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Deutsche Schlager

Von Rafik Will
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Zwei, die sich verdient haben: Thomas Anders (l.) und Florian Silbereisen

Es gibt Sender, die nur deutsche Schlager spielen und damit auch noch erfolgreich für sich werben. Schlimm genug, aber obendrein wird alle paar Jahre die Forderung nach einer Deutschquote im Radio laut. Auf Radio Corax setzte sich vorigen Freitag (3. April) unter dem Titel  »Deutschquote im Radio? Nein danke …« ein Beitrag mit der neuerlich erhobenen Forderung der Initiative »Deutsche Künstlermanager« auseinander. Mit einem O-Ton Martin Büssers wurde hier zudem an die »I Can’t Relax in Deutschland«-Kampagne aus den 2000er Jahren erinnert. Als Download findet sich das Audio bei freie-radios.net und radiocorax.de.

Wie schwer das Leben als Opernsängerin ist, bekommt man in Pauline Jacobs, Isabel Mehls und Georg Conrads Hörspiel »Pamelas Potentiale – Zauber, Flöte, Deluxe« (WDR 2020; Ursendung Teil 2/2 Di., 19 Uhr, WDR 3) vorgeführt. Der Titelfigur Pamela steht lediglich ihre geliebte Zimmerpflanze mit Rat zur Seite. Ein Hörspiel mit viel Witz und Musik, das Entstehen des sozialen Bewusstseins einer Künstlerin nachzeichnet – nachzuhören ist der erste Teil im WDR-»Hörspielspeicher«.

Die fesselnde Klangkunstproduktion »Vom Rohen und Gekochten« (SWR 2020; Ursendung Di., 23 Uhr, SWR 2) von Jan Jelinek wartet dann als spätabendlicher Leckerbissen auf einen. Hier werden das Künstlerpaar Thomas und Renée Rapedius sowie der Fotograf Peter Granser belauscht.

Gute Lektüre bietet die CX-Zeitung von Radio Corax mit einem Artikel von Berthold Seliger zum »Klassikkampf«, den Corax unter anderem mit dem »Händelfokus« (mittwochs 9 Uhr, Radio Corax) führt. Die Sintflut kommt dann in Claudia Gablers  »Als wir über die Terrasse schwammen« (SWR 2008; Mi., 19 Uhr, WDR 3), und danach bleibt es biblisch in José Saramagos  »Das Evangelium nach Jesus Christus« (NDR 2007; Teil 1/2 Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). Zeitgleich kommt Helmut Peschinas Bearbeitung von Marlen Haushofers »Der Wassermann« (WDR/ORF 1999; Mi., 20 Uhr, Bayern 2) zum 100. Geburtstag der Autorin.

Eine fiktive Werbekünstlerin porträtiert Jakob Nolte in der Mockumentary »Unbekannte Meister 4« (BR 2018; Mi., 22 Uhr, DLF Kultur). Klaus Buhlerts »Pirate Prentice’ Paranoia« (SWR 2020; Do., 22 Uhr, SWR 2) setzt auf die Kraft der Stereophonie und kündigt die »Gravity’s Rainbow«-Bearbeitung an, die nächste Woche startet.

Auf die Rationierung medizinischer Behandlung wird derzeit in großem Stil vorbereitet. Dass die Gefahr besteht, dass hier Menschen mit Behinderung als Patienten zweiter Klasse diskriminiert werden, erfuhr man in einem Interview mit der US-Amerikanerin Cathy Costanzo (Center for Public Representation) in der »Newshour« (BBC World Service, 4. April), die unter dem Titel Cyberkriminalität stand. Helgard Haug und Daniel Wetzels »Qualitätskontrolle« (WDR 2014; Do., 22 Uhr, DLF Kultur) ist ein Hörspiel über und von einer kopfabwärts gelähmten Frau. Gisela Höhnes und Rambazambas  »Das Hörspiel von Mongopolis« (RBB 2006; Fr., 21 Uhr, Bayern 2) sollte man auch nicht verpassen.

Außerdem nicht: Fred Breinersdorfers »Elser« (SWR/NDR 2015; Sa., 15 Uhr, Bayern 2), Aldous Huxleys  »Schöne neue Welt« (RBB 2016; 2 Teile So. und Mo., jeweils 14 Uhr, RBB Kultur), Heinrich Manns  »Madame Legros« (Rundfunk der DDR 1963; So., 17 Uhr, WDR 5 und Mo., 19 Uhr, WDR 3), Karin Köbernicks  »Kabarettgeschichten: Otto Reutter« (So., 18 Uhr, HR2 Kultur) sowie William Faulkners »Licht im August« (SWR 2017; Teile 1 und 2 von 5 So. und Mo., jeweils 18.20 Uhr, SWR 2) und zu Faulkner Alfred Kochs »Schall und Wahn« (So., 20.15 Uhr, ORF Ö1), Markus Mayers »Keiner weiß mehr – Das multimediale Werk von Rolf Dieter Brinkmann« (BR 2015; So., 20 Uhr, DLF) und Bruno Schulz’  »Wie Jakub, mein Vater, sich von uns wegverwandelte« (HR 1998; So., 21 Uhr, Bayern 2). Zum Wochenbeginn kommt »AK Kritik der Wissenschaften: SARS-CoV-2 von links betrachtet« (Mo., 22 Uhr, FSK).

Kritischer, unangepasster Journalismus von links, gerade in Krisenzeiten!

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