Gegründet 1947 Freitag, 30. Oktober 2020, Nr. 254
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 09.05.2020, Seite 16 / Aktion
Aufklärung statt Desinformation

Müllhaufen der Geschichte

Überall inszenieren sich Führer gegen die »Coronadiktatur«
Von Dietmar Koschmieder
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Das Coronavirus soll wahlweise ein »Fake« oder »nicht schlimmer als die Grippe« sein: »Hygienedemonstration« am 25. April in Berlin

Natürlich sind Einschränkungen im Rahmen der Maßnahmen gegen Corona ärgerlich und lästig. Natürlich sollte man misstrauisch sein, wenn der nach Kapitalinteressen organisierte Staat Grundrechte dramatisch einschränkt. Und tatsächlich verbinden sich im Moment Wirtschaftskrise und Coronakrise zu einer Melange, bei der noch deutlicher wird, dass der Kapitalismus nicht mehr zeitgemäß ist.

Aber es gibt dieses gefährliche Coronavirus. Gerade weil eines der wichtigsten Grundrechte das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist (Artikel 2 Grundgesetz), sollte dem Schutz der Schwächsten und am meisten Gefährdeten die größte Sorgfalt zukommen, haben alle anderen Rücksicht zu üben. Das bedeutet, dass der bürgerlich-demokratische Staat handeln muss, wenn er wenigstens etwas von seinen Pflichten ernst nimmt und sich nicht völlig dem Kapitaldiktat unterwirft.

Diverse Kräfte nutzen die vertrackte Situation für ihre Zwecke. Unmut und Angst vieler Bürger (und Kleinbürger) können den Aufbau neuer Bewegungen befördern, ja sogar die Gründung neuer Parteien wird vorbereitet. Organisierte rechte Kreise werben für ihre Idee, dem scheinbar maroden bürgerlich-demokratischen System ihre menschenverachtende, rassistische Variante eines anderen (aber nicht weniger kapitalistischen) Staates überzustülpen. Für alle diese Erscheinungen stehen in den jeweiligen Bürger- und Kapitalfraktionen Geldgeber zur Verfügung. Bis hin zu jenen, die es vorziehen, einen neuen Faschismus zu finanzieren, bevor womöglich sozialistische Alternativen für viele attraktiv werden oder sich gar durchsetzen.

Während die augenblicklichen Wortführer der Hygienedemos, der Berliner Anselm Lenz und seine Freunde, noch immer jeden Samstag mit dem Grundgesetz wedeln (»Etwas Schlechteres woll’n wa nich«), werden sie eifrig von diversen Bloggern wie etwa Ken Jebsen und ihren Sendekanälen umschmeichelt. Jebsen (KenFM) war schon vor Jahren dem deutschnationalen Jürgen Elsässer bei der Installation seiner Ultrarechtspostille Compact zu Diensten. Ausgerechnet jener Compact-Elsässer wiederum sieht heute die große Stunde für sich nahen und wirbt für seine eigene bundesweite Demo gegen die »Coronadiktatur« und die angeblich von Bill Gates finanzierte WHO – nicht zufällig mit Argumenten, wie sie auch auf allen lokalen Hygienedemos zu hören sind. Wäre ja gelacht, wenn man aus der Angst und Wut vieler nicht ordentlich Kapital schlagen und Honig für die eigenen Ziele saugen könnte – an der notwendigen Penunze scheitern weder Lenz, Jebsen noch Elsässer. Aber auch andere selbsternannte Führer aus rechten Milieus von AfD bis NPD merken landauf, landab, dass hier noch was zu holen ist. Zwar wird in den großen bürgerlichen Medien vor allem über die Demos in Berlin oder Stuttgart berichtet, aber es gibt mittlerweile wohl keine größere Stadt mehr im Lande, in der nicht spezielle Hygienedemos stattfinden. So etwa in Ravensburg, wo der rechte Flügel der AfD den Ton angibt. Oder in Offenburg, wo laut Lokalpresse ein Unternehmer die Führung übernommen hat und am letzten Samstag rechte AfDler nur eine Randerscheinung gewesen seien. Was die anderen 300 Teilnehmenden aber auch nicht davon abgehalten hat, zum Abschluss der Kundgebung das Deutschlandlied zu singen.

