Gegründet 1947 Donnerstag, 2. April 2020, Nr. 79
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 26.03.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kapitallogik

Jobkahlschlag bei Thyssen-Krupp

Essener Industrie- und Rüstungskonzern will in Stahlsparte 3.000 Stellen »abbauen«
ThyssenKrupp_64347512.jpg
Feuerbeschichtungsanlage bei Thyssen-Krupp in Dortmund

Der durch Missmanagement und Weltmarktkrise angeschlagene Industriekonzern Thyssen-Krupp AG will sein Stahlgeschäft »sanieren« – durch die Vernichtung von 3.000 Stellen. Dies verkündeten Management und IG Metall am Mittwoch. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei vermieden werden. Gewerkschaft und Konzern einigten sich demnach auf einen bis Ende März 2026 laufenden Tarifvertrag. In der Coronaviruskrise, in der Thyssen-Krupp flächendeckend Kurzarbeit ankündigte, soll außerdem ein »Sofortpaket« helfen.

Bis zu 2.000 Stellen sollen der Einigung zufolge in den nächsten drei Jahren in der Stahlsparte »abgebaut« werden, weitere rund 1.000 Stellen bis 2026. Damit ist der Bereich stärker von Kürzungen betroffen als bislang bekannt. »Wir haben Probleme zu lange aufgeschoben und harte Entscheidungen gescheut«, erklärte Vorstandsmitglied Klaus Keysberg. Die neuen Vereinbarungen »geben uns Handlungsspielraum, damit der Stahl langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann«.

Von den Streichungen im Stahlbereich betreffen nach Unternehmensangaben rund 1.000 die Verwaltung, 1.200 Stellen sollen im Zuge einer »Optimierung des Produktionsnetzwerks« wegfallen. Bei den restlichen 800 Stellen geht es demnach um den Bereich Grobblech, für den Thyssen-Krupp »keine Entwicklungsperspektive innerhalb der Unternehmensgruppe« sieht. Wie die IG Metall in einer Mitteilung an die Beschäftigten erklärte, soll die Grobblechproduktion in Duisburg innerhalb eines Jahres möglichst verkauft oder andernfalls bis Ende 2021 geschlossen werden.

Parallel dazu sollen zusätzliche 800 Millionen Euro in das Stahlgeschäft investiert werden, wie der Konzern weiter mitteilte. Außerdem bleibe es bei den Verkaufsplänen für die profitable Aufzugssparte, die gut 17 Milliarden Euro einbringen soll, um andere Bereiche zu sanieren.

In der Coronaviruskrise werde Thyssen-Krupp »an vielen Standorten in den nächsten Wochen in Kurzarbeit gehen müssen«, kündigte Personalvorstand Oliver Burkhard an. Das »Sofortpaket« sieht für Betroffene eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 (statt 60) Prozent vor. Zudem soll laut IG Metall eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung von 1.000 Euro im laufenden Jahr in fünf freie Tage umgewandelt werden. (AFP/jW)

Ähnliche:

  • Vorstandschef Guido Kerkhoff zwischen Kuratoriumsvorsitzenden Ur...
    26.09.2019

    Stuhltanz bei Thyssen-Krupp

    Vorstandschef soll durch Aufsichtsratsvorsitzende ersetzt werden. IG Metall fordert Sicherheit für Arbeiter
  • Kreuzfahrt- statt Containerschiff: Die deutsche Schiffbaubranche...
    14.09.2019

    Im Aufwind

    Gute Auftragslage, mehr Beschäftigte: Die deutsche Schiffbauindustrie hat sich wieder erholt. Viel Leiharbeit und Werkverträge
  • Der Tata-Standort IJmuiden an der niederländischen Nordseeküste:...
    31.03.2018

    Fusion mit Fallen

    Joint Venture der Stahlkonzerne Thyssen-Krupp und Tata: IG Metall wehrt sich gegen Privilegien des niederländischen Standorts

Mehr aus: Kapital & Arbeit

Jetzt drei Wochen gratis im Probeabo!