Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
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Aus: Ausgabe vom 11.05.2020, Seite 1 / Inland
Querfront gegen Beschränkungen

Distanzlos gegen Coronaregeln

Proteste gegen Schutzmaßnahmen in mehreren Städten mit extrem rechter Beteiligung
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Auseinandersetzung zwischen »Coronarebellen« und Polizeibeamten auf dem Berliner Alexanderplatz

Quer durch Deutschland ist am Wochenende gegen die Beschränkungen im Zuge der Coronakrise demonstriert worden – wobei zahlreiche Teilnehmer die Auflagen missachteten und den Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern nicht einhielten. Auf dem Alexanderplatz in Berlin kam es nach Polizeiangaben zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Rund 1.200 Personen hatten sich demnach zu der nicht angemeldeten Demonstration versammelt. Mehrere Teilnehmer skandierten Parolen wie »Wir sind das Volk« oder »Freiheit, Freiheit«. Ein im Internet kursierendes Video zeigt Hendrik Sodenkamp, einen der Initiatoren der Berliner »Hygienedemos«, der sich auf dem Platz, zunehmend verzweifelt, über die Beteiligung von extremen Rechten beschwert – und damit bei anderen Teilnehmern auf Unverständnis stößt: »Ich habe einfach nichts mit Nazis gemein«, sagt er und bekommt zu hören: »Wir sind alle ein Volk«, und: »Dann geh doch weg hier.« Laut Polizei kam es auch zu Flaschenwürfen und Angriffen auf Beamte. 86 Personen wurden ­vorübergehend festgenommen.

In München versammelten sich nach Polizeiangaben rund 3.000 Menschen am zentralen Marienplatz, um gegen die Coronaauflagen zu demonstrieren. Da die Menschenmenge deutlich größer gewesen sei als die angemeldeten 80 Teilnehmer, sei die Einhaltung des Mindestabstands nicht möglich gewesen, teilte die Polizei via Twitter mit. Aufforderungen zur Auflösung kamen die Demonstranten jedoch nicht nach, der Einsatzleiter entschied sich dennoch gegen eine Räumung.

In München und Stuttgart fanden ebenfalls Großkundgebungen statt. Der Thüringer FDP-Chef Thomas Kemmerich nahm an einer Protestveranstaltung in Gera teil, an der sich nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) auch AfD-Vertreter beteiligten. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schrieb zu einem Foto, das Kemmerich in dem Protestzug zeigt: »Abstand halten oder Mundnasenschutzbe­deckung? – Fehlanzeige! Vorbildfunktion? – Fehlanzeige!« (AFP/dpa/jW)

Debatte

  • Beitrag von Wolfgang R. aus D. (10. Mai 2020 um 20:39 Uhr)
    Diesmal ohne Autor, aber mit der gleichen Hetze. Dadurch leistet die junge Welt einen aktiven Beitrag zur Stärkung der Rechten bei diesen Demos.

    Leider verbreitet die junge Welt – passt das junge noch? – reine Regierungspropaganda. Wo ist euer Beitrag gegen Zwangsimpfung und Zwangs-App?

    An anderer Stelle habe ich mal geraten, die Horrorzahlen, die zum Lockdown geführt haben, mit den aktuellen Zahlen zu vergleichen, vielleicht sogar mit den Zahlen von 2017/2018. Wäre einen Artikel wert, wenn man nicht nur Regierungspropaganda betreiben wollte.

    Ich bin nicht mehr weit weg von der Kündigung meines Abos.
    • Beitrag von sabine m. aus O. (10. Mai 2020 um 21:48 Uhr)
      Na, na, gleich das Abo kündigen? Vermutlich noch ein junger Leser ... Wer junge Welt liest, kauft den ganzen Namen mit. Welt ist eine andere Zeitung – wesentlich schlechter.

      Regierungspropaganda ... in der jW? Vermutlich tatsächlich ein junger Leser oder gerade erst mit dem Lesen der jW begonnen?

      Zahlenvergleiche sollten nicht vorgeschlagen, sondern selbst dargestellt werden. Aber dazu hattest du – ich duze dich mal »jung« und frech – offenbar nicht wirklich aussagekräftige Statistiken?

      Viele Fragen ... auf die du sicher Antworten weißt...

      Ein alter Leser der jW ...
    • Beitrag von Hagen R. aus R. (11. Mai 2020 um 10:44 Uhr)
      Ja, die Zahlen sind in Deutschland deutlich gesunken. Wegen des Lockdowns.

      Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie in Schweden eben nicht gesunken sind und die Zahl der Toten im Vergleich zur Vorwoche sogar wieder steigt.
      • Beitrag von Matthias G. aus G. (11. Mai 2020 um 11:48 Uhr)
        »Wegen des Lockdowns«? Das kann niemand so genau sagen. Es gibt keine Vergleichszahlen. Korrelation ist nicht dasselbe wie Kausalität. Und »die Zahlen« sind während des Lockdowns in D zunächst weiter massiv angestiegen. Das wird oft unterschlagen. Außerdem wird zu prüfen sein, inwiefern es zu vermehrten Anzahl von Todesfällen kam, die gar keinen Bezug zu Covid-19 aufweisen, die also nach dieser Logik ebenfalls »wegen des Lockdowns« erfolgten usw.
        • Beitrag von Hagen R. aus R. (11. Mai 2020 um 12:09 Uhr)
          Wie lautet denn Ihre Erklärung dafür, dass die Zahlen in Deutschland, Italien etc. jetzt stark sinken und in Schweden nicht?
          • Beitrag von Matthias G. aus G. (11. Mai 2020 um 15:00 Uhr)
            Eine solide Erklärung dafür kann ich Ihnen nicht bieten, und ich vermute, es gibt momentan keine. Außerdem müssten auch diese Zahlen genau eingeordnet werden. Ein bloßes Punkt-zu-Punkt-Ranking ist reine Spekulation. Bekannt ist immerhin z. B., dass die Zunahme der Infektionen in der Schweiz früher abgesenkt werden konnte als in Deutschland, obwohl die Regelungen weniger restriktiv als in Deutschland waren/sind. Noch schneller ging es in Südkorea, und das ohne Lockdown ...
  • Beitrag von Matthias G. aus G. (10. Mai 2020 um 21:28 Uhr)
    »Ein im Internet kursierendes Video ...« (Ist das seriöse Berichterstattung?) »... zeigt Hendrik Sodenkamp, einen der Initiatoren der Berliner ›Hygienedemos‹, der sich auf dem Platz, zunehmend verzweifelt, über die Beteiligung von extremen Rechten beschwert.« – Wie jetzt? Ich dachte, das war von Anfang an alles eine »Querfront«. Und jetzt beschwert einer der Initiatoren sich über die Beteiligung von »extremen Rechten«? – »Laut Polizei kam es auch zu Flaschenwürfen und Angriffen auf Beamte.« Aha. Wenn die das so sagen, wird es wohl stimmen. – Und am Schluss wird Bodo Ramelow zustimmend zitiert. Er wird sich freuen!
  • Beitrag von Henrik M. aus L. (10. Mai 2020 um 22:56 Uhr)
    Wozu eigentlich diese Hexenjagd? Was treibt die junge Welt hier an, diese Leute, die auch noch gesellschaftlich deutlich in der Minderheit sind, so zu diskreditieren, nur weil sie sich eigene Gedanken um ihre Welt machen und sich mit den offiziellen Begründungen der Einschränkungen ihres Lebens nicht zufrieden geben. Kein »Verschwörungstheoretiker« rennt in der Gegend herum und hustet alten Leuten ins Gesicht oder schubst Reptilienmenschen vor den Bus. Wo ist also die große Gefahr?

    Wenn ihr euch nicht die Mühe machen wollt, euch mit den Sorgen dieser Menschen zu beschäftigen und euch um gute Überzeugungsarbeit zu bemühen, versucht es doch einfach mal mit Ignoranz ... kostet auch keine Mühe.
    • Beitrag von Hagen R. aus R. (11. Mai 2020 um 09:12 Uhr)
      Die große Gefahr besteht nur dann, wenn sich lokal ein neues unkontrolliertes Ausbruchsgeschehen entwickelt. Aus Angst vor Unruhen könnte dann die Lokalpolitik vor nötigen Eindämmungsmaßnahmen, z. B. der zeitweiligen Abriegelung betroffener Landkreise, zurückschrecken. Auf diese Weise kann ein in Deutschland fast besiegtes Virus in einer zweiten Welle bundesweit zurückkommen.

