Denn im ersten Quartal steigerte die Deutsche Wohnen ihren Profit unterm Strich um satte 13 Prozent. Angesichts dieser Zahlen hält der Berliner Konzern an seiner Prognose für das laufende Geschäftsjahr fest. Ändern könnte sich das allerdings schlagartig, wenn das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel für gesetzeskonform erklärt.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Reinhard Hopp: Enteignung der Immobilienhaie Es sei daran erinnert, dass das seinerzeitige Verschleudern riesiger kommunaler Wohnungsbestände durch den damaligen SPD-PDS-Senat das heutige Wohnungsdesaster in Berlin erst verursacht hat. Die Korre...

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