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Aus: Ausgabe vom 20.04.2020, Seite 12 / Thema
Soziale Bewegung in Mexiko

Digitale Rebellen

Die Zapatisten in Mexiko nutzen Wissenschaft und digitale Medien für ihren Widerstand. Dies zeigt sich auch in der Coronakrise
Von Raina Zimmering
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Richtig demonstrieren in Coronazeiten: Zapatista-Frauen beteiligen sich an einem Protest am 8. März 2020. Für den 18. April lud die EZLN außerdem zu einem virtuellen Frauentreffen zum Thema häusliche Gewalt ein

Der Ejército Zapatista de Liberación Nacional, kurz EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) schloss am 16. März 2020 wegen der Gefahr durch das Coronavirus die autonom regierten Gemeinden im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. In ihrer Deklaration schrieben die Zapatisten, dass sie die »wissenschaftlich erwiesene Bedrohung des menschlichen Lebens«¹ anerkennen und sich darauf vorbereiten. Gleichzeitig kritisierten sie die Regierungen dafür, das Virus auszunutzen, um politische Konflikte auszutragen, und bemängelten, dass »jegliche wahrheitsgetreue und angemessene Information über die Tragweite und Schwere der Ansteckung« fehle. Diese Herangehensweise ist charakteristisch für die Zapatisten: Sie akzeptieren einerseits wissenschaftliche Erkenntnisse und kritisieren andererseits ihre politische Instrumentalisierung und falsche Umsetzung. Darüber hinaus verbinden sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit ihrem Kampf gegen das neoliberale sozioökonomische System. Wissenschaft und Systembekämpfung sind im Selbstverständnis der Zapatisten untrennbar miteinander verknüpft.

Anders als die meisten Regierungen der Welt, die Corona mit Einschränkungen der sozialen Kontakte bekämpfen wollen, rufen die Zapatisten in Chiapas die Ausgeschlossenen (oder besser »Eingeschlossenen«) dazu auf, ihre »menschlichen Kontakte nicht zu verlieren« und ermutigen zur Fortsetzung der sozialen Kämpfe gegen Ausbeutung und Femizide (Frauenmorde). Für die Ermordeten, Eingesperrten und im Kampf Verschwundenen soll die Verteidigung von Land und »Madre Tierra« (Mutter Erde) aufrechterhalten werden, wie das »Geheime Revolutionäre Indigene Komitee«, die Generalkommandantur der EZLN, in dem Kommuniqué vom 16. März forderte.

Angesichts der Tatsache, dass die Zapatisten ihre Gemeinden abriegelten, erscheint die Aufforderung an die Menschen in Mexiko und der ganzen Welt, Kontakte beizubehalten und den Kampf fortzusetzen, als Widerspruch. Doch löst sich dieser Widerspruch schnell auf, wenn man den zapatistischen Aufruf weiter verfolgt: Die EZLN erklärt, dass Kontaktaufnahme und Widerstand auf vielfältige Weise hergestellt bzw. geführt werden können und daher auch angesichts der Virusgefahr nicht aufgegeben werden müssen. So heißt es in der Deklaration: »Das Wort und das Zuhören – mit dem Herzen – geht viele Wege, hat viele Formen, beinhaltet viele Kalender und Geographien – um sich zu treffen, sich zu finden.«

Es ist die Frage, was die Zapatisten unter diesen »vielen Wegen« und »vielen Formen« verstehen, die »viele Kalender und Geographien« (im Sinne von Zeiten und Orte) beinhalten. Diese Frage muss im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Organisation der zapatistischen Gemeinden, ihrer Haltung zu den Wissenschaften und der Digitalisierung beantwortet werden.

Die Zapatisten

Die Zapatisten in Mexiko sind eine aufständische Gruppe von überwiegend Indigenen, die sich 1994 gegen die neoliberale und neokoloniale Politik der Regierung erhoben und einen alternativen autonomen Raum geschaffen haben, der durch Selbstverwaltung, Basisdemokratie, kollektives Eigentum und Verteilung, durch Gendergerechtigkeit und einen nachhaltigen Umgang mit der Natur geprägt ist. Die Zapatisten haben sich nach dem Aufstand innerhalb kürzester Zeit digital vernetzt. So konnten die Geschichten über den EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos und Informationen über ihre basisdemokratische Organisationsweise verbreitet werden. Damit gelang eine transnationale Vernetzung mit anderen emanzipatorischen Bewegungen und NGOs in Mexiko und auf der ganzen Welt. Sie sind als emanzipatorische Bewegung von ihren Organisationsformen und ihren Zielen her Vorbild für viele transnationale soziale Bewegungen geworden, wie die Antiglobalisierungsbewegung, die Gegengipfel gegen die G-20-Treffen, Anonymous, »­Reclaim the Streets«, das São-Paulo-Forum u. v. m.