      Wir wollen es nicht hoffen, aber das ist die Gefahr. Und für einige der mitlaufenden Reichsbürger vermutlich sogar das erwünschte Szenario, weil dann der »Tag X«, an dem der bürgerliche Staat die Kontrolle verliert, näherrückt.
  • Beitrag von mike b. aus w. (11. Mai 2020 um 07:27 Uhr)
    Die junge Welt hat als linke Zeitung mit ihrer Berichterstattung rund um das Thema »Corona« auf ganzer Linie versagt. Fehlt nur die Diffamierung der kritischen Menschen als Verschwörungstheoretiker. Ganz auf Linie zu FAZ, Süddeutsche usw. Habe jetzt seit mehr als 20 Jahren ein Abo. Wenn es so weitergeht, nicht mehr lang.
    • Beitrag von Rainer B. aus E. (11. Mai 2020 um 08:11 Uhr)
      Im Gegenteil: Danke für die Berichterstattung der jW. Hoffentlich bleibt sie aufklärerischem Denken verpflichtet.
    • Beitrag von Ralf S. aus G. (11. Mai 2020 um 13:50 Uhr)
      Welche kritischen Medien meinen Sie?
      • Beitrag von Matthias G. aus G. (11. Mai 2020 um 14:43 Uhr)
        Er schrieb von »kritischen Menschen«.
  • Beitrag von Roman S. aus L. (11. Mai 2020 um 08:32 Uhr)
    Kritische Beiträge und Widersprüche sind für eine Debatte sehr wichtig, besonders in einer linken Tageszeitung. Wer aber staatskritische und -unabhängige Berichterstattung fordert, sollte wissen, was er tut, wenn er mit der Kündigung seines Abonnements droht. Das ist ein sehr existenzieller Angriff! So einseitig mancher die Berichterstattung hier finden mag, Leser, die nach dem Grundsatz verfahren: »Wenn meine eigene Meinung nicht in der Zeitung steht, löse ich mein Abo auf«, sind nicht konstruktiver und bedrohen unabhängigen linken Journalismus fundamental.

    Ein Leser, der die Meinung der jungen Welt nicht immer teilt, aber weiß, dass und wozu er sie braucht.
  • Beitrag von Matthias D. aus B. (11. Mai 2020 um 10:19 Uhr)
    Liebe jW, vermutlich seid ihr ziemlich stolz auf euren demokratischen Leserbriefzirkus. Aber dann gebt doch im nächsten Schritt dem »Volkslehrer« eine regelmäßige Kolumne ...
  • Beitrag von Joel K. aus G. (11. Mai 2020 um 10:47 Uhr)
    Coronapartys auf öffentlichen Plätzen als »Hygienedemos« zu bezeichnen, zeigt, dass es mit dem Denken nicht weit her ist. So etwas passiert, wenn man im Biologieunterricht nicht aufgepasst hat.

    Ein Virus interessiert sich nicht für Grundrechte. Er wird übertragen, in diesem Fall sogar exponentiell übertragen, und kann zu einer potentiell tödlichen Erkrankung führen. Dieses Faktum zu leugnen, scheint mir einer irrationalen Verweigerungshaltung geschuldet zu sein. Es gibt durchaus gute Gründe, Regierung und Medizin nicht zu trauen. Aber warum steht man jetzt auf der Straße? Um das Recht auf Ansteckung einzufordern?

    Wie wäre es statt dessen mit sinnvollen Forderungen? Der nach Eradikation des Virus statt tödlicher Dauerkrise? Der nach gezielten, wirksamen Quarantänemaßnahmen mit automatischem Ablaufdatum, damit klar ist: Diese Einschränkungen bleiben nicht? Der nach gutem Gesundheitswesen und Katastrophenschutz? Der nach einer Medizin für Menschen, nicht für Profite? Der nach Krisenbewältigung durch Kapitalsteuern statt Schuldenaufnahme bei Kapitaleignern? Der nach einem Ende von Kapitalismus, Neoliberalismus und Finanzkapitalismus, statt dessen nach mindestens einer Gemeinwohl-Ökonomie, oder besser noch Sozialismus oder Kommunismus? Der nach Abschaffung aller Steueroasen weltweit?

    Statt dessen jetzt nur das Recht auf den bisherigen Alltagstrott einzufordern, ist nicht links, sondern liberaler Konsumismus, der verlernt hat, sich auf reale Herausforderungen einzustellen. Der selbstsüchtige Zeitgeist scheitert an einem wenige Nanometer großen Virus.
  • Beitrag von Rainer S. aus M. (11. Mai 2020 um 13:00 Uhr)
    Die junge Welt hat sich in Sachen SARS-CoV-2 leider total verrannt. Völlig im Widerspruch zum eigenen Anspruch: »Kritischer, unangepasster Journalismus von links, gerade in Krisenzeiten!«

    Es ist höchste Zeit zur Umkehr, zumindest hin zu einer kontroversen Debatte, weg von der einseitigen Positionierung, die sich von den Mainstreammedien in nichts mehr unterscheidet, insbesondere bei der Diffamierung all derjenigen, die sich immer lauter gegen die Beschränkungen der Grundrechte im Zusammenhang mit Covid-19 wenden, als Verschwörungstheoretiker, Querfrontler, Rechtsextreme o. ä.

