Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
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Aus: Ausgabe vom 31.03.2020, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Drinnen und draußen

»Unorthodox« | Viertlg. Miniserie, Netflix
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Erdrückende Enge: Esty (4. v. l.) im Kreise ihrer chassidischen Familie

Esty hat die Faxen dicke: Aufgewachsen in einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte in New York, hat die 19jährige genug davon, sich die Vorhaltungen der Schwiegermutter anhören zu müssen, wieso sie noch immer keinen Stammhalter in die Welt gesetzt hat. Sie haut ab, nach Berlin, ihren sitzengelassenen Ehemann und dessen nicht ganz koscheren Cousin immer auf den Fersen. Die Adaption von Deborah Feldmans Autobiografie »Unorthodox« ist stark in der Darstellung der erdrückenden Enge einer radikalpatriarchalen religiösen Parallelwelt, in der Frauen selbst das Musizieren verboten ist. Schwer ärgerlich dagegen ist die Inszenierung Berlins als herzlich-helles Paradies der kosmopolitischen Toleranz. Dass russischsprachige Menschen hier nur als Zuhälter oder Putzfrau vorkommen und auch die Wannseekonferenz nicht ohne Verweis auf die angeblichen Greuel an der innerdeutschen Grenze erwähnt werden kann, sagt mehr darüber aus, wer in diesem Land dazugehört und wer nicht, als der Rest dieser Film gewordenen Hochglanzbroschüre. (pm)

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