Bürgerliche Medien wenden sich mit Abscheu von diesen Erscheinungen ab – und nutzen sie gleichzeitig für ihre Zwecke. Zum Beispiel, um die Mär zu verbreiten, hier würden sich Links- und Rechtsradikale zusammentun, um die bürgerliche Demokratie zu schädigen. Und immer wieder wird angedeutet, dass die junge Welt etwas mit dieser Bewegung zu tun haben könnte. Am Dienstag dieser Woche lud der ZDF-Moderator Markus Lanz unter anderem den Journalisten Olaf Sundermeyer in seine Gesprächsrunde ein, um dort mit ihm die üblichen Stanzen loszulassen. Zu Beginn der Demos seien, meint Sundermeyer, die Organisatoren Leute aus dem linksintellektuellen Milieu gewesen, »Autoren bei der Taz oder bei der jungen Welt«, wie er – ohne Namen zu nennen – betont, um dann fortzufahren, das seien »Leute, die aber unmittelbar anschlussfähig sind an das Milieu von Verschwörungstheoretikern, Russland-Verstehern, mit ’nem sehr starken antisemitischen Einschlag auch ...«, was dann von Lanz mit dem Einwurf »Ja, die Familie Rothschild und so ...« bestärkt wird. Und natürlich seien diese »Autoren« anschlussfähig auch an den »rechtsextremistischen Flügel der AfD«. Dabei haben weder Russland noch die Rothschilds bei den Demos bisher eine Rolle gespielt. Und wie so oft wird die junge Welt nur dann in den Medien erwähnt, wenn man ihr Schlechtes unterstellen will. Dass die Zusammenarbeit der jW mit dem Wortführer der Hygienies schon lange vor der Coronakrise beendet wurde und dass die junge Welt von Anfang an diese Hygienedemos scharf kritisiert hat, wird weggelassen. Damit es besser in das konstruierte Links-gleich-rechts-Schema passt.

Seriöser bürgerlicher Journalismus geht anders. Denn auch der müsste der Aufklärung und nicht der Desinformation dienen. Es sind eben nicht nur rechte Organisationen und Unbedarfte, die zur Verwirrung beitragen. Dies soll auch unter Leserinnen und Lesern der jW zu Unsicherheiten führen. junge Welt aber wird nicht locker lassen, darüber aufzuklären, wohin Faschisten, ihre Handlanger, aber auch das kapitalistische System als Ganzes gehören: auf den Müllhaufen der Geschichte!

Unverzichtbar!

»Die junge Welt ist unverzichtbar, wenn ich meinen Kindern die Welt erklären will – Stefan Köpke, Dresden

Eine prinzipienfeste, radikal kritische Tageszeitung ist durch nichts zu ersetzen für all diejenigen, die dem real existierenden Kapitalismus und Faschisten etwas entgegensetzen wollen.

Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme!

Debatte

  • Beitrag von Matthias G. aus G. ( 8. Mai 2020 um 22:03 Uhr)
    Das ist doch mal ein Wort: Ein Hoch auf die »Pflichten« des bürgerlich-demokratischen Staates, der handelt, wenn er »handeln muss, wenn er wenigstens etwas von seinen Pflichten ernst nimmt und sich nicht völlig dem Kapitaldiktat unterwirft«. Außerdem: »Seriöser bürgerlicher Journalismus geht anders. Denn auch der müsste der Aufklärung und nicht der Desinformation dienen.« Das gilt allerdings auch für seriösen linken Journalismus. Ein informativer Artikel zur Bekämpfung des »Coronavirus« in Vietnam erschien heute ausgerechnet beim »Feindsender« KenFM (der laut jW-Standards weder »seriös bürgerlich« noch links ist): kenfm.de/tagesdosis-8-5-2019-corona-erfolgsgeschichte-vietnam/.
    • Beitrag von Ralf S. aus G. (10. Mai 2020 um 17:06 Uhr)
      Jaja, Querfront und so. Gott sei Dank wissen die meisten, die sich für links halten, wie KenFM einzuornden ist, und sind Gott sei Dank verbohrt genug sich aus Prinzip mit nichts abzugeben, was aus der Ecke kommt. Aber Danke für den Hinweis...
  • Beitrag von Berthold B. aus P. ( 8. Mai 2020 um 22:33 Uhr)
    Herr Koschmieder lernt es nicht mehr.
  • Beitrag von Hagen R. aus R. ( 9. Mai 2020 um 11:39 Uhr)
    Mein Respekt an jW, dass ihr hier eine klare Linie verfolgt und nicht auf die Mär vom harmlosen Coronavirus aufspringt!