Die Wissenschaftsrezeption

Obwohl die Zapatisten überwiegend Menschen indigener Herkunft sind, die vom gesellschaftlichen Leben in Mexiko weitgehend ausgeschlossen sind und deren Handeln zum großen Teil auf tradiertem Erfahrungswissen beruht, besteht großes Interesse an den Wissenschaften als Form der Objektivierung von Welterkenntnis, die sie mit der anderen Form des Erfahrungswissens verbinden wollen. Subcomandante Galeano, der ehemalige Sprecher und Oberkommandierende der EZLN, der bis 2014 den Namen Subcomandante Marcos trug, nennt das Wissen, das in den zapatistischen Gemeinden kommuniziert wird, »Alchemie« und stellt diese in einen Gegensatz zur »Pseudowissenschaft« in der kapitalistischen Gesellschaft.

Auf der internationalen Wissenschaftstagung »Conciencias por la Humanidad« (Wissenschaften für die Menschheit) 2017 in Chiapas sagte er, dass die »Alchemie« zur Wissenschaft strebt und im »Unterschied zu den Pseudowissenschaften im Grunde keine Mischung aus Wahrheiten und aus Plattitüden bestehendem Wissen erschafft. Die Pseudowissenschaft (…) nähert sich nicht an die Wissenschaft an, sondern entfernt sich von ihr und verwandelt sie in ihren ärgsten Feind und mit dem größtem Sendungserfolg in eine Krise; sie stellt keine alternative Erklärung der Realität dar (wie das eine Religion tut), sondern ein ›Argument‹, das das wissenschaftliche Denken ersetzt, (…) und die wichtigste Schlacht in einer Mediengesellschaft gewinnt: die um Popularität. Die Pseudowissenschaft strebt nicht nach dem Argument des Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe, sondern bietet eine Erklärung mit logischer Struktur, die den Verstand ›hinters Licht führt‹. Der einfache Sinn: Die Pseudowissenschaft ist ein Betrug, ist Quacksalberei, die in der Akademie reichlich vorhanden ist. Die Alchemie, auf der anderen Seite, zielt darauf ab sich zu befreien, ›sich zu heilen‹, ›sich zu säubern‹ von den Parasiten, welche die unwissenschaftlichen Elemente sind.«²

Die Botschaft des Subcomandante Galeano ist, dass die Wissenschaft im Kapitalismus, also die »Pseudowissenschaft«, nur sehr eingeschränkt in der Lage ist, die Welt zu erklären, da sie Herrschaftswissen verkörpert. Die Zapatisten hingegen bemühen sich innerhalb einer alternativen gesellschaftlichen Organisation, die ein gutes Leben für alle und einen nachhaltigen Umgang mit der Natur in den Mittelpunkt stellt, ihre bisher hauptsächlich auf Erfahrungswissen und mythischen Erklärungsmustern basierende Sicht auf Welt zu verwissenschaftlichen.

Durch internationale Treffen wie die erwähnte »Conciencias por la Humanidad« wollen die Zapatisten wissenschaftliche Erkenntnisse kennenlernen und verstehen und gleichzeitig die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Kontextualisierung und Nutzbarmachung für die Menschen diskutieren. Sie meinen, dass die Wissenschaften nur in einer gerechten Gesellschaft einen langfristigen Erfolg für die Menschen bringen, dass kapitalistische Verhältnisse und die Unterordnung wissenschaftlicher Forschung unter Marktmechanismen wissenschaftsfeindlich sind. Die antikapitalistische Stoßrichtung der Zapatisten kommt in einem anderen Zitat von Galeano aus dem Jahr 2018 klar zum Ausdruck:

