Gegründet 1947 Sa. / So., 6. / 7. Juni 2020, Nr. 130
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Aus: Ausgabe vom 09.04.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Nach dem Sturm

Zu jW vom 19.3.: »Burgfrieden«

Jeder Sturm geht einmal zu Ende. Also auch »Corona«. Zurückbleiben werden die Schäden, die in ihrer Vielzahl und in ihren Ausmaßen gegenwärtig noch gar nicht abschätzbar sind. Aber eines lässt sich mit Sicherheit jetzt schon sagen: Ein gewaltiger, so in der Geschichte wohl noch nie dagewesener Schuldenberg wird sich aufgetürmt haben. Und wer wird diesen wohl abtragen? Etwa die »Schönen und Reichen«, die chronisch flüchtigen Multimillionäre und Megamilliardäre? Doch wohl kaum! Ergo: Es wird zu Umverteilungskämpfen kommen, wie sie die Welt bis dahin noch nicht erlebt haben wird. Und der größte Verlierer in diesen Kämpfen wird das Klima sein – und damit alles Leben auf diesem Planeten sowie die uns nachfolgenden Generationen.

Reinhard Hopp (Onlinekommentar)

Nächste Stufe

Zu jW vom 2.4.: »Aus der Immobilienblase«

Ich wundere mich seit langem, dass das Thema der kleinen Wohnungseigentümer in meiner Lieblingszeitung keine Rolle spielt. Offenbar ist die Bezeichnung Wohnungseigentümer ein Pseudonym für Immobilienhaie. Es wird nicht unterschieden zwischen denjenigen, die zum Beispiel nach der »Wende« angesichts von »Altschulden«, die von den kommunalen und anderen Wohnungsverwaltungen abzuzahlen waren, ihre Mietwohnung gekauft haben, um ihr Wohnumfeld nicht verlassen zu müssen und eine sichere Altersvorsorge zu haben, und denen, die international vernetzt sind und intensiv daran arbeiten, den gesamten Wohnungsmarkt, vor allem auch durch Aneignung von Grund und Boden, unter ihre Kontrolle zu bringen. Die im Artikel angesprochene Diskussion um den Mietendeckel ist eine gute Methode, davon abzulenken, um im Hintergrund die Fäden zu ziehen, damit dieser Prozess möglichst schnell vorangeht. Eine ganz entscheidende Rolle spielt dabei das neue Wohnungseigentümergesetz – eine Entmachtung der kleinen Wohnungseigentümer und eine wunderbare Möglichkeit, diese auszubeuten, Häuser auf deren Kosten kaputtzusanieren und sich massenweise Grund und Boden anzueignen – subventioniert vom Staat. Es ist quasi die nächste Stufe – nach der Verscherbelung des Wohnungsbestandes vor etlichen Jahren. (…)

Marianne Lemke, per E-Mail

Gegen die Spaltung

Zu jW vom 4.4.: »Subjektive Momente«

Es ist verdienstvoll, an die Gründung der KAPD zu erinnern. Was betont werden muss, ist, dass der Rauswurf des linken Flügels aus der KPD auf rein bürokratischem Weg erfolgte, der nichts mit Arbeiterinnen- und Arbeiterdemokratie zu tun hatte. Die KAPD vertrat einen großen Teil der proletarischen Basis der KPD. (…) Es darf auch nicht vergessen werden, dass Lenin im Unterschied zur Führung der »gesäuberten« KPD um diese Genossinnen und Genossen gekämpft hat. Auch sein Buch über den »Linken Radikalismus« hat er im wesentlichen geschrieben, um sie zu überzeugen. Nicht, um sie wegzustoßen. Er war es, der sich dafür eingesetzt hat, übergangsweise die KAPD neben der KPD in die Kommunistische Internationale aufzunehmen. Gegen den Willen der KPD. Und ebenfalls möchte ich daran erinnern, dass der »Säuberer« Paul Levi schließlich selbst aus der KPD ausgeschlossen wurde, weil er 1921 nach den Märzkämpfen verfolgten Genossinnen und Genossen in den Rücken gefallen ist.

Alexander Kalex (Onlinekommentar)

Zukunft neu denken

Zu jW vom 6.4.: »Hilfe statt Sanktionen«

Das Coronavirus hat der Weltgemeinschaft innerhalb weniger Wochen gezeigt, worauf es wirklich ankommt und wo die Schwachstellen unseres Systems liegen. (…) Jetzt haben wir die Chance, über die sogenannte Normalität nachzudenken, alles in Frage zu stellen und tatkräftig nach neuen Wegen zu suchen. (…) Es scheint, als hätten wir uns daran (…) gewöhnt: an ausgebeutete Menschen in Billiglohnländern, die grausigen Zustände in der Massentierhaltung, Unmengen von Verpackungsmüll, die Existenzängste vieler kleiner Unternehmer und vieles mehr – Hauptsache, der Preis stimmt. (…) Mahatma Gandhi hat einmal gesagt: »Die Welt hat genug für die Bedürfnisse eines jeden Menschen, aber nicht genug für die Gier eines jeden.« Wie wir heute sehen, hat die Moderne jedoch die Gier – nach Dingen, Geld und Macht – zum Leitbild gemacht: Konkurrenz, Wachstum, Gewinnstreben und Privateigentum sind der Treibstoff für den »Motor der Unersättlichkeit«. Wenn wir auch die kommenden Krisen auf eine menschliche Art und Weise überstehen wollen – oder vielleicht sogar noch verhindern –, dann müssen wir vor allem erkennen, dass die Wirtschaft allen Menschen dienen muss und nicht zu Ungerechtigkeit, millionenfachen Existenzängsten und künstlichen Versorgungsengpässen führen darf! Ein System, das nicht auf menschlichen Werten beruht, sondern das in einem unmenschlichen Tempo zugunsten einiger weniger Gewinner ein Heer von Verlierern hinterlässt (zu denen wir alle sehr schnell gehören könnten, wie wir jetzt sehen), darf nicht normal sein! Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken und bereit sein, völlig neue Wege einzuschlagen. Das bedingungslose Grundeinkommen für jeden Bürger wäre ein Anfang. Eine Gemeinwohlökonomie aus sich gegenseitig helfenden Unternehmen, die nur das Wohl aller Menschen und der Umwelt antreibt, wäre das höchste Ziel (…). Es ist Zeit, die Zukunft neu zu denken. Jetzt!

Frank Baldus, Wuppertal

Demo findet statt!

Zu jW vom 7.4.: »›Wir wollen keine Militarisierung der Gesellschaft‹«

Leider heißt es in jW, dass Ostermarschdemos wegen »Corona« nicht möglich seien. Wir laden Euch ein, am Karfreitag ab 12.30 Uhr an der Osteraktion am »Tornado«-Standort Jagel teilzunehmen. Unsere Kundgebung musste von den Behörden genehmigt werden. Sie wird in einer Weise durchgeführt werden, dass eine Ansteckungsgefahr nicht besteht. Das Vermummungsverbot wurde dazu aufgehoben. Die Anreise darf auch nicht als »Tourismus« untersagt werden. Wir brauchen den Rüstungsetat für ein funktionierendes Gesundheitswesen. Bundeswehr abschaffen!

Ralf Cüppers, Flensburg

Ein System, das nicht auf menschlichen Werten beruht, sondern zugunsten einiger weniger Gewinner ein Heer von Verlierern hinterlässt, darf nicht normal sein!