    Daher mein konstruktiver und ernstgemeinter Vorschlag:

    Öffnet die junge Welt endlich für die notwendige, kritische, reflektierte, auch wissenschaftliche Debatte. Sprecht mit Persönlichkeiten, die für andere, regierungskritische Positionen stehen. Sprecht mit Prof. Püschel vom UKE Hamburg, Prof. Ioannidis von der Stanford University, Prof. Bhakdi von der Universität Mainz, Albrecht Müller von den Nachdenkseiten, Prof. Homburg von der Universität Hannover, Rechtsanwältin Jessica Hamed, Rechtsanwalt Professor David Jungbluth, Rechtsanwalt Rolf Gössner, um nur einige stellvertretend zu nennen. Gebt auch diesen ein Forum. Legt endlich den Grundstein für eine kritische, rationale Debatte in Sachen Covid-19 auch von links!
    • Beitrag von Hagen R. aus R. (11. Mai 2020 um 14:26 Uhr)
      Das kann man machen, dann aber bitte von beiden Seiten Leute einladen. Ein Prof. Püschel, der von jedem Deutschen die DNA speichern will, muss nicht unbedingt allein ein Forum erhalten.

      https://www.spiegel.de/panorama/justiz/klaus-pueschel-dna-codes-aller-menschen-in-deutschland-erfassen-a-1146775.html
  • Beitrag von Lutz H. aus B. (11. Mai 2020 um 14:27 Uhr)
    Liebe Redaktion,

    habt Ihr denn alle einen Spahn locker?

    Außer »Querfront«, »Coronaregeln« und »Mundnasenschutzbedeckung« habt Ihr nix anzubieten (auf das Wort muss man erst einmal kommen).

    Wollen wir uns jetzt gegenseitig die Querfront um die Ohren hauen (Ihr mit Söder, Merkel, Scholz und Co. in einem Topf). Ich hätte da auch was auf Lager: Untertanengeist, Obrigkeitshörigigkeit; wir kennen keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Deutsche ...

    Ich hätte bei der Demo gegen den Coronawahn dabeisein können. Und hätte mir dann Nazinähe von Euch vorwerfen lassen müssen? Äußerst übel so etwas. Warum haben wir Linken in der Coronafrage nicht die eindeutige Meinungsführerschaft?

    Ich erlebe Euch angstgetrieben (»Willst Du denn solche Bilder wie in Italien ...«). Dabei erwarte ich von Euch eine klare Analyse der realen Daten und besonders der nicht erhobenen. Und Raum für die große wissenschaftliche Kompetenz, die leider, wie in Eurer Querfront üblich, meinungstot gemacht wird.

    Als Psychotherapeut arbeite ich täglich mit den Opfern dieser pandemischen Hysterie. Existenzbedrohungen, Alkoholrückfälle, verstärkte Depressionen und eine tiefgehende Angst vor dem Leben. Und diese Angst hat jetzt einen Namen. Nein, nicht Kapitalismus. Sondern Corona.

    Und dagegen kann ich mir das Gefühl einer vermeintlichen Sicherheit durch noch so absurdes Handeln schaffen. Sagt auch unsere Obrigkeit wie Herr Ramelow. Und die sind mit ihren Experten auch allemal klüger als wir Untertanen: Mehl, Klopapier und verrotzte Lappen vorm Gesicht, dann kann ich meine Angst im Zaum halten. Und dafür darf auch aller Spaß am Leben ausgetrieben werden.

    2017 sind etwa 56.000 Menschen an psychischen und Verhaltensstörungen gestorben. Und was jetzt kommt an zusätzlichen psychischen Katastrophen: Das sind die wirklichen pandemischen Opfer.

    Lutz Haase, Bad Salzuflen
    • Beitrag von Hagen R. aus R. (11. Mai 2020 um 14:43 Uhr)
      Sie wünschen eine klare Analyse der nicht erhobenen Daten?

      Glauben Sie, dass es in Norditalien oder New York City um die psychische Gesundheit besser steht?
    • Beitrag von Ralf S. aus G. (11. Mai 2020 um 15:13 Uhr)
      »Wir kennen keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Deutsche ...«

      Dasselbe könnte man von den Linken behaupten, die wenig Probleme haben sich mit Rechten gegen die Obrigkeit zu verbünden. »Wir sind das Volk ist doch ein beliebter Schlachtruf auf diesen Veranstaltungen.