»Was wir also auf Weltebene sehen ist eine Raubtierökonomie. Das kapitalistische System schreitet wacker voran bei der Eroberung von Territorien und zerstört, wo es nur kann. Gleichzeitig gibt es eine Verherrlichung des Konsums. (…) In der Realität verstecken sich hinter dieser Konsumverherrlichung eine brutale Ausbeutung und eine grausame Beraubung der Menschheit, was bei der modernen Warenproduktion nicht sofort sichtbar wird. (…) Die Maschine, die komplett automatisiert und ohne dass eine menschliche Hand eingreift, Computer oder Handys produziert, wird nicht durch den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt aufrechterhalten, sondern durch die Plünderung der Naturvorkommen (die notwendige Zerstörung/Entvölkerung und Wiederaufbau/Neuordnung von Territorien) und durch die unmenschliche Versklavung von Tausenden winzigen, kleinen und mittleren Zellen der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. (…) In seiner Entwicklung ›entdeckt‹ das System, dass neue Waren auftauchten, und diese neuen Waren befinden sich auf dem Territorium der Ursprungsvölker: Wasser, Boden, Luft, Biodiversität; alles, was noch nicht zerstört und verstümmelt ist, befindet sich auf dem Territorium der Originalvölker und darüber fallen sie her. Wenn das System neue Märkte sucht (und erobert), dann sind das nicht nur Märkte für den Konsum, für den Kauf und Verkauf von Waren; auch und vor allem sucht es und versucht es die Eroberung von Territorien und Völkern.«³

Diese Analyse des zerstörerischen Potentials der kapitalistischen Wissenschaft und Technologie erweitert die Analyse von Karl Marx auf aktuelle, insbesondere ökologische Aspekte des kapitalistischen Systems: die Ausbeutung der Ressourcen der »Territorien der Ursprungsvölker« (»Pueblos Originarios«) wie »Wasser, Boden, Luft und Biodiversität«. Gegen dieses Vorgehen erhoben sich die betroffenen Völker, zu denen sich auch die Zapatisten zählen, sagt Galeano: »Aber wenn wir nach unten schauen (…) sehen wir Rebellionen und Widerstände.«

»Cyberguerilla«?

Die aufgeschlossene Einstellung gegenüber der Wissenschaft zeigt sich bei den Zapatisten auch in dem intensiven Gebrauch digitaler Medien, die sie für ihre Ziele nutzen, ohne die damit verbundenen Gefahren aus den Augen zu verlieren. Oftmals wird auf die EZLN der Begriff »Cyberguerilla« angewendet, doch Zapatisten hacken keine digitalen Netzwerke, sondern bauten selbst sehr früh eigene digitale Netzwerke auf und benutzen diese als Instrument in ihrem Kampf für eine alternative Gesellschaft, was den Begriff »erste Informationsguerilla« des spanischen Soziologen Castells rechtfertigt.⁴ Den Zapatisten kam zugute, dass das Internet auf Partizipation ausgerichtet ist: Der Nutzer ist gleichzeitig Teilnehmer. Der »Krieg« der Worte, der Bilder und phantasievollen Geschichten, das Posten und Teilen von Inhalten waren ein wesentlicher Bestandteil des medialen Erfolgs der Zapatisten. Begünstigend wirkte, dass mit der Entwicklung der Computerindustrie auch von Nutzern geschaffene Freeware und Shareware-Systeme entstanden, die sich der staatlichen Überwachung entziehen konnten.

Da es im Bundesstaat Chiapas zur Zeit des zapatistischen Aufstandes fast keinen Zugang zum Internet gab, wurden die Nachrichten in der Zeit nach 1994 noch per Hand geschrieben und ausländischen Unterstützern zugeschickt, die diese dann online verbreiteten. Zu diesem Zweck verbanden sich die Zapatisten in dem Unterstützernetzwerk »La Neta« mit der NGO »Chiltak«, dem »Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas« und dem »Center for Economic and Social Research«. Später traten weitere Unterstützer- und Solidaritätsgruppen in Erscheinung, die E-Mail-Listen erstellten und lokale Aktionen für die Zapatisten organisierten, um Solidarität von außen zu schaffen.

Die Zapatisten hatten früh eine eigene Website, die über alle Kommuniqués, Aktionen und Erklärungen der Zapatisten, über Übergriffe des mexikanischen Militärs und der Paramilitärs, über internationale Treffen, z. B. der Frauenbewegung, Wissenschafts- und Kunsttagungen und über die Erweiterung und Neustrukturierung der zapatistischen Gebiete informierte. Die erste EZLN-Webseite wurde bereits 1994 über den Webserver des Swarthmore College in Pennsylvania von dem texanischen Studenten Justin Paulson implementiert.