    Es sind ja tückischerweise unter den auf »alternativen Quellen« vorgebrachten Argumenten viele, für sich genommen, wahr, darunter auch solche, die in bürgerlichen Medien gerne beschwiegen werden. Eine wirksame und kostengünstige Gesunderhaltung der Bevölkerung steht z. B. natürlich in systematischem Gegensatz zu den Profitinteressen mächtiger privatwirtschaftlicher Pharmakonzerne, deren Kapitalmacht zu unheilvollem Einfluss auf Gesundheitspolitik geradezu einlädt. Dieser Gegensatz ist ohne Verstaatlichung der Pharmaforschung auch nicht zu beseitigen.

    Leider ist die aus den Argumenten gezogene Schlussfolgerung, das Coronavirus sei relativ harmlos, eben trotzdem falsch. Während dies am Anfang vielleicht noch nicht so klar war, zeigt doch mittlerweile ein Blick auf andere Länder dies sehr deutlich. Nur ein national auf Deutschland verengter Blick kann einen noch an die Harmlosigkeit von Covid-19 glauben lassen.

    Vielleicht könntet ihr daher auch mal Interviews bringen mit z. B. Pflegenden aus international besonders betroffenen Regionen, die ihre persönlichen Erfahrungen schildern? So was findet man natürlich in bürgerlichen Medien, aber in jW hätte es aufgrund eurer Unabhängigkeit von Kapitalinteressen mehr Gewicht.
  • Beitrag von Friedhelm K. aus L. ( 9. Mai 2020 um 11:46 Uhr)
    Irgend etwas scheint schiefzulaufen in der Redaktion, statt sich mit KenFM und anderen angeblichen Verschwörungstheoritikern zu beschäftigen, und das zum wiederholten Mal, könnten die knappen Mittel der Zeitung sicherlich für eine seriösere Berichterstattung verwendet werden, z. B. über die Auswirkungen der Krise auf die Zukunft und wie man sich dagegen wehren kann. Mir macht der fehlende Widerstand der »linken Kräfte« in diesem Land angesichts der Krise jedenfalls ernsthafte Sorgen, und zwar unabhängig von der Gefährlichkeit des Virus. Ich stelle mir schon die Frage, ob ich diese Form Journalismus weiter finanziell unterstützen will, das kann ich auch in der »Tagesschau« gucken.
  • Beitrag von Thomas S. aus O. ( 9. Mai 2020 um 18:09 Uhr)
    Bei der Diskussion geht es im Grunde um zwei entgegengesetzte Narrative.

    1. Das »Gefährlichkeits«-Narrativ, gestützt auf die Expertisen der WHO und der jeweiligen Expertengremien der Nationen.

    2. »Das Grippe-Vergleich«-Narrativ, gestützt auf die Analysen und Aussagen einer ganzen Reihe namhafter Wissenschaftler.

    Die jW folgt ersterem und lobt das Handeln des bürgerlich-demokratischen Staates, indem diesem als Motiv der Schutz der Schwächsten unterstellt bzw. geglaubt wird.