      »Ich hätte bei der Demo gegen den Coronawahn dabeisein können. Und hätte mir dann Nazinähe von Euch vorwerfen lassen müssen?«

      Wenn Sie neben Nazis demonstrieren, ja natürlich. Als Alternative böte sich an, eigene Demos anzumelden, auf denen ein klarer Trennstrich zu rechtsradikalen Idioten aller Art gezogen wird.

      »Als Psychotherapeut arbeite ich täglich mit den Opfern dieser pandemischen Hysterie. Existenzbedrohungen, Alkoholrückfälle, verstärkte Depressionen und eine tiefgehende Angst vor dem Leben. Und diese Angst hat jetzt einen Namen. Nein, nicht Kapitalismus. Sondern Corona.«

      Das ist interessant. Ich befinde mich in Psychotherapie, und mir geht es nicht schlechter in dieser sog. Krise, sogar ein bisschen besser, u. a. weil ich »dank« Corona derzeit nicht zum Jobcenter muss. Ich maße mir nicht an, Ihnen was in Sachen Psychologie erklären zu wollen, aber so ein bisschen laienpsychologisch gesprochen: Die Ängste, die viele Menschen sicher haben in dieser Krise, auch durch ökonomische Belastungen durch den Lockdown (trotz der vereinfachten Möglichkeit, ALG 2 zu beziehen), würde ich behaupten, sind durch die Krise nur verstärkt, aber im Kern alles Dinge, wo eben doch der Kapitalismus die Ursache ist. Würden wir in einer wahrhaft solidarischen Gesellschaft leben, in der Gesundheitsversorgung nicht nach Profit- und Marktlogik funktioniert, man sich sicher sein könnte, dass jeder geachtet und geschätzt wird, weil es eben nicht die armen Schlucker und die Privilegierten gibt (und die in der Mitte, die fleißig nach unten treten), ja dann hätten die Menschen womöglich ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen ins Gemeinwesen. Aber statt dessen hat der Irrsinn des Kapitalismus ganz andere Persönlichkeiten geprägt, die verinnerlichte Ellbogengesellschaft, die Paranoia (weil man glaubt, Menschen seien grundsätzlich egoistisch und schlecht und böse, weil wir ja gelernt haben, jeder Mensch verfolgt ausschließlich seinen eigenen Vorteil, weswegen jede Form von Sozialismus zum Scheitern verurteilt ist), all das führt nicht gerade zu einem Gefühl von Sicherheit oder Vertrauen in die Gesellschaft/Gemeinschaft und damit das Vertrauen auf solidarische Hilfe.
      • Beitrag von Lutz H. aus B. (11. Mai 2020 um 16:39 Uhr)
        Lieber Ralf,

        danke für die Antwort. Den letzten Absatz kann ich voll und ganz unterschreiben. Sehe ich genauso. Ich hab’ das in meinem Leserbrief wohl missverständlich ausgedrückt.

        Gruss

        Lutz Haase
  • Beitrag von Manfred G. aus H. (11. Mai 2020 um 15:39 Uhr)
    Corona ist im Augenblick wichtiger Teil der kapitalistischen Tagesordnung.

    Leider ist die junge Welt mittlerweile Teil dieser Tagesordnung.

    Statt über den politischen Hintergrund von Corona zu informieren, werden Menschen verunglimpft, die sich gegen Mainstream und Regierungspolitik wehren – Patrioten werden als Querfront und Verschwörungstheoretiker diffamiert, ganz im Sinne bürgerlich-kapitalistischer Apologeten.

    Politische Hauptaufgabe wäre es, Hintergrundinformationen zu liefern, die eindeutig beweisen, dass Corona von der Politik propagandistisch benutzt wird, um die Verursacher der Finanzkrise und Depression (Finanzkonzerne wie Blackrock) aus der Schusslinie zu nehmen.

    Es sind die Finanzkonzerne, die für die Krise verantwortlich sind, und nicht Corona.

    Die Linke ist schwach und völlig orientierungslos, weil sie von zwei bürgerlichen Linien beherrscht wird: 1. den neoliberalen faschistischen Antideutschen und 2. den humanistisch orientierten Besitzbürgern.

    Mit der Art und Weise eurer Berichterstattung helft Ihr den Finanzkonzernen, das »Coronapferd« zu reiten.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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