Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 14.05.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Wertverfall

Commerzbank mit Schwindsucht

Erneut Quartalsverlust und schmelzender Börsenwert deuten auf Existenzkrise
Von Klaus Fischer
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Einst der Stolz des deutschen Finanzkapitals, verkommt die Commerzbank-Aktie zum Ladenhüter

Am Mittwoch, 13.43 Uhr, kostete eine Aktie der Commerzbank AG noch drei Euro und sieben Cent. Der Weg Richtung Pennystock – Kapitalgesellschaften, deren Aktien nur noch in Cent oder Pfennigen beziffert werden – scheint programmiert. 2013 war das schon einmal der Fall. Da rettete sich das Institut, indem es zehn Aktien zu einer neuen zusammenlegte. Doch viel besser ist es nie geworden. Das einstmals stolze Geldhaus, das kurz vor der letzten Krise 2008 noch der Allianz die marode Dresdner Bank (auch ein Kapitel für sich) abgekauft hatte, ist trotz Staatsbeteiligung 2009 ( der hält immer noch gut 15 Prozent der Aktien) weiterhin in einer Überlebenskrise.

Das darf man sich nicht anmerken lassen. Das Gesamtjahr mit einem Gewinn abzuschließen, sei angesichts weiterer Umbaukosten und dem allgemein schwierigen Umfeld »sehr ambitioniert«, schreibt der Finanzkonzern laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa vom Mittwoch euphemistisch. Klar, man kann auf die Coronapandemie verweisen. Doch dies wäre nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Weitere sind ein großsprecherisches Management Anfang bis Mitte der nuller Jahre, das zum Beinahezusammenbruch in der damaligen Finanzkrise geführt hatte – ehe der Staat einsprang. Danach machte die EZB-Geldpolitik, mit Null- und Minuszinsen das klassische Bankengeschäft immer schwerer. Die zuletzt immer schwächer werdende Weltkonjunktur und die aktuelle Pandemie lassen die Commerzbank inzwischen praktisch als Zombieunternehmen erscheinen – das sich aus eigener Kraft bald nicht mehr retten kann.

Ende März stand trotz formal guter Geschäfte insbesondere mit Privat- und Unternehmerkunden unter dem Strich ein Minus von 295 Millionen Euro in den Büchern, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Vor allem die Gefahr vieler Kreditausfälle drückte das Ergebnis. Weshalb Konzernchef Martin Zielke während der Onlinehauptversammlung seiner Bank dennoch eine »komfortable Kapitalsituation« bescheinigte, ist schon wegen der Erosion der Aktienkurses schwer nachzuvollziehen.

Und die Zeichen stehen auf Kahlschlag: Spekuliert wurde zuletzt über eine deutliche Ausdünnung des Filialnetzes von 1.000 Standorten auf 400 bis 500 Geschäftsstellen. Im September hatte der Vorstand bereits angekündigt, bis 2023 weitere 2.300 Stellen abzubauen. Ende des ersten Quartals 2020 hatte die Bank etwa 39.800 Mitarbeiter auf Vollzeitbasis. Beschlossen ist zudem bereits die Schließung jeder fünften Filiale. Aber selbst das wird vermutlich nicht das letzte Wort sein. Immerhin wurde die geplante Dividende von 15 Cent pro Aktie gestrichen.

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