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Aus: Ausgabe vom 30.04.2020, Seite 6 / Ausland
Nepal

Nepal in der Pandemie

Lockdown zur Eindämmung des Coronavirus verlängert. Erhebliche soziale Konsequenzen der Krise
Von Thomas Berger
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Hat mit Romantik nichts zu tun: Ausgangssperre in Kathmandu (7.4.2020)

Die Linksregierung in Nepal hat sehr früh und konsequent auf eine mögliche Ausbreitung der Coronaviruspandemie in dem Land reagiert. Am Montag abend hat der Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, in einem Telefongespräch mit Präsidentin Bidhya Devi Bhandari Nepal erneut seine Unterstützung im Kampf gegen Covid-19 zugesagt, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Die »internationale Gemeinschaft« brauche mehr denn je »Solidarität und Kooperation«, sagte Xi.

Bereits am Sonntag hatte Nepal die Maßnahmen zum nationalen Lockdown infolge der Coronapandemie zunächst bis mindestens zum 7. Mai verlängert. Am Samstag wurde die Aussetzung internationaler und nationaler Flüge bis zum 15. Mai verlängert. Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht seit einer dementsprechenden Anordnung bereits seit dem 24. März still. Laut den offiziellen Zahlen gibt es in dem Land bislang nur 57 Infektionen, wie Medien am Mittwoch berichteten.

Das soll auch vorerst so bleiben: Premierminister und Kovorsitzender der Nepalesischen Kommunistischen Partei (NCP), Khadga Prasad Sharma Oli, verwies in den vergangenen Wochen wiederholt auf die steigende Zahl der Erkrankungen im Nachbarland Indien, wo es inzwischen mehr als 30.000 Fälle gibt, weshalb beispielsweise die Landesgrenze konsequent geschlossen bleibt. Allerdings sind davon auch wichtige Handelswege betroffen. Die Importe bleiben teilweise aus.

Aber auch in Nepal selbst sind die Geschäfte zum Erliegen gekommen, Produkte verknappen sich, die Preise für lebensnotwendige Güter steigen an. Auf der anderen Seite bleiben viele auf ihren Erzeugnissen sitzen. Besonders hart hat es die Hühnerfarmen getroffen, wie die Kathmandu Post am Dienstag berichtete. Seit Beginn des Lockdowns wurden in den Brutstätten täglich rund 45.000 Eier vernichtet, weil ihre Abnehmer, die Farmen, die Hühner nicht mehr loswerden.

Auch das Gastgewerbe und der Tourismussektor, Rückgrat der Wirtschaft des Landes, kämpfen ums Überleben. Allein rund um die Zentren Kathmandu, Pokhara und Chitwan beschäftigen die oft kleinen Hotels und Restaurants 50.000 bis 60.000 Menschen. Sie stehen nun ganz ohne Einkünfte da. Aber großangelegte Hilfsprogramme konnte die NCP-Regierung derzeit noch nicht auf den Weg bringen: Es fehlt ihr schlicht an den finanziellen Mitteln.

Verschärft wird die Situation noch dadurch, dass durch die Coronakrise auch die wichtigen Heimatüberweisungen der nepalesischen Arbeitsmigranten in den Golfstaaten wegzubrechen drohen. Nicht zuletzt darum, weil die Wanderarbeiter dort den Großteil der an Covid-19 Erkrankten ausmachen. Allein in Saudi-Arabien betreffen nach offiziellen Angaben 70 bis 80 Prozent der in jüngster Zeit nachgewiesenen Infektionsfälle Ausländer, wie die Nachrichtenagentur AFP am Montag meldete. In ihren Unterkünften verbreite sich das Virus in hoher Geschwindigkeit.

Derweil kämpft die NCP mit internen Querelen. Anfang der Woche hatte sich die Situation zugespitzt, laut Medienberichten vom Mittwoch ist nicht mal eine Spaltung der Partei ausgeschlossen.

Es ist fast genau fünf Jahre her, dass Nepal von schweren Erdbeben erschüttert wurde. Sie kosteten fast 9.000 Menschen das Leben, 2,8 Millionen wurden zeitweise obdachlos. Die Coronakrise trifft ein Land, das seither immer noch nicht komplett wieder aufgebaut werden konnte.

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