    Meine Frage ist nun: Hat die jW die Stimmen der Wissenschaftler des zweiten Narratives zur Kenntnis genommen (Bhakdi, Wodarg, Ioannidis, Höckerts, Mölling …), und wenn ja: Aufgrund welcher Argumente (epistemologischer, theoretischer oder empirischer Art) wurden deren Einwendungen verworfen? Könntet ihr mir evtl. Quellen zur Verfügung stellen?

    Übrigens: Auch der Vorgänger von Herrn Prof. Drosten widerspricht dessen politisch einflussreichen Einschätzungen:

    https://de.sputniknews.com/interviews/20200425326953541-corona-gefahr-virologe/

    Anmerkung: Bill Gates finanziert die WHO nicht nur »angeblich«. Die WHO wird gegenwärtig zu 80 Prozent durch zweckgebundene private Gelder finanziert. Die Bill and Melinda Gates Foundation ist mit 14 Prozent der größte Finanzier.

    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-03/who-unabhaengigkeit-bill-gates-film

    Nun denn: Möge uns die zweite, dritte und 17. Welle verschonen bzw. nur in den statistikgestählten Hirnen der Regierungsvirologen stattfinden, damit wir tatkräftig als Müllentsorger an der Abwrackung des kapitalistischen Systems mitwirken können.

    Rote Grüße, ein verunsicherter Leser ;)
    • Beitrag von Hagen R. aus R. (10. Mai 2020 um 00:27 Uhr)
      Die Frage ist doch, wie viele Tote gäbe es, wenn man das Virus nicht eindämmt?

      Meine Abschätzung geht so: Der Landkreis Tirschenreuth hat 102 Coronatote und 73.000 Einwohner. Wenn ganz Deutschland (83 Millionen Einwohner) also den gleichen Durchseuchungsgrad wie Tirschenreuth erreicht, ist mit 116.000 Toten zu rechnen.

      Beim jetzigen Durchseuchungsgrad des Großraums Stockholm (1.600 Tote auf 2,3 Millionen Einwohner) wären es immerhin 58.000 Tote – also mehr als doppelt so viele wie im besonders schweren Influenzajahr mit 25.000 Toten.

      Bei weiteren Coronatoten in diesen beiden Regionen würde sich die Schätzung für Deutschland entsprechend nach oben korrigieren.
      • Beitrag von Thomas S. aus O. (10. Mai 2020 um 12:30 Uhr)
        Schweden (ohne Lockdown) steht wesentlich schlechter da als die BRD – aber besser als z. B. Italien und Spanien, die einen strengen Lockdown hatten. Es scheint sehr komplex zu sein. Es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, bis alles einigermaßen die nötige Evaluationsreife hat.