Die Einrichtung der eigenen Website der Zapatisten fand damit ein Jahr früher statt als die der Website der mexikanischen Tageszeitung La Jornada und sogar zwei Jahre vor dem Start der Website des mexikanischen Staates, was der indigenen Organisation einen technologischen Vorsprung und gleichzeitig einen Vernetzungsvorteil gegenüber der Zentralregierung verschaffte. 1997 sagte Subcomandante Marcos in einem Interview mit dem französischen Soziologen Yvon Le Bot, das Internet sei »ein neuer Raum, eine Neuheit, die so neu war, dass niemand dachte, dass eine Guerilla zu ihm gehen könnte. Das Internet ist die informative Autobahn. Es war ein Land, das von keiner Streitmacht besetzt war.«⁵

Angriffe auf digitale Strukturen

Mittlerweile stellt diese »Autobahn« jedoch auch widerständische Gruppen wie z. B. Indymedia vor Probleme bei der Nutzung, wie nicht zuletzt die von Edward Snowden 2013 veröffentlichten geheimen Dokumente der National Security Agency (NSA) offenbarten. Aus diesen Dokumenten geht hervor, dass die großen Internetplattformen und -konzerne wie Google, Facebook, Microsoft, Skype, Youtube und Apple, die Informationen ihrer Nutzer an die US-Regierung übermittelten.

Auch die Zapatisten sind davon betroffen. Ein Beispiel ist die Attacke von Yahoo auf digitale Seiten der EZLN während der »Anderen Kampagne« 2006, einer wochenlangen Vernetzungs- und Bündnisaktion zur Bildung einer außerparlamentarischen Massenbewegung mit den Zapatisten und anderen sozialen Bewegungen in ganz Mexiko. Yahoo versuchte, die Kampagne unter anderem durch Löschung wichtiger Verteilerlisten zu sabotieren. Die mit den Zapatisten verbundenen Websites werden bei den genannten großen Internetplattformen wiederholt entweder als »gefährlich« eingestuft oder abgeschaltet. Hintergrund solcher Attacken ist die Angst, dass kapitalismuskritische Gruppen mit dem Internet ein Medium gefunden haben, mit dem sie der neoliberalen Globalisierung einen globalen Widerstand entgegensetzen können. Das »autonome zapatistische Rebellenbildungssystem« der EZLN schrieb 2010 zu diesem Pro­blem: »Es ist wichtig, die Verbindungen zu anderen elektronischen Seiten von anderen Organisationen und Kollektiven zu verbessern, um die Computerblockade zu überwinden, der uns die Großmächte immer unterwerfen«⁶

Alle, die die digitale Technik emanzipatorisch nutzen wollten, mussten sich mit der zunehmenden Kontrolle durch Staat und Geheimdienste immer wieder neuen Herausforderungen stellen und betrachten den digitalen Raum nicht nur als Vernetzungsraum, sondern auch als Raum des Kampfes. In diesem Sinne fand 2017 die »Kybernetische Ausgabe« des internationalen Künstlertreffens Comp-Arte 2017 statt, das Kunst und digitale Bewegungen wie Open Source-Initiativen oder Cyberfeminismus zusammenzubringen versuchte. In ihrem Aufruf zum Treffen stellten die Zapatisten die Fragen: »Ist ein anderes Internet, d. h. ein anderes Netz, möglich? Kann man dort kämpfen? Oder ist dieser Ort ohne präzise Geographie schon besetzt, in Anspruch genommen, außer Kraft gesetzt, et cetera? Kann es dort nicht Widerstand und Rebellion geben? (…) Ist das Netz ein Raum der Beherrschung, der Domestizierung, der Hegemonie oder der Homogenität? Oder ist es ein Raum im Streit, im Kampf? Können wir von einem digitalen Materialismus sprechen?«⁷

Vernetzter Widerstand

Die kollektiv erarbeitete Antwort der Comp-Arte-Tagung bestand darin, die Möglichkeit und schon bestehende Existenz von Widerstand und Rebellion in der »Geographie des Netzes« zu bejahen. In der den Zapatistas nahestehenden Internetzeitschrift Desinformemonos wurde die Meinung vertreten, das Internet sei zwar »ein Raum der Herrschaft, der Beherrschung, der Hegemonie und der Homogenisierung«, doch existierten, »gerade weil das Internet zentralisiert und hierarchisch ist, in seinem Inneren Räume des Kampfes und Widerstandes gegen die Beherrschung, Hegemonie und Homogenisierung«.⁸

