Gegründet 1947 Freitag, 29. Mai 2020, Nr. 124
Die junge Welt wird von 2295 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 09.04.2020, Seite 7 / Ausland
Coronavirus in Kuba

Ein gemeinsames Ziel

In Kubas Hauptstadt Havanna wird solidarisch gegen die Ausbreitung des Coronavirus gekämpft
Von Daniel Teune, Havanna
Coronavirus_Kuba_64913453.jpg
Mittlerweile geht in Kuba fast niemand mehr ohne Maske aus dem Haus (Havanna, 31.3.2020)

Seit am 10. März die ersten Coronavirusfälle in Kuba bekannt wurden, hat sich der Alltag auf der Insel deutlich verändert – jedoch anders als in Europa. Berichten aus Deutschland war eine gewisse Panik zu entnehmen, Menschen kauften Toilettenpapier und Nudeln, bis die Supermärkte leer waren. Von Havanna aus betrachtet, schien auch die Bundesregierung einen eher hilflosen Eindruck zu machen.

In Kuba hingegen wird sehr ruhig, bedacht und solidarisch mit der Gefahr der Coronaviruspandemie umgegangen. Zu den ersten Maßnahmen der Regierung gehörte eine Informationskampagne sowie umfassende Aufklärung zu Hygieneregeln, gefolgt von starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Schulen, Universitäten, Restaurants und große Fabriken wurden geschlossen, was dank des Plans zur Vorbeugung und Kontrolle von Epidemien (siehe jW vom 28.3.2020) relativ unkompliziert vonstatten ging. Statt in den Einrichtungen findet der Unterricht jetzt digital statt, per Internet sowie über staatliche Fernsehsender.

Das Fernsehen strahlt zudem Anleitungen aus, wie sich Nasen-Mund-Schutzmasken anfertigen lassen, von denen jede Person mindestens fünf Stück besitzen soll. Seit Ende März geht kaum noch jemand ohne eine solche Maske vor die Tür oder nutzt die öffentlichen Busse. Bereits vor Bestätigung der ersten Fälle wurde eine Handy-App erstellt, mit der die Bevölkerung informiert werden soll: »Covid-19-Infocuba«. Mittlerweile existieren drei solcher Informationstools speziell für die Inselrepublik.

An der Technischen Universität in Havanna (CUJAE) wurden Studentenwohnheime renoviert, um Orte für Personen zu schaffen, die zeitweise in Quarantäne müssen: insgesamt 38 Zimmer, die Platz für 76 Menschen bieten. Jeder Kubaner, der aus dem Ausland einreist, muss sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben, ebenso wie jede Person, die mit Infizierten in Kontakt stand.

Die Geschwindigkeit, mit der die Umbaumaßnahmen erfolgten, war beeindruckend. Die Zeit zwischen Planung und Fertigstellung betrug gerade einmal 14, die Bauarbeiten an den Häusern selbst nur sechs Tage. Während am ersten Tag der Arbeiten lediglich 20 Bauarbeiter zu beobachten waren, stieg die Zahl am nächsten Tag auf 50 an. Flaschen mit Hyperchlorit zum Desinfizieren standen an jedem Eingang bereit, ebenso trug jeder Arbeiter einen Mundschutz. Die Sicherheitsmaßnahmen werden in allen Arbeitsbereichen des Landes vom Gesundheitsministerium streng kontrolliert.

Eines der Gebäude ist momentan Wohnort für uns Teilnehmer des »Proyecto Tamara Bunke«. Wir mussten unsere Zimmer räumen und wurden in ein anderes Gebäude verlegt. Seitdem die Universität geschlossen wurde, bekommen alle Studenten regelmäßig Besuch von Ärzten, die ihre Gesundheit kontrollieren. Während die kubanischen Studenten zu ihren Familien zurückkehrten, bleiben die ausländischen weiterhin in der ­CUJAE.

Von Beginn an wurden alle Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt, dass Covid-19-Patienten auf den Unicampus kommen würden. Proteste oder unsolidarische Verurteilungen, wie sie in Teilen Europas vorgekommen sind, blieben aus. Statt dessen verhielt man sich solidarisch und begann damit, die renovierten Gebäude zu reinigen, um den Patienten ein möglichst schnelles Beziehen der Zimmer zu ermöglichen. Gemeinsam machten die Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes Kubas (UJC), der Direktor der Universität, die Hausverwalter, andere Beschäftigte sowie Freiwillige die Häuser bewohnbar, nachdem die Bauarbeiter Ihre Arbeit verrichtet hatten. Ohne Hierarchien haben wir alle ein gemeinsames Ziel: das Coronavirus zu besiegen und Menschenleben zu retten.

Der Autor lebt derzeit mit anderen jungen Menschen im Rahmen des »Proyecto Tamara Bunke« an der Technischen Universität von Havanna (CUJAE). Das Proyecto organisiert normalerweise jedes Jahr zwei mehrmonatige Reisen, um das Verständnis von und die Verständigung mit dem sozialistischen Kuba zu fördern.

Kritischer, unangepasster Journalismus von links, gerade in Krisenzeiten!

Die Tageszeitung junge Welt finanziert sich vor allem über Abonnements. Wenn Sie öfter und gerne Artikel auf jungewelt.de lesen, würden wir uns freuen, wenn auch Sie mit einem Onlineabo dazu beitragen, das Erscheinen der jungen Welt und ihre Unabhängigkeit zu sichern.

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland