Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
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Asche auf Achse

Von Rafik Will
Karlheinz Stockhausen
»Auf Sirius ausgebildet«: Karlheinz Stockhausen

Es mangelt dem deutschen Gesundheitssystem an Fachpersonal, Betten auf Intensivstationen, Beatmungsgeräten und Testkapazitäten. Digitale Gadgets füllen diese Lücken nicht. Unbeleckt davon wird eifrig ein allgemeines Bewegungstracking per Smartphone-App diskutiert. Warum das – zumal ohne breit angelegte Virustests – absoluter Blödsinn ist und warum sich Bewegungsprofile so schwer anonymisieren lassen, erfährt man in einem Gespräch von Radio Nordpol aus Dortmund. Der Beitrag vom 29. März trägt den Titel »Warum es wenig Sinn macht, Corona mit Daten zu bekämpfen« und findet sich auf radio.nrdpl.org sowie freie-radios.net zum Nachhören.

Nicht mit Corona beschäftigt sich Julia Reuter in ihrem Feature »Meister und Margarita. Michail Bulgakows Opus magnum« (ORF 2020; Di., 16 Uhr, ORF Ö1). Eine zwölfteilige Hörspielinszenierung, die unter der Regie von Klaus Buhlert 2014 beim BR produziert wurde, gibt es als Podcast auf der Website des BR.

Unter den Orten, deren Lebendigkeit man sich zurückwünscht, zählen Autobahnraststätten nicht zu den Topkandidaten. Aber vielleicht kommt beim Hören von Annette Schelds »Station Sehnsucht – Eine Ortserkundung an der Autobahnraststätte« (DLF Kultur 2020; Ursendung Di., 22 Uhr, DLF Kultur) ja doch ein klein wenig Wehmut auf.

Klaus Walter aktualisiert in seiner Sendung »Was ist Musik« deren Grundfrage: »Was ist Procoronastination-Musik?« (Mi., 8 Uhr, Byte FM). Es wird auch um den Tod von Gabi Delgado gehen: »Selten war Musik so Musik im Jetzt wie DAF 1980/81«, steht in der Vorankündigung: »Als wär’s das letzte Mal. Und dann ging’s doch weiter.«

»Digitale Gesänge« von wittmann/zeitblom erklingen in »Tell me Something Good, Stockhausen!« (NDR/DLF/BR 2020; Ursendung Mi., 20 Uhr, NDR Kultur), während Florian Neuner sich in »Asche« (HR 2020; Ursendung Sa., 23 Uhr, HR 2 Kultur) dem Ende der Ära von Karlheinz Stockhausen und Co. widmet. Gesendet wird am Wochenende der erste von zwei Teilen mit dem Titel »Auf Achse«.

Interessant werden dürfte unter dem Aspekt der Corona-Restriktionen ein neues Feature von Markus Metz und Georg Seeßlen: »Zivilgesellschaft und Demokratie« (SWR 2020; Mi., 22 Uhr, SWR 2). Am Tag darauf läuft Andreas Weisers Klangkunststück »Die Welt ist, wofür ich sie halte« (HR 2004; Do., 22 Uhr, SWR 2).

Trashigen Hörspielhorror verspricht Martin Heindels »Die Fabrik« (WDR 2016; Do., 23 Uhr, 1 Live), während wenig später noch mal die Koproduktion »Sprache, mein Stern. Hölderlin hören.« (RBB/BR/DLF 2020; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) von Ruth Johanna Benrath und Ulrike Haage in den Äther geschickt wird.

Liegenbleiben oder aufstehen? Mit dieser extrem schwierigen Entscheidung beginnt der Tag der Figuren in Mercedes Lauensteins Debüthörspiel »Entscheidungen« (BR 2020; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Auch sonst haben sie es nicht leicht und müssen am Ende sogar der Möglichkeit ins Auge blicken, dass Entscheidungslosigkeit verhängnisvoll sein kann.

Der »Mitternachtskrimi« beim DLF heißt nun »Blue Crime«. Und da kommt in dieser Woche »True Crime« mit Michael Farins »Nr. 989, Aichach. Vera Brühne Mitschnitte« (BR 2017; Teil 1/3 Sa., 0 Uhr, DLF).

Um den Umgang mit Geflüchteten im Theaterbetrieb dreht sich Mona Winters »Das Theater spielt fremd« (SWR 2019; So., 14 Uhr, SWR 2). Alice Zeniter beschreibt in »Wenn die Welle kommt« (SR/DLF Kultur 2019; Ursendung So., 17 Uhr, SR 2 Kulturradio) ein Eremitenleben in Zweisamkeit. Seltsame Verwandlungen werden in Judith Kuckarts »Jagd auf Tilla Fuchs« (SWR 2020; Ursendung So., 18.20 Uhr, SWR 2) geboten. Einen Statusbericht zur Befindlichkeit des Landes bringen Andcompany & Co.: »Warpop Mixtake Fakebook Volxfuck Peace Off! ’Schland of Confusion« (WDR 2016; So., 19 Uhr, WDR 3). Und Antonia Kreppel gräbt tief: »Radikale Netzwerke – Einblicke in Pflanzenwelten« (DLF 2020; So., 20 Uhr, DLF).

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