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Aus: Ausgabe vom 04.04.2020, Seite 2 / Ausland
Rekordzahlen

Dramatische Lage auf Jobmarkt

USA: Blitzartiger Anstieg der Zahl von Menschen ohne Arbeit
Von Jörg Kronauer
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Armut am Straßenrand: Paul bittet an einer Kreuzung in Falls Church, Virginia, um Kleingeld (3.4.2020)

Die Mitteilung des US-Arbeitsministeriums zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit vom Freitag war schon zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung veraltet. Die US-Wirtschaft habe im März 701.000 Arbeitsplätze verloren, teilte das Ministerium mit. Die Erwerbslosenquote sei dadurch von 3,5 Prozent auf 4,4 Prozent gestiegen: eine Folge der Coronakrise. Wäre schon diese Zunahme hart, so haben die Zahlen einen Schönheitsfehler: Sie beruhen auf Daten, die fast durchweg in der ersten Märzhälfte erhoben wurden. Die Folgen der Krise schlagen jedoch vor allem seit der zweiten Monatshälfte zu Buche.

Der tatsächliche Anstieg der Erwerbslosigkeit in den Vereinigten Staaten war bereits am Donnerstag bekanntgeworden. Lag die Zahl derjenigen, die finanzielle Hilfe beantragen, zuletzt gewöhnlich bei wenig mehr als 200.000 Menschen pro Woche, so schnellte sie in der Woche bis zum 21. März auf 3,3 Millionen Menschen in die Höhe, in der Woche bis zum 28. März dann auf 6,6 Millionen Menschen – fast das Zehnfache des bisherigen Wochenrekords vom Oktober 1982, als binnen einer Woche 695.000 US-Amerikaner Unterstützung beantragten. Im März 2009, als die Folgen der globalen Finanzkrise voll durchschlugen, waren es 665.000. Klar scheint zu sein, dass die Quote der Menschen ohne Job auf deutlich mehr als zehn Prozent in die Höhe schnellen wird. Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank geht laut Reuters davon aus, dass sie unter Berücksichtigung der Erstanträge bereits im Bereich von zwölf Prozent liegen dürfte: »Das wäre dann die höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg. Der wirtschaftliche Schaden durch das Coronavirus ist monströs.«

Dabei zeigt der blitzartige Anstieg – in früheren Krisen zog sich der Prozess stets über längere Zeiträume hin – den spezifischen Charakter der Coronakrise, die weite Teile der Wirtschaft praktisch gleichzeitig lahmlegt. Um die Wirkung abzufedern, hat die Trump-Administration die Erwerbslosenhilfe auch Freiberuflern zugänglich gemacht und sie für alle aufgestockt. Zusätzlich zu den 387 US-Dollar pro Woche, die zuletzt durchschnittlich gezahlt wurden und die hinten und vorne nicht ausreichen, will Washington jetzt eine Zeitlang jedem Empfänger von Arbeitslosengeld weitere 600 US-Dollar pro Woche überweisen, um die Nachfrage nicht gänzlich kollabieren zu lassen. Dennoch sind längst nicht alle Bürger abgesichert; so wurden bereits Antragsteller abgewiesen, weil sie im Vorjahr zuwenig Geld verdient hatten.

In Schwierigkeiten steckt übrigens auch die Familienholding von US-Präsident Donald Trump. Obwohl nicht alle ihre Hotels geschlossen haben – die Administration erzwingt das nicht –, fließen kaum noch Einnahmen. Die Firma verhandelt aktuell mit dem US-Bundesstaat Florida und der Deutschen Bank: Ersterer soll die Pachtzahlungen für Trumps Golfplatz in Palm Beach aussetzen; letztere soll die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von einigen hundert Millionen US-Dollar stunden. Ob man der Holding etwas abschlagen kann, ohne künftig bei US-Geschäften in Schwierigkeiten zu geraten, ist unklar.

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