        Wohlan.
  • Beitrag von Dirk S. aus B. ( 9. Mai 2020 um 19:35 Uhr)
    Covid19 gefährlich? Rein statistisch haben wir in Deutschland im März und April - da nicht mehr Tote als in Vorjahren - von 2500 Sterbenden pro Tag 120 davon mittels eines nicht validierten Test's zu Corona-Toten erklärt. Von einem Killervirus hatte ich immer eine andere Vorstellung. Wir hatten eine Rechtschreibreform - keine Mathereform! Wenn selbst der Deutschlandfunk titelt: „Was gesund ist, bestimmt Bill Gates“ kann ich von meiner linken Tageszeitung erwarten, mehr zu erfahren wer da von der künstlich erzeugten Panik profitiert und wer dahinter steckt.
  • Beitrag von johannes k. aus w. ( 9. Mai 2020 um 22:29 Uhr)
    »Ich bin fassungslos ...« – so hat einer der offenbar mittlerweile gelöschten Leserkommentare zu diesem Artikel begonnen ... Ich möchte auch so beginnen, mich aber kurzhalten, zumal ich ja damit rechnen muss, dass man mit meinem Beitrag gleich verfährt ... Ich bin fassungslos, dass sich die jW in der Sache Corona offenbar in einer »Burgfriedenspolitik« gegenüber Regierung und bürgerlicher Presse befindet und diesbezüglich sogar soweit geht, Kritik an grundgesetzwidrigen bzw. -gefährdenden Maßnahmen (Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverboten, geplanter Zwangsimpfung, Überwachung etc.) sowie dem fahrlässigen An-die-Wand-Fahren der Wirtschaft mit den unabschätzbaren sozialen und ökonomischen Folgen und der im Hintergrund anlaufenden massiven Kapitalverschiebung zu Konzernen, Banken und Großkapital pauschal als »rechts« zu diffamieren. Gerade Sie, Herr Koschmieder, sollten ja wissen, dass dieses perfide »Stilmittel« der »herrschenden Klasse« auch gegen Ihre Zeitung, deren Abonnent und Unterstützer ich (noch) bin, in Form des »Antisemitismusvorwurfs« verwendet wurde, um sie (die jW) zu diskreditieren und letztendlich zum Schweigen zu bringen. Ja, ich bin fassungslos, dass Sie jetzt – in der Angelegenheit »Corona« – gleich agieren wie die Verleumder auf der anderen seite, die dafür immerhin entlohnt werden ...
    • Beitrag von Ralf S. aus G. (10. Mai 2020 um 17:26 Uhr)
      Es gab auch in der JW zahlreiche Artikel, die sich kritisch mit Grundrechtseinschränkungen beschäftigt haben, aber, und das find ich gut, es wird ein klarer Trennstrich zu den rechten "Systemgegnern" gezogen und damit wird gezeigt, dass die JW sich klar gegen irgendwelche defacto Querfront-Erscheinungen stellt.

      "... sowie dem fahrlässigen An-die-Wand-Fahren der Wirtschaft mit den unabschätzbaren sozialen und ökonomischen Folgen und der im Hintergrund anlaufenden massiven Kapitalverschiebung zu Konzernen, Banken und Großkapital pauschal als »rechts« zu diffamieren."

      1. Faszinierend, dass sie sich um die deutsche Wirtschaft sorgen. Dass die Maßnahmen soziale Folgen haben werden, wurde in der JW oft genug erwähnt und auch der Klassenstandpunkt deutlich vertreten, nämlich, dass es am Ende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die untere Hälfte der Bevölkerung sein wird, die die Zeche zahlen, so läuft dieses System halt.

      2. Nirgends im Artikel wurde Kritik an den Maßnahmen pauschal als rechts diffamiert. Aber ganz gewiss ist nicht jede Kritik an den Maßnahmen gut und geboten, nur weil es gegen "das System", "den Kapitalismus", "die Regierung (aka "Merkel-Regime") geht, denn in die Richtung argumentieren auch schon immer unsere Feinde von Rechts. Nur dachte ich, würden die meisten Linken das schnallen, was man davon halten kann, wenn sich Rechte dran machen die Interessen "des Volkes" zu vertreten...

      Sie sehen die JW in einem Burgfrieden mit der Regierung? Manch ein Linker scheint mir als befinde er sich in einem Burgfrieden (oder schlimmerem) mit rechten "Systemgegnern"
  • Beitrag von Steffen P. aus H. (10. Mai 2020 um 10:23 Uhr)
    Es ist entsetzlich, wie Ihr Euch vor Gesslers Hut (Wilhelm Tell) verneigt, gefangen in der Angst vor dem Virus. Sinnfreie Zwangmaßnahmen für unsere Gesundheit, als ob unsere Neoliberalen das je interessiert hätte. Resetet doch mal und schaut Euch mal alles an, was hier im Hintergrund läuft, nicht dass wir in einem autoritären Staat weder aufwachen. »Faschützmus« wäre wohl ein passender Begriff.

    Wenn die Lebensmittelproduktion einbricht durch diese Krise, gibt es Millionen Tote auf der Welt. Das ist Krieg gegen Arme.
    • Beitrag der jW-Redaktion (10. Mai 2020 um 14:48 Uhr)
      Liebe Leser! Wir haben durchaus eine Haltung, die sich von den bürgerlichen Medien unterscheidet. Auch wollen wir durch Fakten widerlegte oder auch schlicht widersinnige Thesen nicht weiterverbreiten. Wir bitten Sie, sehr wohl strikte Vorsichtsmaßnahmen in Sachen »Corona« zu befolgen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet – zu Ihrer eigenen Sicherheit! (jt, Leserbriefe)
    • Beitrag von Ralf S. aus G. (10. Mai 2020 um 17:43 Uhr)
      Die Neoliberalen hat die Gesundheit freilich interessiert. Natürlich nie aus humanistischen Erwägungen, sondern aus schlichten Notwendigkeiten. Als z.B. soziale Reformen zugelassen wurden, weil es halt auch für das kapitalistische Abpressen vom Mehrwert abträglich ist, wenn die Arbeiter aufgrund katastrophaler Arbeitsbedingungen verrecken, bzw. sich die Bedingungen so stark verschlechtern, dass eine Mehrheit der Lohnabhängigen womöglich zum Aufstand bereit ist, also wird nachgegeben, nicht weil man sich um das Wohl der Menschen sorgt, sondern weil man sich um die eigenen Profite bzw. das ganze Wirtschaftssystem sorgt.

      Und ähnlich ist es jetzt, natürlich geht es den Befürwortern von rechts bzw. "bürgerlichen" in erster Linie um den Schutz des Systems, weil wenn eine Pandemie die Bevölkerung befällt (aka Arbeitnehmer und Konsumenten), ist das halt nicht gut fürs Profite machen, daher ist man bereit das kleinere Übel (Lockdown etc.) in Kauf zu nehmen. Bis vor kurzem jedenfalls, jetzt geht ja wieder alles in die andere Richtung, was Leute wie Sie doch begrüßen müssten.

      Es ist mir schleierhaft wer von den "Zwangsmaßnahmen" denn profitieren sollte.

      "Wenn die Lebensmittelproduktion einbricht durch diese Krise, gibt es Millionen Tote auf der Welt."

      Ja nun, eine Pandemie, die ausser Kontrolle gerät, hätte auch unabsehbare Folgen für die Versorgung (und für die direkt Betroffenen). Es sei denn natürlich man ist schon felsenfest davon überzeugt, dass Covid-19 letztlich nichts anderes als eine Grippe ist, dann fällt die Abwägung natürlich leicht.
  • Beitrag von Ralf S. aus G. (10. Mai 2020 um 18:06 Uhr)
    Ja, es ist wirklich unerträglich, wie Bürgerliche (Politiker/Journalisten) hier wieder mit dem Hufeisen daherkommen und entweder allgemein von "Radikalen" und "Extremisten" sprechen, oder explizit links und rechts gleichsetzen. Andererseits, alles andere wäre auch extrem überraschend. Und trotzdem, wenn dann konkret über diese Demos berichtet wird, zeigt sich, dass es meist doch wohl fast nur Rechte sind (und "Unpolitische", die sich mit Rechten gemein machen). Allein das Absingen der Nationalhymne oder das obligatorische und im Prinzip antikommunistische "Wir sind das Volk"-Gejaule...

    Womöglich auch, weil Linke, die nicht völlig auf den Kopf gefallen sind, spätestens nach der ersten Demo gemerkt haben, zu wem sie sich da gesellen und dann diesen Demos in der Folge fern blieben. Es ist tragisch, denn dadurch haben die Rechten die meisten Demos gegen die Corona-Maßnahmen, die man vernünftigerweise auch mit linken Argumenten kritisieren kann, erfolgreich gekapert.

    "Seriöser bürgerlicher Journalismus geht anders. Denn auch der müsste der Aufklärung und nicht der Desinformation dienen."

    Ja. Aber erwarten Sie da wirklich besseres? Ich meine klar, man sollte den Anspruch nicht aufgeben, aber gerade wer die journalistische Verarbeitung von Themen, die Russland, China, Sozialismus/Kommunismus usw. betreffen, verfolgt, weiß doch was von bürgerlichem Journalismus zu erwarten ist.

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