Wie diese Räume genutzt werden können, zeigte sich erneut in der Coronakrise. So fanden seit der Schließung der zapatistischen Gemeinden bereits verschiedene Aktionen der Unterdrückten und Ausgeschlossenen statt. Dazu gehört der Aufruf des Organisationsverbundes »Antikapitalistische und antipatriachalische Metropolitane Koordination« (»Coordinación Metropolitana Anticapitalista y Antipatriacal«) vom 28. März 2020, einen »Globalen Tag für das Leben« durchzuführen, der für die »sozialen Netzwerke« mit dem Hashtag »ELEncierroNoMeCalla« (Der Einschluss schließt mich nicht aus) verbunden wurde.

Das Netzwerk lud dazu ein, »an musikalischen, theatralischen, tänzerischen und singenden Aktivitäten, Poesie, Kino, Malerei, Fotografie, Dokumentationen, Lesen von Büchern, Analysen, Diskussionen, Reflexionen, Konferenzen« teilzunehmen, »um den schlechten Regierungen der Welt entgegen zu schreien, dass wir trotz der Pandemie weiterhin für das Leben und gegen den Tod bringenden Kapitalismus und das Patriarchat kämpfen. Diese Aktivitäten können auf digitalem Wege von ihren Plattformen und sozialen Netzwerken aus verbreitet werden, so dass wir alle aus der Enge heraus unsere Stimme erheben und die nationalen Regierungen anprangern, die ihre grundlegenden Entscheidungen über das Recht auf Leben dem Diktat des Finanzkapitals unterordnen.« Am Ende des Aufrufes wird an Emiliano Zapata und seine Ermordung erinnert und verkündet, dass der Kampf weitergeht. »Das Einschließen bringt uns nicht zum Schweigen, wir widersetzen und organisieren uns!«

Anmerkungen

1 Geheimes Revolutionäres Indigenes Komitee (CCRI), Generalkommandantur (CG) und Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN): Kommuniqué. México vom 16.3.2020; http://enlacezapatista.ezln.org.mx/

2 Subcomandante Galeano (2017): Zapatistische Alchemie. Mexico, Chiapas, 2.1.2017; http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2017/01/13/alquimia-zapatista/

3 Subcomandante Insurgente Moisés und Galeano (2018): »300. Zweiter Teil. Ein Kontinent wie ein Hinterhof, ein Land wie ein Friedhof, ein einzigartiger Gedanke als Regierungsprogramm und eine kleine, sehr kleine, winzig kleine Rebellion.« Übersetzt von Nadine. Chiapas 98. 21.8.2018; https://www.chiapas.eu/news.php?id=9927; Vgl. http://enlacezapatista.ezln.org.mx/

4 Vgl. Manuel Castells (1998): La era de la información: Economía, sociedad y cultura. La sociedad red. (Vol. 1). México. Siglo Veintiuno, S. 399 f.

5 Marijana Mitrovic (2017): Zurück in die Zukunft! Feministinnen und Zapatistinnen erkunden die virtuelle Welt, 22.8.2017; https://mx.boell.org/

6 Autonomes zapatistisches Rebellenbildungssystem der Nationalen Zone der Befreiung Los Altos: Brief vom 15.2.2010; http://enlacezapatista.ezln.org.mx/

7 EZLN (2017): Kunst, Widerstand und Rebellion im Netz: Aufruf zur Kybernetischen Ausgabe des Comp-Arte »Gegen das Kapital und seine Mauern: alle Künste«. (Juli 2017) Enlace Zapatista; http://enlacezapatista.ezln.org.mx/

8 Desinforménomos (2.8.2017). Contra el liberalismo, el domio del internet y el Estado. Mexico; https://www.lahaine.org/mm_ss_mundo.php/contra-el-liberalismo-el-dominio

Raina Zimmering ist Historikerin, Politologin, Soziologin und Lateinamerikanistin. Von 2007 bis 2013 war sie Universitätsprofessorin und Leiterin der Abteilung für Politik- und Entwicklungsforschung des Instituts für Soziologie der Johannes-Kepler-Universität Linz, Österreich. Seither arbeitete sie als freie Autorin. Seit 2017 ist sie Senior Research Fellow am WeltTrends-Wissenschaftsinstitut in Potsdam.

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